Neues Schulkonzept der Stadt in der Kritik – Außerordentliche Sitzung zur Altstädter Schule 

Politik Von Redaktion | am Fr., 23.08.2019 - 19:51

CELLE-NEUENHÄUSEN. Ginge es nach der SPD-Fraktion im Ortsrat Neuenhäusen, so bliebe die Altstädter Schule im architektonisch prominentesten Celler Schulgebäude, der von Otto Haesler gebauten „Glasschule“. Ein entsprechender Antrag wurde gestern auf der außerordentlichen Ortsratssitzung, die sich mit der von der Stadt Celle initiierten Neuordnung der Grundschullandschaft, und hier speziell der Einrichtung im Bezirk, befasste, verabschiedet. Nur wenige Eltern fanden sich in der Alten Exerzierhalle ein, was in den langen Fristen, die der Umgestaltung zugrunde liegen, begründet sein mag.
Pädagogische Aspekte kämen deutlich zu kurz, lautete der Hauptkritikpunkt zur Vorlage der Verwaltung. Der Vorsitzende des Stadtelternrates Stephan Ohl merkte an, man müsse für eine Neukonzeption das große Ganze im Blick haben, das Thema Inklusion sei beispielsweise nicht einbezogen worden. Für eine Umgestaltung, die alle Kriterien berücksichtige, würden die genannten Mittel in Höhe von 17,5 Millionen Euro nicht ausreichen. Die Rahmenbedingungen seien von größter Bedeutung für eine grundlegende Neuausrichtung.

In zwei Jahren soll laut Stadträtin Susanne McDowell, die die Pläne der Verwaltung für Ratsmitglieder und Gäste skizzierte, die Altstädter Lehreinrichtung in das Gebäude der jetzigen Blumläger Schule umziehen. Dort blieben beide Grundschulen zunächst unter einem Dach bestehen. Ziel sei, dass sie auf lange Sicht zusammenwachsen. Das Haesler-Gebäude werde nach erfolgter denkmalgerechter Sanierung an den Landkreis verkauft, ihren Sitz werde dort die Sprachheilschule finden. „Aufgrund mangelnder Haushaltsmittel in der Vergangenheit besteht an den Grundschulen im Stadtgebiet ein Investitionsstau“, führte McDowell aus.

Aktuell stünden 17,5 Millionen Euro für die Sanierung zur Verfügung. Dieses sei jedoch nicht der alleinige Grund für eine Neuordnung. „Pädagogisch hat sich viel verändert“, sagte die Stadträtin mit Verweis auf die lange Zusammenarbeit der Celler Rektorenkonferenz mit dem Pädagogen Stefan Niemann, der eine Auswertung von „Zehn Jahre Ganztagsschule“ vorgelegt hat. Die räumliche Ausgestaltung von Lerneinrichtungen müsse den veränderten pädagogischen Konzepten angepasst werden. Als Beispiele nannte sie die Auflösung des Lernens in Klassenverbänden, an deren Stelle seien kleine Gruppen und Einzelunterricht getreten, Rückzugszonen seien mittlerweile Bestandteil des Lernens und Lehrens.

Von Seiten der Verwaltung werde eine Ergänzungsvorlage erstellt, in die pädagogische Gesichtspunkte einfließen sollen. „Die Stadt schafft die Rahmenbedingungen. Wir verfügen nicht über die pädagogische Expertise“, merkte die Stadträtin an. Man werde Stefan Niemann daher in beratender Funktion ab September hinzuziehen. Gespräche seien bereits geführt worden, die Kosten übernehme die Stadt. Der Kritik, der Schulweg werde für viele Kinder aufgrund der Verlagerung in die Blumlage zu lang, begegnete die Verwaltung mit einer angefertigten Skizze, die aufzeigt, dass der Radius um die Blumläger Lehreinrichtung bis auf wenige Straßenzüge alle Wohngebiete des Schulbezirkes erfasst.

„Wir erfahren unseren Stadtteil gemeinsam“, leitete die Leiterin der Altstädter Schule, Martina Smutek, ihr kleines Plädoyer für den Verbleib im Haesler-Bau ein. Die geringe Schülerzahl von 120 sei ein großes Plus, die Zahl verdoppele sich faktisch in der Blumlage. Die Nähe zum Schwimmbad, dem Schloss, dem Französischen Garten und anderen Orten der Innenstadt schaffe ein ideales Umfeld für gemeinsames Lernen, die elf Pädagogen würden jedes Kind mit Namen kennen. Zudem habe sie mit der Leitung der Sprachheilschule gesprochen, diese habe zum Ausdruck gebracht, der Parkettboden im Haesler-Gebäude sei für die speziellen Zwecke der Lehreinrichtung nicht geeignet. Ein Gegensatz zur Aussage der Verwaltung, die innerhalb der Sitzung auf die Frage, ob sich die denkmalgerechte Sanierung auch auf die Innenausstattung beziehe, geantwortet hatte, der Parkettboden bleibe, er sei geeignet für die Fördereinrichtung. Wie dieser Widerspruch sich erkläre, war der Antwort der Fachbereichsleiterin für Soziales und Kultur, Katharina Lohmann, zu entnehmen: „Ich habe meine Informationen hinsichtlich des Bodens vom Landkreis erhalten.“

Der zweite Teil des Antrags der SPD-Fraktion wurde abgelehnt. Er ist faktisch bereits abgedeckt durch den einstimmig gefassten Beschluss des Ortsrates Westercelle am Mittwoch, wonach die Stadt eine Informationsveranstaltung zur Umgestaltung der Celler Grundschullandschaft anbieten muss. Es wäre wünschenswert, dass die Rektorenkonferenz und der Stadtelternrat teilnehmen, wurde aus den Reihen der Sitzungsteilnehmer geäußert. McDowell sicherte zu, die beiden Gremien einzuladen.