Geschichte, Grundschule und Militär prägen Neujahrsempfang in Faßberg 

Gesellschaft Von Susanne Zaulick | am Mi., 22.01.2020 - 15:38

FASSBERG. Was das vergangene Jahr für die Gemeinde Faßberg und mit ihr den Fliegerhorst gebracht hat, steht im Mittelpunkt der Ansprachen beim Neujahrsempfang, zu dem das aus Vertretern von Institutionen vor Ort, aber auch der Bundespolitik zusammengesetzte „Kuratorium Militärluftfahrt, Weltraum und Heide“ gestern eingeladen hatte. Im großen Saal des Soldatenheims begrüßte Bürgermeister Frank Bröhl die zahlreichen geladenen Gäste und skizzierte die aus seiner Sicht wichtigsten Geschehnisse des vergangenen Jahres, allen voran die Feierlichkeiten zu „70 Jahre Luftbrücke“, die er als „das wohl größte Event in der Geschichte Faßbergs“ bezeichnete und den Tag der Bundeswehr mit ca. 60.000 Besuchern.

„Die Vielzahl an schönen und bewegenden Momenten, die die Feierlichkeiten mit sich brachten, werden uns sicherlich noch über Jahre prägen“, so Bröhl, der sich in diesem Zusammenhang auch bei Soldaten und Mitarbeitern des Fliegerhorstes bedankte. Besonders stolz sei er auch auf die Schulprojekte, die im Vorfeld des Luftbrückenjubiläums stattgefunden hatten. Bildungsarbeit zur Geschichte möchte die Gemeinde fortsetzen, wofür bereits 10.000 Euro, die im Rahmen des Fly-In-Barbeque gespendet wurden, zur Verfügung stehen.

Als weitere besondere Begebenheiten des Jahres 2019 nannte der Bürgermeister die Freundschaftserklärung mit dem Berliner Bezirk Spandau (ebenfalls aus der Luftbrücken-Historie entstanden), ein wissenschaftlich begleitetes Projekt zur Ortsentwicklung Faßbergs, das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft Yerville-Faßberg und für Müden die Eröffnung des Dorfladens Tante Hanna im Juni.

Ein Themenkomplex, der schon einige Neujahrsempfänge überdauert hat und die Gemeinde wohl auch in den kommenden Jahren begleiten wird, ist die geplante Umsiedlung der Grundschule vom Lerchenweg auf das Areal der ehemaligen Peter-Härtling-Schule am Marktweg. „Der Gemeinderat hat die Bereitschaft signalisiert, die Lerchenschule als Ausweichquartier für die Fachschule an die Bundeswehr zu vermieten. Natürlich vorbehaltlich einer für alle Seiten möglichst zufriedenstellenden Lösung, um die Faßberger Grundschüler und das Lehrpersonal in neuen Räumen unterzubringen“, erklärte Bröhl den Hintergrund. Die Beratungen zu solch kontrovers diskutierten Entscheidungen im Gemeinderat seien nicht immer leicht und eine ganz besondere Herausforderung sei die steigende Zahl an Interessengruppen, die sich einbringen und ihr Wissen zur Verfügung stellen wollten. Die Anliegen und Sorgen der Bürger müssten ernst genommen werden, „damit die Gesellschaft nicht den Glauben in demokratische Meinungsbildungsprozesse verliert“. 

Wie ein solcher Prozess ablaufen und zu einem tragfähigen Konsens geführt werden könne, habe die Diskussion um den Umgang mit der Glocke der Michaelkirche gezeigt, so Bröhl weiter. Aus dieser Debatte hat sich inzwischen ein Arbeitskreis gegründet, der mit Unterstützung durch Historiker des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Berlin-Gatow die Faßberger Geschichte aufarbeiten will. Und noch einen Meilenstein in geschichtlichem Zusammenhang hatte der Bürgermeister zu verkünden: Der Bau eines schon seit Längerem geplanten Besucherzentrums an der Erinnerungsstätte Luftbrücke sei "durch eine Fördermittelzusage in beträchtlicher Höhe in greifbare Nähe gerückt“.

Für den Fliegerhorst warfen Oberst Georg von Harling als Standortältester und Kommandeur des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe sowie Oberst Olaf Bölting als Kommandeur des Transporthubschrauberregimentes 10 „Lüneburger Heide“ den Blick in die Zukunft. Im Zuge der US-amerikanischen Großübung „Defender 2020“ würden Bergen, Faßberg, Fallingbostel und Munster zum Hauptaufmarschraum, erläuterte von Harling. Auf der Gemarkung der Gemeinde Faßberg sollen 2000 Soldaten im Lager Trauen untergebracht werden und von dort aus den Übungsbetrieb absolvieren. „Ich glaube, wir können uns über dieses Symbol der Solidarität freuen“, so von Harling mit Blick auf das US-amerikanische Engagement in Europa. Erfreut zeigte er sich auch über die bevorstehende Aufarbeitung der Geschichte Faßbergs bzw. des Fliegerhorstes. „Das Wesentliche ist Wissen. Faßberg hat eine besondere, einmalige Geschichte mit einer Menge Licht, aber auch Schatten.“

Oberst Olaf Bölting bereitet sein Regiment derzeit auf den nächsten Auslandseinsatz vor. Ab November werden Teile der „Heideflieger“ nach Afghanistan verlegt. Daher stünden in den kommenden Monaten intensivere Übungsaktivitäten an. Trainiert werde das Zusammenwirken von Heeres- und Luftwaffenhubschraubern. An den Schluss stellte Bölting einen kurzen Werbeblock für die Bundeswehr: „Die Bundeswehr braucht Nachwuchs. Wir brauchen gute Geister – männlich, weiblich, divers, die uns dabei unterstützen, unsere tollen Waffensysteme in die Luft zu bringen“, so sein Appell an alle Interessierten.

Für den Landkreis skizzierte Landrat Klaus Wiswe die Themen, die ihn, die Kreisverwaltung und den Kreistag derzeit bewegen. Der Glasfaserausbau, das AKH und seine trotz „toller Ärzteschaft und super Pflege“ chronische Unterfinanzierung, aber auch die Situation der Landwirtschaft stehen dabei aktuell an vorderster Stelle. Auch die touristische Entwicklung war dem Landrat einige Sätze wert. Seit Jahren verzeichne die Lüneburger Heide steigende Zahlen „und Müden ist eines unserer Zentren“, so Wiswe. Im zweiten Teil des Abends gab es dann für Gäste und Gastgeber Gelegenheit, sich am Buffet zu stärken und, wie Bürgermeister Frank Bröhl formulierte, zum „Netzwerken“.