CELLE. „Alle Parteien haben uns im Stich gelassen“, lamentiert Dirk-Ulrich Mende, SPD-Ortsverein-Vorsitzender. „Schlichtweg falsche Behauptungen“, „SPD tritt wieder einmal populistisch nach“ kontern die anderen. Mehr noch, mit den mutmaßlichen Falschaussagen beschädige der ehemalige Celler Oberbürgermeister den Ruf seiner Parteikollegin und Bundestagsabgeordneten Kirsten Lühmann. Sie hatte die Initiative, die noch hängenden Wahlplakate in einer gemeinsam Aktion zu entfernen, wofür auch die CDU ausdrücklich dankt.

Insgesamt habe man vergangene Woche satte 6300 Plakate eingesammelt – das klingt nach mindestens einer 0 zu viel, aber wir wollen das erst einmal glauben (die Grünen haben nach eigenen Angaben ganze 200 Plakate auf- und wieder abgehängt). Die Altplakate „von den Linken, der CDU bis zu den Freien Wählern“ habe man ordentlich gestapelt, fest gezurrt und hunderte Kabelbinder entfernt (CelleHeute berichtete). Wieviele von der SPD noch hingen, sagte Mende nicht. Schließlich sind alle Parteien verpflichtet, innerhalb von zwei Tagen ihre Plakate zu entfernen.

Mende bedauert, dass die Aktion „ausschließlich an den SPD Mitgliedern hängen geblieben“ sei. „Als Partei mit Verantwortungsbewusstsein […] halten wir viel davon, dass […] auch künftig diese Plakate in einen Kreislauf der Wiederverwendung gelangen. Daran sollten sich dann aber künftig auch alle betroffenen Parteien gleichermaßen beteiligen“, so Mende.

SPD-Aktion: Spuren des Doppelwahlkampfs umweltgerecht entsorgt

Sein Parteikollege Dr. Jörg Rodenwaldt setzt noch einen drauf: „Nicht nur die aktuellen CDU-Plakate aus dem Bundestags- und Landtagswahlkampf wurden entsorgt, sondern auch ein Teil von CDU-Plakaten des aktuellen Oberbürgermeisters aus dem letzten Kommunalwahlkampf haben wir zur Wiederverwertung zusammengepackt. Da hat sich eine Partei auf Kosten anderer entmüllt.“ Kein Wort zu den anderen Parteien oder eben der eigenen. Rodenwaldt ist übrigens der gewählte Vertreter des „aktuellen OB“.

Das wollen die kritisierten Parteien so nicht auf sich sitzen lassen. Robert Kudrass von der FDP hatte unseren Bericht bereits selbst kommentiert. „Dass die SPD daraus Vorwürfe an alle politischen Mitstreiter erhebt zeigt, dass die Führung der SPD mit dem ehemaligen OB Mende an der Spitze derartig schöne Aktionen nicht ohne ein populistisches Nachtreten über die Bühne bekommt – schade“, so der Vorsitzende. Aus seiner Sicht gab es mehrere Informationen von der SPD, wann und wie die gebrauchten Plakate angeliefert werden dürfen. „Einen Hinweis zu dem vom Beschwerdeführer Mende genannten Aktionstag für die endgültige Verpackung bzw. Verladung gab es dagegen nicht“, ist Kudrass sicher. „Am Tag der Verpackungsaktion (einem Arbeitstag!) […] wurde gegen 10 Uhr hektisch durch die Genossen herumtelefoniert, ob aus den anderen Parteien für diese Aktion Hilfe zu mobilisieren sei. Den Freien Demokraten war es dann leider nicht möglich, in der Kürze der Zeit Hilfe zu organisieren“, so seine Erklärung.

„Der SPD Ortsvereinsvorsitzende Dirk Ulrich Mende zeigt mit seinen schlicht falschen Behauptungen leider wieder erhebliche Schwächen, ‚Dichtung‘ und ‚Wahrheit‘ auseinander zu halten,“ stellt CDU-Stadtverbands-Vorsitzender Alexander Wille klar. Die CDU habe von vornherein die „lobenswerte Initiative von Kirsten Lühmann unterstützt. „So haben wir in unseren acht CDU Ortsverbänden die Hohlkammerplakate jeweils unmittelbar nach der Bundstags- und Landtagswahl abgehängt, direkt vor Ort von Kabelbindern befreit und im städtischen Bauhof zur zentralen Entsorgung angeliefert“, so Wille.

Von einem zusätzlichen Termin zum „Verpacken“ der Hohlkammerplakate sei nie die Rede gewesen. „Dieses Geheimnis hat der SPD-Vorsitzende Mende für sich behalten. Im Übrigen hat sich der Mende nie an mich als Vorsitzenden der CDU in der Stadt Celle gewendet, um Informationen zu dieser Aktion auszutauschen – sei es schriftlich, per Mail oder telefonisch“, versichert Wille.

„Ich danke Kirsten Lühmann nochmals für ihre gute Initiative. Der SPD-Vorsitzende Mende muss nun beantworten, ob er mit seinen falschen Behauptungen allein die Celler Parteien diskreditieren wollte, oder die lobenswerte Initiative seiner Bundestagsabgeordneten beschädigen will“, erwartet der „Mitbewerber“, Zitat Mende.

Die Grünen indes fühlen sich nicht angesprochen. Ihr Vorsitzender Bernd Zobel erklärt: „Bei der Initiative ging es um die Beseitigung der Hohlkammerplakate. Die Grünen haben im Wahlkampf im Unterschied zu den anderen Parteien Vordermann-Plakate aufgehängt. Diese Plakate sind umweltfreundlich und wetterfest. Sie bestehen zu 90% aus Altpapier und sind leicht über die Altpapiersammlung zu entsorgen. Die von uns aufgehängten 200 Plakate in Stadt und Landkreis sind vorrangig beim Abfallzweckverband im Papiercontainer gelandet.“

Eine Antwort zu “Neverending Wahlkampf: „Halbwahrheiten“ bei SPD-Wahlplakat-Aktion?”

  1. C.Brandes sagt:

    Celle geht es richtig gut!
    Ein gesunder Haushalt!
    Perfekt gelungene Verkehrsplanungen (Umgehung, Nordwall, Neumarkt)!
    Top ausgebauter ÖPNV!
    Eine zukunftsfähige Innenstadt ohne Leerstände!
    Einwandfreier Zustand von Straßen und Radwegen!
    Ansonsten kann ich mir nicht erklären, warum in der Celler Politik von einer Posse in die nächste geschliddert wird.
    Von den ehemaligen Volksparteien aus Celle hört man seit Jahren nur noch: „der hat gesagt“, „stimmt gar nicht“, „der hat gelogen“, „nein, der andere hat gelogen“, „stimmt gar nicht“.
    DAS INTERESSIERT NIEMANDEN!
    Es ist den Leuten doch völlig egal, wer wann wo welche eh überflüssigen Plakate abgenommen hat.
    Die Leute wollen, dass endlich die richtigen Bretter gebohrt werden. Gemeinsam. Und nicht nur die dünnen Spanplatten.
    Christian Brandes, Lachendorf

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