NIENHAGEN. Mit 380 Gästen ist der Hagensaal bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die Gäste sind zum Teil von weit her angereist. Die jungen Damen aus der Schweiz und aus Irland haben wohl die weitesten Strecken auf sich genommen, um sich diesen besonderen Abend nicht entgehen zu lassen.

Alles beginnt mit etwas Verzögerung. Die Türen zum Saal öffnen sich später als gewohnt. Vor dem Hagensaal bildet sich eine lange Schlange. Für die Stammgäste eine ungewohnte Situation. Julia Kokke aus Hannover, die die Organisatoren als Support Act gewinnen konnten, entführt die Zuhörer zunächst mit von ihr einfühlsam interpretierten weltbekannten Chansons, wie „Amsterdam“, La vie en rose“ und „Non, je ne regrette rien“ ins Paris von Jacques Brel, Edith Piaf und anderen. Die bekannten Melodien verleiten  den einen oder anderen zum Mitsummen der Melodien.

Nach einer kurzen Umbaupause betreten die von den meisten Zuhörern sehnsüchtig erwarteten Künstler die Bühne. Sie haben noch vor wenigen Tagen Konzerte in Kanada gegeben und befürchten, nach dem langen Flug noch unter dem Jetlag zu leiden, aber schon nach den ersten Tönen ist allen klar, davon kann gar keine Rede sein. Mit ihrer glockenklaren Stimme nimmt Maite Itoiz die Besucher sofort mit in die Welt der Hildegard von Bingen, in die Klosterstimmung des 12. Jahrhunderts.

Der Wechsel der Instrumente, ob Harfe, Laute, Streichinstrument der Schäfer, verschiedene Flöten  bis hin zum Klavier, stellt für sie überhaupt kein Problem dar. Bei allen Interpretationen, ob Balladen aus dem Königreich Kastilien, oder von Richard Löwenherz während seiner Inhaftierung komponiert, über die Renaissance bis hin zu von ihr und von John Kelly komponierten Songs unterstreicht und bereichert John Kelly gesanglich, an der Gitarre und den Drums den Vortrag. Dass Maite sich gelegentlich mit ihrer Stola, den Kabeln und den Instrumenten verheddert, kichert sie sehr sympathisch beiseite und zaubert damit auch den Zuhörern ein Lächeln ins Gesicht. Mit Balladen von Heinrich Heine, vertont von Kurt Schumann, präsentiert sie dem Publikum eine Premiere: “Ich habe noch nie öffentlich am Klavier gespielt und dazu gesungen“, beginnt sie schüchtern und bittet Heine und Schumann nach dem Vortrag um Entschuldigung, wozu es keinerlei Veranlassung gibt. Nach diesem Solovortrag von Maite betritt John die Bühne mit einer Liebeserklärung an seine Frau: „Nach so einem Auftritt frage ich mich immer, was mache ich eigentlich auf der Bühne mit Maite? Das ist eine andere Welt, sie bringt uns zum Himmel!“

Kennen gelernt haben sich die beiden bereits als Kinder. Sie war sechs und er 14 Jahre alt, als Maite ihm bereits verkündete: „Ich werde dich heiraten!“ Es sollten aber noch 15 Jahre ins Land gehen, bevor sie sich wiedergetroffen  und ineinander verliebt haben. „So sind sie die baskischen Frauen!“ sagt John schmunzelnd. Das baskische Liedgut nimmt einen breiten Raum im Konzert ein, aber auch Komposition von John kommen nicht zu kurz.

„Ich wusste, dass Maite Itoiz eine der führenden Opernsängerinnen Spaniens ist, aber dass sie so eine ‚granaten‘ Stimme hat, habe ich nicht vermutet“, fasst einer der Zuhörer seine Empfindungen zusammen. Maite und John haben die Zuhörer mir ihrer musikalischen Reise entführt in längst vergangene Zeiten und durch traumhafte, exotische und verspielte Welten wieder in die Gegenwart zurückgeführt.

Mit seinem langanhaltenden Applaus macht das Publikum deutlich, wie sehr dieser Abend die Herzen berührt hat, und dass man die Interpreten auf gar keinen Fall gehen lassen möchte. Mit „Sah ein Knab‘ ein Röslein stehn“, bringen die Künstler ihre Liebe zu den Deutschen besonders zum Ausdruck, aber erst nach drei weiteren Zugaben können sie sich zurückziehen. Die weit gereisten Zuhörerinnen sind glücklich: „Ja, auch diese weite Anreise hat sich gelohnt! Es war ein Hochgenuss, den beiden Künstlern zu lauschen und ihnen beim Meet and Greet ganz nahe zu kommen!“

 

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