HANNOVER. Niedersachsens Tourismusbranche bewertet die aktuelle Geschäftslage überwiegend positiv, sieht aber auch hohe Risiken im Fachkräftemangel. Das zeigt die Saisonumfrage der IHK Niedersachsen (IHKN) zum Sommergeschäft 2017 und den Erwartungen für die Wintersaison. An der Umfrage beteiligten sich 560 Betriebe aus Hotellerie, Gastronomie und Campingwirtschaft sowie Reisebüros und -veranstalter.

„Das Gastgewerbe und erfreulicherweise auch die Reisebürobranche sind überwiegend zufrieden. Einzig die vom Wetter stark abhängige Campingwirtschaft musste Einbußen hinnehmen“, fasst Dr. Susanne Schmitt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen (IHKN) die Ergebnisse zusammen. „Der Fachkräftemangel ist das größte Risiko und im Tourismus auf breiter Front angekommen. Die Folgen davon könnten Einschränkungen im Angebot, steigende Arbeitskosten und ganz besonders eine zusätzliche Arbeitsverdichtung für die vorhandene Belegschaft sein. Das bereitet uns schon jetzt und erst recht für die Zukunft große Sorge. Die Unternehmen wünschen sich eine erleichterte Beschäftigungsmöglichkeit ausländischer Fachkräfte und eine Verbesserung der Kinderbetreuungs- und Ganztagsangebote, um dieses Risiko zu minimieren“, so Dr. Schmitt.

58 Prozent der Betriebe im Hotel- und Gaststättengewerbe bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 32 Prozent als befriedigend. Der sogenannte Konjunkturklimaindex, der sich aus der aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen an die Wintersaison zusammensetzt, liegt mit durchschnittlich 130 Punkten um 6 Punkte über dem Vorjahreswert. Die Konjunktur der Reisebüros und -veranstalter, die 2016 aufgrund von Terroranschlägen und politischen Umwälzungen in einigen ausländischen Reisegebieten empfindlich eingebrochen war, ist ebenfalls wieder auf Kurs: 52 Prozent berichten aktuell von einer guten, 44 Prozent von einer befriedigenden Geschäftslage. Der Klimaindex kletterte hier im Vorjahresvergleich um satte 25 Punkte auf 127. Einzig in der Campingwirtschaft ist die Stimmung getrübt. Die Branche ist besonders wetterabhängig. Doch die Ferienmonate Juli und August waren dieses Jahr durch Regen und kühle Temperaturen geprägt – genau die beiden Monate, in denen laut Bundesverband der Campingunternehmer ca. die Hälfte des Jahresumsatzes generiert wird. 46 Prozent der Campingunternehmer hatten deshalb in diesem Sommerhalbjahr Umsatzrückgänge, der Konjunkturklimaindex liegt entsprechend19 Punkte unter dem Vorjahreswert.

„Das Konsumklima ist nach wie vor stabil auf hohem Niveau und die Reiselust der Deutschen ungebrochen. Weltweit wächst das Tourismusaufkommen ebenfalls stetig. Allerdings erweist sich der Arbeitskräftemangel im Tourismus zunehmend als Wachstumshemmnis“, warnt Martin Exner, Sprecher der Federführung Tourismus der IHKN. Bereits seit mehreren Jahren steige der Anteil der Betriebe mit längerfristig offenen Stellen kontinuierlich an und das Problem gewinne mittlerweile auch bei den Reisebüros und -veranstaltern an Bedeutung.

Würde dieser Zustand anhalten, hätte das äußerst negative Folgen, wie die Umfrage zeigt. „Touristische Berufe dürfen nicht in den Ruf geraten, mit ständiger Überlastung verbunden zu sein, denn das macht die Gewinnung von Arbeitskräften nur noch schwerer. Abgesehen davon dürfte auch die Qualität der touristischen Dienstleistung darunter leiden“, mahnt Exner. Um den Betrieben bei der Fachkräftegewinnung zu helfen, wünschen sich diese u.a. mehr berufliche Bildung, zum Beispiel in Form von Berufsorientierung an Schulen, und eine Verbesserung der Qualifikationen der Schulabgänger.

„Die Branche braucht mehr Unterstützung, auch von der Politik, beim Kampf gegen den wachsenden Arbeitskräftemangel“, fordert Exner. Ein Thema, zu dem ein Dialog zwischen den Verbänden und Akteuren der Tourismuswirtschaft mit der neuen Landesregierung dringend erforderlich sei.

Weitere Umfrageergebnisse unter www.ihk-n.de.

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