CELLE. Die heutige Sitzung des Ausschusses für Umwelt und ländlichen Raum thematisierte die mögliche Ausweisung von fünf Naturschutzgebieten im Landkreis Celle. Bis Ende dieses Jahres sollen alle FHH-Gebiete in einen nationalen Rechtsstatus überführt werden – und damit Landschafts- oder Naturschutzgebiete werden. Dass der von der EU vorgegebene Zeitplan eingehalten werden kann, erscheint derzeit allerdings unwahrscheinlich. Anvisiertes Ziel ist, bis Mitte nächsten Jahres fertig zu werden.

Im Vorfeld nannten BürgerInnen ihre Bedenken innerhalb der Einwohnerfragestunde, darunter Theo von Hadenberg: „Viele Landwirte haben Existenzängste aufgrund der geplanten Naturschutzgebiete“. Die kleinräumige Aufteilung der Gebiete mit daraus resultierenden unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten, samt weiteren Auflagen, stelle die Landwirtschaft vor enorme Probleme.

Die Ausweisung des Naturschutzgebietes „Kiehnmoor“ durch eine Änderungsverordnung wurde einstimmig beschlossen. Es erstreckt sich auf Gemarkungen der Gemeinden Wriedel, Eimke, Faßberg, Samtgemeinden Altes Amt Ebstorf und Suderburg in den Landkreisen Uelzen und Celle. Mit Blick auf das 450 Hektar große Naturschutzgebiet betonte Ulrich Kaiser, Vorsitzender des Ausschusses: „Am Wichtigsten ist das Einvernehmen zwischen den Nutzern und Eigentümern in diesem Gebiet“.

Auch die Ausweisung des Naturschutzgebietes „Bohlenbruch“, welches fast vollständig in öffentlicher Hand liegt, sowie die Ausweisung des Naturschutzgebietes „Hellern bei Wietze“ wurden mit zwei Gegenstimmen verabschiedet. Die Gegenstimmen durch VetreterInnen der AfD und der Grünen begründeten ihre Ablehnung verschieden – unter anderem bemängelte Gerald Sommer (Bündnis 90/Grüne) mögliche Kahlschläge, die die Verordnung ermögliche.

Mehr Diskussion gab es um die Ausweisung des Naturschutzgebietes „Allertal bei Celle“. Unter dem jetzigen Stand der Verordnung werde man der Verantwortung gegenüber den Einwohnern und dem Naturschutz nicht gerecht, lauteten Kritikpunkte. „Wir befürchten, dass die Landwirtschaft zu viele Beschränkungen erhält, sodass die Bewirtschaftung des Gebietes in der Zukunft nachlässt oder gar wegfällt“, äußerte sich Christoph Engelen, stellvertretender Fraktionsvorsitzender SPD. Rund 90 Prozent des Gebiets seien in der Hand von Privatpersonen, weshalb es anders behandelt werden müsse. CDU, SPD, FDP und AfD favorisieren, „Allertal bei Celle“ als ein Landschaftsschutzgebiet auszuweisen, dagegen fordern die Grünen ein Naturschutzgebiet. Heute wurde dazu keine Empfehlung an den Kreistag abgegeben – der Tagesordnungspunkt wurde vertagt.

Die Gebiete „Brand“ und „Heiden und Magerrasen in der Südheide“ wurden von der Tagesordnung gestrichen und sollen zu einem späteren Zeitpunkt behandelt werden. Desweiteren konnte die Übertragung der Zuständigkeit für die Festsetzung des Überschwemmungsgebiets Adamsgraben auf den Landkreis Celle einstimmig beschlossen werden.

Hans Knoop, Kreisjägermeister, plädierte in seinem Bericht zur Jagd dafür, die Jagd in den Naturschutzgebieten nicht einzuschränken: „Die Jagd ist notwendig, um die Artenvielfalt zu erhalten. Dafür brauchen wir Rückhalt in der Bevölkerung, die Kritik an der Jägerschaft muss aufhören“. Auch Kreisschutzbeauftragter Eckehard Bühring informierte den Ausschuss über die momentane Lage des Tierbestandes anhand des Naturschutzgebietes Meißendorf: „Die Verbreitung von Raubwild wie Waschbären oder Marderhunde ist extrem angestiegen, was den heimischen Arten zu schaffen macht – die Jagd auf Raubwild sollte sich intensivieren“. Bühring ist mittlerweile seit 25 Jahren als Kreisschutzbeauftragter in den Ausschuss bestellt. „Solch ein ehrenamtliches Engagement ist bemerkenswert“, so Kaiser.



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