NORDLICHT-Ereignisse in der Galerie Halbach

Kunst Von Anke Schlicht | am Di., 27.04.2021 - 17:12

CELLE. „Da kommen 19 hochkarätige Künstler“, machte Ute Halbach schon im Vorfeld neugierig, und so hieß es vor wenigen Tagen „Licht an“ in der Gotischen Halle, und zwar im doppelten Sinn, denn den Auftakt der Jubiläums-Ausstellungen anlässlich des 50-jährigen Geburtstages der Galerie Halbach bilden die Norddeutschen Realisten und Freunde. NORDLICHT ist die Schau der Künstlergruppe überschrieben, die vielen Cellern nicht unbekannt sein dürfte.

„Ist das nicht…?“, mag manches Motiv als erste Reaktion beim einheimischen Betrachter hervorrufen. Ja, es sind vertraute Plätze, Straßenzüge und Ansichten, die sich kunstvoll präsentieren – der Große Plan bei Nacht, der Schlosspark in herbstliche Stimmung getaucht oder die Ratsmühle eng verwoben mit ihrem früheren Lebenselixier unter imposantem Wolkenspiel. Alle datieren sie aus den Jahren 2019/2020, dabei hätte zumindest André Krigar es sich einfach machen können, war er doch Teil des „Pleinair Sommers 2011“ anlässlich des 40-jährigen Bestehens. Ute Halbach hatte nicht nur zum Präsentieren, sondern auch zum Malen in der Stadt und ihrer Umgebung eingeladen. So entstanden Celle-Motive von Hand der Norddeutschen Realisten. „Zum 50igsten wollte ich sie noch einmal haben“, sagt die Galeristin mit Nachdruck. Sie ist fasziniert von der 1989 entstandenen und von der Freiluftmalerei inspirierten Bewegung, die sich durch die einfache Formel, „ihre Mitglieder malen vor Ort, was sie sehen“, charakterisieren ließe. „Die originale Sicht der Künstler auf die Motive, die sie in eigener Weise ansehen, in eigener Weise wiedergeben und ihnen durch diese eigene Weise ein neues Leben einhauchen“, schreibt der Kunsthistoriker Dr. Thomas Gädeke im Vorwort des Katalogs zur Ausstellung und wählt für den Ausstellungsort folgende Worte: „Wo sind die 50 Jahre geblieben, in denen sich die Galerie Halbach zu ihrem heutigen Ansehen entwickelt hat? Getragen war das von Anfang an durch den instinktiven Sinn von Ute Halbach für das Echte, das Besondere und das Ansehnliche in der Kunst.“

Ganz tief berührten sie schon als Kind die weite Landschaft, das Licht, die gelben Rapsfelder, wenn sie die Ferien mit ihren Eltern und Geschwistern in Schleswig-Holstein in der Geltinger Bucht verbrachte. Der blaue Himmel, das saubere Wasser der Schlei waren ein Erlebnis für das kleine Mädchen, standen sie doch im Gegensatz zur Umgebung des Ruhrgebiets, wo sie zuhause war, mit den dunklen Wolken der Kokereien und Stahlwerke. „Dieses wunderschöne Kindheitserlebnis führte mich später als Galeristin in meinem Blick auf Bilder“, berichtet Ute Halbach. „Ich fand, was ich suchte, in den sogenannten ‚Norddeutschen Realisten‘“.

Till Warwas ist einer von ihnen, bereits 2011 war er mit von der Partie, bannte seine Eindrücke von der Südheide, dem Kloster Wienhausen und dem Französischen Garten auf Leinwand. Ute Halbach gerät ins Schwärmen, wenn das Gespräch auf den Mann kommt, dessen Meisterschüler der Bremer Künstler war. „Von Klaus Fußmann habe ich damals ein Bild gekauft, obwohl ich gar nicht das Geld dafür hatte“, sagt sie lachend über den Maler, Grafiker und früheren Professor an der Hochschule der Künste in Berlin, der nicht zur Bewegung der Norddeutschen Realisten gehört, „sie aber von Beginn an mit freundschaftlicher und fördernder Anteilnahme begleitete“.

Die Art zu malen traf offenbar den Geschmack der Galeriebesucher, immer wieder wurde Ute Halbach auf die Norddeutschen Realisten angesprochen, auch deshalb lud sie mit Margreet Boonstra, Brigitta Borchert, Tobias Duwe, Frauke Gloyer, Erhard Göttlicher, Clemens Heinl, André Krigar, Meike Lipp, Mathias Meinel, Jub Mönster, Lars Möller, Hans-J. Müller, Hanna Petermann, Ulf Petermann, Eva Pietzcker, Hermann Reimer, Frank Suplie, Till Warwas und Corinna Weiner einige Vertreter der losen Malervereinigung ein. Ihre Werke beschreibt sie mit den Worten: „Es sind Bilder des Lichts, der Farbe, der Schönheit, der wunderbaren Darstellung einzelner Sujets.“

Zu sehen ist NORDLICHT bis zum 26. Mai, die Laudatio wurde von Dr. Thomas Gädeke gehalten, die Vernissage unter Anwesenheit des Oberbürgermeisters, Dr. Jörg Nigge, wurde vom Kanal 29 aufgezeichnet und ist abrufbar unter www.galerie-halbach.de

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