Kreuz ohne Haken – Escheder feiern bunten Protest gegen Rechts

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Sa., 13.06.2020 - 17:47

ESCHEDE. Keine NPD-Mitglieder mit Megaphon, sondern bunt geschmückte Bäume und Hauseingänge sowie bestens aufgelegte farbenfroh gekleidete Frauen, Männer und Kinder prägten am Samstagmittag die Szenerie um den Escheder Bahnhof und das Rathaus herum. Aus rein optischer Sicht passte einfach alles: Die Braunen hatten den Marsch durchs Dorf am Vormittag abgesagt, und die zahlreichen durchgehend in schwarz gekleideten – die Gesichter hinter schwarzen Tüchern und Masken verborgen, Sonnenbrille dazu – Gruppen ließen den von der Dorfbevölkerung initiierten bunten Protest gegen Rechts noch eindrucksvoller zur Geltung kommen.

„Das war für uns alle überraschend“, kommentiert der polizeiliche Zugführer Markus Behn an der Einbiegung zum Finkenberg, an dessen Ende sich das seit 2019 in NPD-Eigentum befindende landwirtschaftliche Anwesen liegt, die Absage des angekündigten NPD-Marsches. Laut Polizeisprecherin, Birgit Insinger, wurde keine Begründung genannt. Die von der PARTEI organisierte Mahnwoche an der Einfahrt zum Finkenberg wohnen dennoch etliche Teilnehmer bei. „Ich werte die Absage als Erfolg in zweierlei Hinsicht: Würden diese Leute nicht hier stehen, würden die marschieren. Und, anscheinend bekommen sie nicht einmal genügend Leute zusammen, um zu marschieren“, kommentierte der Vorsitzende der PARTEI, Dirk Gerlach. „Für uns ist das ein Erfolg“, sagt auch der bildende Künstler, Jens Hemme, und meint damit alle, die sich gegen Faschismus wenden. Er hat eigens einen Besen mitgebracht „gegen den braunen Dreck“.

Für 14 Uhr hatten die unterschiedlichen Gruppierungen, die sich zu einem Escheder Bündnis gegen die Umtriebe auf dem NPD-Hof zusammengeschlossen haben, den Beginn ihres Gegenprotestes angekündigt. Der Vorplatz des Rathauses war gut gefüllt mit Menschen, das Wetter hielt, etliche Bürger nahmen die Einladung an, das „offene Mikrofon“ mit Inhalten zu füllen. Die Nutzung der NPDler des Begriffes „Heimat“ in ihrem Sinne quittierten die Redner mit „Heimat und Kultur kennen wir selber, da brauchen wir keine Nachhilfe“, sagte Marlies Petersen. „Was Dorfkultur ist, was Heimat ist, was wir an diesem Ort schätzen, das wissen wir“, betonte Jens Buchholz und fügte hinzu: „Wir sind vielleicht ein bisschen dörflich, aber auf jeden Fall nicht von gestern“.

Zuvor hatten Bürgermeister, Günter Berg, und der Sprecher des Bündnisses, Marlon Gollnisch, deutlich gemacht, dass es nun nach diesem zweiten erfolgreichen Abwenden eines NPD-Marsches durch den Ort darauf ankäme, den Protest nachhaltig zu machen. Beide und die Redner am offenen Mikrofon betonten, dass es gelungen sei, dem Widerstand eine eigene Identität zu verleihen. Einen Beitrag dazu leisteten auch die über das gesamte Dorf verteilten weiß-roten Kreuze, sie wurden als Symbol des Protestes gegen den NPD-Hof neu etabliert und trugen an einigen Stellen die Aufschrift: „Kreuz ohne Haken“, was eine direkt an die Mitglieder der NPD gerichtete Aussage in der kurzen Rede von Bürgermeister Günter Berg unterstreicht: „Wir teilen Eure Werte nicht!“

 

Polizeibericht zum geplanten NPD-Aufmarsch und Kundgebung gegen Rechts:

"Anlässlich des für heute angekündigten Aufzuges des NPD Landesverbandes Niedersachsen unter dem Motto "Eschedes schöne Seite - Heimat und Kultur einen Ort geben" hatten das Bündnis gegen Rechts (BgR) sowie "Die Partei" Gegenversammlungen in Form einer Mahnwache und einem Aufzug angemeldet. Ab 12:30 Uhr sollte der Aufzug der NPD vom Hof Nahtz zur Dorfmitte inklusive Zwischenkundgebungen erfolgen. Heute Vormittag sagte die NPD die Versammlung kurzfristig ab, so dass es zu keinem Aufzug aus Richtung des Hof Nahtz kam. An der Mahnwache an der Zufahrtskreuzung zum Hof Nahtz (Zum Dornbusch / Hermannsburger Straße) versammelten sich ab 11.00 Uhr in der Spitze ca. 50 Teilnehmer, um ihren Protest gegen Rechts friedlich Ausdruck zu verleihen. Am Bahnhof versammelten sich nach und nach ca. 350 Versammlungsteilnehmer und setzten sich nach einer Auftaktkundgebung um 14.00 Uhr über die Bahnhofstraße als bunter Aufzug mit Fahnen, Plakaten und Transparenten in Bewegung. Nach der Abschlusskundgebung am Rathaus mit mehreren Redebeiträgen endete die Versammlung gegen 15.00 Uhr. Aus polizeilicher Sicht verliefen die Kundgebungen absolut friedlich und störungsfrei. Es kam zu kurzfristigen, geringfügigen Verkehrsbehinderungen."

Redebeitrag von "Die Partei"

"Die Nutzlosigkeit der NPD wird einzig und allein dadurch infrage gestellt, da sie der sehr guten Partei "Die PARTEI" den Weg dafür ebnet, den Kommunalwahlkampf 2021 bereits in diesem Jahr auf spektakuläre Art und Weise zu beginnen.Angefangen damit, dass wir der leidigen Diskussion im Rat der Gemeinde Eschede über die neue Namensgebung der Straße „Zum Finkenberg“ dadurch ein Ende gesetzt haben, dass wir diese kurzfristig in "Inglourious Basterds Weg" umbenannt haben, können wir auch mit einem wunderschönen Stand aufwarten, der bereits erahnen lässt, wie sich die PARTEI 2021 positionieren wird.

Doch neben der NPD erleben wir leider auch andere sog. "Parteien", welche durch ihre vorgetäuschte Bürgernähe ihren Faschismus blau färben, nur um von den hässlichen Brauntönen in den eigenen Reihen abzulenken.
Auch geben sich die neuen Rechten z.B. durch die "Identitäre Bewegung" gerne als hippe und frische Jugendorganisation aus, in der es nicht schlimm ist, auch mal ein bisschen rassistisch, homophob, frauenfeindlich oder antisemitisch zu sein. Immerhin gehört das ja zu deren Weltbild einer deutschen Leitkultur. Mit all diesen kranken Auswüchsen falsch verstandener Lebensmaxime müssen wir uns leider täglich herumschlagen, anstatt unsere Energie den politischen Zielen zu widmen, die nun mal existenziell wichtig für unsere Gesellschaft sind.

Man kann also sagen: Parteien wie die NPD, AfD, Der III. Weg, Die Rechte u.a. stehen der politischen und gesellschaftlichen Evolution im Weg. Der von dort ausgehende Rassismus wird unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit in der Gesellschaft salonfähig gemacht. Rassismus ist aber keine Meinung, sondern ein Verbrechen und daher sind all jene, die diese Weltanschauungen vertreten und verbreiten ebenso Verbrecher und gehören als solche behandelt und bestraft, bzw. deren Organisationen verboten, sowie deren Eigentum beschlagnahmt. Dies betrifft insbesondere den Hof Nahtz. Antifaschismus ist eine Grundhaltung auf der auch nach dem Krieg das Grundgesetz entstanden ist. Zu beidem steht Die PARTEI bedingungslos.Wer auch immer z.B. jenseits des Atlantiks damit droht, "...die AntiFa zu verbieten...", macht sich daher nicht nur ein weiteres Mal lächerlich, sondern bekennt sich selbst zum Faschismus. Deutsche Politiker*innen, welche Ihren Eid auf die Verfassung abgelegt haben, müssten daher bei der Einreise in die USA sofort verhaftet werden, weil sie "AntiFa" sind..."so sad!" könnte man sagen, wenn's nicht so traurig wär (*zwinkersmiley).

Wir freuen uns daher als Die PARTEI darüber, dass der Widerstand hier in Eschede gegen die NPD nach wie vor beständig und stark ist. Wir werden auch in unserem kommenden Kommunalwahlkampf immer wieder auf den Faschismus, der direkt vor der Celler Haustür steht aufmerksam machen und auch hier in Eschede alles dafür tun, dass diesem Treiben ein Ende bereitet wird.Bleibt alle dabei! Gebt niemals auf! Faschismus zu bekämpfen gehört mit zu den lohnenswertesten politischen, ideologischen und menschlichsten Aufgaben - zu jeder Zeit, an jedem Ort! Mit den allerbesten Grüßen an unseren langjährigen Freund Aldo Raine und den Bärenjuden!"