NPD "Schlägertrupp" gegen Journalisten und Demonstranten? Polizei widerspricht

Polizei + Feuerwehr Von Redaktion | am Di., 22.09.2020 - 18:00

ESCHEDE.  "NPD-Schlägertrupp geht auf Journalisten und Polizisten los". Das behauptet das  "Bündnis gegen Rechtsextremismus" aus Eschede in einer Presse-Erklärung. Die Polizei kann die dort erhobenen Vorwürfe so nicht bestätigen. In der Mitteilung heißt es, unzensiert und unkommentiert: 

Die ruhige Atmosphäre an dem Wochenende mit mehreren Protestveranstaltungen täuschte. Im Anschluss an die friedlichen und bunten Proteste des Bündnisses gegen Rechtsextremismus, freuten sich noch Teilnehmer und Organisatoren über die erfolgreiche Durchführung und traten den Heimweg an. Nur wenige Meter weiter ereigneten sich jedoch dramatische Szenen. Eine Gruppe Journalisten war unterwegs zum NPD-Hof. Die Gruppe wurde zur Sicherheit von mehreren Polizisten begleitet. Kurz vor dem Hof angekommen, stürmten auch schon sieben NPD-Schläger, darunter auch Teilnehmer der zuvor stattgefundenen NPD-Demo, heraus und gingen auf die Journalisten und Polizisten los. 

Verbal erfolgten Schimpftiraden, gefolgt von Faustschlägen. Die Polizisten versuchten die Angreifer abzuhalten, scheiterten an der Aggressivität der Rechten. Die angerückte Verstärkung führte im ersten Moment noch nicht zur Deeskalation, die Nazis pöbelten, schubsten und schlugen weiter. Erst nach Minuten gelang es den Beamten die Situation zu beruhigen.

Neben den Schlägern der NPD kam auch der Hund vom Hof-Nahtz zum Einsatz. Im Getümmel fiel dieser eine Polizeibeamtin an. 

Personenschäden sind offiziell nicht bekanntgegeben, Kameraequipment wurde jedenfalls beschädigt, teilten die Journalisten mit. 

Sebastian Weigler (NPD) hatte wenige Stunden zuvor noch auf der NPD-Kundgebung gesagt, dass die Parteimitglieder und Freunde alle friedliche Menschen seien und schwor die Escheder ein zu glauben, dass die NPD nur ein normaler Nachbar im Ort sei. 

Mit der Gewalttat zeigt es sich jedoch deutlich, dass die Mitglieder der verfassungsfeindlichen NPD Gewalttäter durch und durch sind. Schon allein die Aussage, dass die Partei demnächst vor der Grundschule in Eschede den Kindern Nazi Musik und Flyer zustecken möchte, sollte im Ort Gehör finden und eine eindringliche Warnung sein. 

Die NPD und deren Mitglieder sind eine wirkliche Gefahr, denn mit jedem Aufzug im Ort drohen sie unverhohlen Eschedern namentlich.

Das Bündnis gegen Rechtsextremismus verurteilt die Aktionen der NPD und zeigt sich erschüttert über die Gewalt. Das BgR ruft alle im Ort Eschede auf wachsam zu sein!

Am kommenden Samstag (26.09.2020) wird es wieder mehrere Demonstrationen geben. Das Bündnis ruft alle Demokraten im Ort und in der Region auf, sich mit Eschede zu solidarisieren und den Bürgerinnen und Bürgern zur Seite zu stehen. 

Der genaue Zeitablauf der Demonstrationen steht noch nicht fest und wird in den kommenden Tagen veröffentlicht."

Auf Nachfrage von CELLEHEUTE kann die Polizei diese Darstellung nicht bestätigen. Außerdem sei sie keinesfalls an der "Aggressivität gescheitert", sondern habe die Lage immer im Griff gehabt. 

Auf Nachfrage von CELLEHEUTE erklärt der Sprecher des Bündnisses:

"Herr Moritz Siman hat den Vorgang hier dokumentiert: https://twitter.com/M000X/status/1307338916056489991
Er hat mir gegenüber auch den Angriff des auf dem Hof befindlichen Hundes auf die Polizistin beschrieben.

Dieser Hund hat in jüngerer Vergangenheit bereits Dorfbewohner angefallen und gebissen. Dies ist auch im zuständigen Ordnungsamt der Gemeinde Eschede bekannt."