HANNOVER/CELLE. Was muss Provenienzforschung heute leisten? Welchen Herausforderungen stellen sich Museen wie das Bomann-Museum Celle? Ausgehend von den Ergebnissen des ersten Projektjahres vermittelt die gemeinsam vom Bomann-Museum Celle und dem Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen veranstaltete Tagung am 25. und 26. September vielschichtige Einblicke in Rechercheansätze und Resultate sowohl lokaler und überregionaler als auch deutschlandweiter Expertinnen und Experten der Provenienzforschung.

Als Tagungsort wählten die Organisatoren das historische Welfenschloss in Celle. Dessen Geschichte als „Collecting Point“
(Sammeldepot für das sicherzustellende Kunst- und Kulturgut) der britischen Besatzungsmacht nach 1945 ist ebenfalls Gegenstand der Vorträge. Den Auftakt der Tagung bildet am 25. September 2017 der öffentliche Abendvortrag zu Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen der heutigen Provenienzforschung von Dr. Uwe Hartmann, Leiter des Fachbereichs
Provenienzforschung am Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg. Am darauffolgenden Haupttag begrüßen Susanne McDowell, Kulturdezernentin der Stadt Celle, sowie Dr. Annette Schwandner, Ministerialdirigentin, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, und Dr. Jochen Meiners, Direktor der Celler Museen, die registrierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Dr. Annette Schwandner betont: „Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hat 2015 ein niedersächsisches Netzwerk für Provenienzforschung initiiert. Das Land finanziert dieses Netzwerk, um die
Provenienzforschung in Niedersachsen zu unterstützen und um die Zusammenarbeit in diesem Bereich besser abzustimmen und zu intensivieren. Das Konzept ist aufgegangen. Viele Museen, auch kleine Häuser, ebenso wie
Bibliotheken und Archive arbeiten im Netzwerk zusammen. Ich freue mich sehr, dass wir nach zweieinhalb Jahren Netzwerkarbeit eine positive Bilanz ziehen können“.

Das Bomann-Museum Celle erforscht seit März 2016 im Rahmen eines vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projektes die Herkunft seiner zwischen 1933 und 1945 erworbenen Objekte. Die Spannbreite reicht
von alltäglichen Gebrauchsgegenständen bis zu bedeutenden Erwerbungen aus dem internationalen Kunsthandel. Daraus ergeben sich vielfältige Herausforderungen für die Provenienzforschung, sind doch lokalgeschichtliche
Kontexte ebenso zu untersuchen wie die Spuren des NS-Kunstraubes in Deutschland und Europa. Aufgezeigt werden auch Fälle, bei denen ein NS-verfolgungsbedingter Entzug eindeutig nachgewiesen werden konnte, weshalb hier teilweise bereits Verhandlungen mit Erbenvertretern über eine faire und gerechte Lösung geführt werden.

Zu den Mitgliedern des niedersächsischen Netzwerks Provenienzforschung zählen Museen und Universitäten, der Museumsverband für Niedersachsen und Bremen e.V. sowie Partner aus Bibliotheken, Archiven und regionalen
Verbänden. Die wesentlichen Inhalte der Netzwerkarbeit sind die Beratung von Museen im Bereich der Provenienzforschung, Initiativen für Forschungs- und Verbundprojekte, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Organisation von
Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen. Die Netzwerkkoordinationsstelle ist am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover angesiedelt. Ansprechpartnerin ist Dr. Claudia Andratschke.

Ein öffentlicher Abendvortrag zum Thema findet am Montag, 25. September 2017, ab 19.00 Uhr statt.

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