"Nun sterbe ich" - CDU-Fraktion veröffentlicht "Abschiedsbrief" der Wilhelm-Raabe-Buche

WINSEN/ALLER. „Nun sterbe ich“ lautet die Überschrift über einen "Brief", den die CDU-Fraktion der Gemeinde Winsen an die Presse verschickt hat. Untertitel: "Die Winser Wilhelm-Raabe-Buche verabschiedet sich". Der Inhalt - aus "Sicht" der Buche" auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule lautete wie folgt:

"Am 1. September beginnen die Abrissarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule, um Platz für den 4. ALDI-Standort zu schaffen. Im Zuge dieser Arbeiten werde auch ich gefällt.

Ich bin die Wilhelm-Raabe-Buche und wurde am 15. November 1931 zu Ehren des Schriftstellers und Dichters Wilhelm Raabe von den Schülern der Winser Volksschule auf dem Schulhof gepflanzt. Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits ein Baum war, bin ich annähernd 100 Jahre alt. Nachlesen kann man diese Geschichte in den „Winser Geschichtsblättern Nr.11“.

Bereits am 8. September 1931, dem 100. Geburtstag Raabes, veranstalteten die oberen Klassen eine Raabefeier, bei der die Werke des Schriftstellers gelesen und teilweise musikalisch begleitet wurden. Initiator dieses Raabegedenkens im Jahr 1931 ist wohl Rektor Otto Molsen gewesen, der die Winser Volksschule von 1928 bis 1946 leitete.

Seit dem Tag meiner Pflanzung ist viel passiert. Die Weimarer Republik ging unter und die Nationalsozialisten stürzten Europa in den 2. Weltkrieg. Nach dem Krieg kam die Demokratie zurück und Winsen begann aufzublühen und wuchs seit dem, wie ich selbst, ständig weiter. So wurde ich zu dem 20 Meter hohen schattenspendenden Baum mit der ausladenden Krone in der Mitte des Schulhofes, den jeder Winser kennt und unter dem ganze Generation von Schülern spielten.

Nun endet mein Leben und damit auch ein Teil Winser Geschichte, denn ich werde gefällt. Grund hierfür ist, dass der Winser Politik der nötige Mut fehlte, das Areal um mich herum selbst zu gestalten und zu entwickeln. Dass ausgerechnet die Grünen im Gemeinderat mit dafür votierten mich und die 6 großen Linden, die mich seit Jahrzehnten begleiten, zu fällen und durch einen Discounter zu ersetzen, macht mich sehr traurig.

Mir bleibt nur, mich von Ihnen, den Winser Bürgerinnen und Bürgern, zu verabschieden. Besuchen Sie mich gerne in den letzten mir verbleibenden Tagen.

Mit besten Wünschen für die Zukunft,

Ihre Wilhelm-Raabe-Buche"