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Minister Meyer als Gastredner bei Feier zum 90-jährigen Bestehen des Bieneninstituts

“Nutzen der Biene von unschätzbarem Wert”

15.03.2017 - 08:53 Uhr     CelleHEUTE    0

HANNOVER/CELLE. Das Bieneninstitut in Celle feierte gestern sein 90-jähriges Bestehen. Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer nahm an der abendlichen Festveranstaltung teil und gratulierte zum runden Geburtstag. „Das Bieneninstitut Celle ist aus Niedersachsen nicht mehr wegzudenken und hat sich durch seine jahrzehntelange Fachkompetenz in Sachen Bienenzucht und -haltung ein international anerkanntes, herausragendes Renommee aufgebaut“, sagte  Meyer. Dr. Werner von der Ohe, Leiter des Bieneninstituts, wandte sich ebenfalls mit einem Grußwort an die Gäste und warf einen Blick in Vergangenheit und Gegenwart des Instituts, das in den kommenden Tagen eine internationale Fachtagung ausrichtet. Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge trug mit interessanten Fakten zu Bienen allgemein bei, siehe Grußwort unten.

Das heutige LAVES-Institut für Bienenkunde Celle wurde am 1. Juli 1927 als Hannoversches Landesinstitut für Bienenforschung und bienenwirtschaftliche Betriebslehre gegründet. Seither stehen neben der Züchtung von Honigbienen mit leistungsfähigen Königinnen die Bekämpfung von Bienenkrankheiten sowie die artgerechte Haltung von Bienen im Mittelpunkt der Arbeit. Im Laufe der Jahrzehnte sind noch etliche Aufgaben hinzugekommen. Dazu gehören unter anderem Untersuchungen von Honig und Wachs auf Echtheit und Herkunft sowie die Schulung und Beratung von Imkern.

Veränderte Agrarstrukturen und Umweltbelastungen haben laut Minister Christian Meyer die Zahl an Insekten deutlich reduziert. Auch Bienen seien stark gefährdet – nicht nur durch die Bienenkrankheiten. Die Gründe dafür seien vielschichtig: Die Intensivierung der Landwirtschaft und die Beseitigung von Brachen und Ackerrandstreifen führe zu einem deutlichen Rückgang der ökologischen Vielfalt auf und an den Ackerflächen. So habe zuletzt der Maisanbau in Niedersachsen stark zugenommen. Zudem kämen verschiedene Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, die für Bienen ein erhebliches Risiko darstellten – insbesondere die Stoffgruppe der Neonikotinoide.

„Bienen sind nicht nur fleißige Honigproduzenten, sondern bestäuben eine Vielzahl von Kultur- und Wildpflanzen. Der gesellschaftliche Nutzen durch die Bestäubungsleistung ist von unschätzbarem Wert und unverzichtbar für die Landwirtschaft und deren Erträge“, so Minister Meyer. „Deshalb ist es unsere Aufgabe, sie zu schützen und zu fördern. Bienengiftige Stoffe wie Neonikotinoide haben in der Landwirtschaft nichts zu suchen und müssen verboten werden.“

Die Landesregierung hat sich die Förderung von Imkern und Blühstreifen zum Wohle und Schutz der Bienen auf die Fahnen geschrieben und diese in den vergangenen Jahren nach eigener Einschätzung erfolgreich umgesetzt. Ein Schwerpunkt dabei ist, für ein ausreichendes Nahrungsangebot auf den landwirtschaftlichen Flächen zu sorgen. „Bei dem großflächigen Anbau von Getreide oder Rüben in Niedersachsen bleibt unseren Bienen in den Sommermonaten keine ausreichende Nahrungsgrundlage, um stark in den Winter zu gehen. Deshalb ist mir die Förderung von Blühstreifen im Rahmen der sanften Agrarwende ein Herzensanliegen“, sagt der Agrarminister.

Innerhalb der vergangenen Jahre sei es sowohl in den Städten als auch auf dem Land gelungen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wichtig ausreichende Nektar- und Pollenquellen für Honig- und Wildbienen sind. Mit insgesamt knapp 17.500 Hektar sind die Blühstreifenflächen im Vergleich zum Ende der vorhergehenden EU-Förderperiode im Jahr 2012 (rund 9.000 Hektar) bis 2016  fast verdoppelt worden. Die Förderung der Blühstreifen ist Bestandteil der Niedersächsischen Agrarumweltmaßnahmen. Die Grundförderung für teilnehmende landwirtschaftliche Betriebe beträgt 700 Euro pro Hektar Blühstreifen.

Hinzukommen kann ein Bonus von 100 Euro pro Hektar. Denn eine freiwillige Kooperation zwischen Imkern und Landwirten wird zusätzlich honoriert. „Erfreulicherweise hat sich von den rund 3.500 am Blühstreifenprogramm beteiligten Betrieben mit 1.660 fast die Hälfte für das Kooperationsmodell entschieden. Sie bekommen also zusätzlich den Imkerbonus“, sagt Minister Meyer. „Das ist ein toller Erfolg, der zeigt, dass in der Landwirtschaft inzwischen eine deutlich größere Sensibilität für unsere Bienen vorhanden ist.“

Besonderes Augenmerk wird auch auf die gezielte Förderung des Imkernachwuchses gelegt, um einer Überalterung der Imkerschaft entgegenzuwirken und den langfristigen Bestand der Imkerei zu sichern. Seit 2011 bezuschusst das Land jede Neueinrichtung eines Bienenstocks mit bis zu 50 Euro pro Volk. Jährlich werden rund 100.000 Euro in die Zukunft der Bienenbestände investiert. Mit einer sehr positiven Resonanz: Nach nur fünf Jahren konnten damit mehr als 2.100 Neuimker mit rund 9.500 Bienenvölkern gewonnen werden. Das entspricht einem jährlichen Zuwachs von circa 500 Imkern und knapp 2.000 Völkern.

Hinzu kommt, dass auch die bestehenden Imkerinnen und Imker Zuschüsse zu Kosten für Schulungen, die Ausbildung des Imkernachwuchses sowie Fortbildungsseminare erhalten, um ihren Wissenshorizont zu erweitern und neue Erkenntnisse zu erlangen. In den vergangenen fünf Jahren wurden über 2.200 Schulungsmaßnahmen gefördert, an denen rund 57.700 Imker teilgenommen haben. Dafür hat das Land rund 650.000 Euro bereitgestellt.

Mit den Fördermaßnahmen für Imker und Blühstreifen sieht Christian Meyer Niedersachsen auf einem guten Weg, den Bienen die Lebensgrundlage zu geben, die sie brauchen. „So viele Blühstreifen und Jungimkerinnen und -imker wie jetzt gab es in Niedersachsen noch nie. Daran wollen wir auch künftig weiter arbeiten. Denn Bienen sind für Menschen überlebenswichtig. Ohne Bestäuber hätte die Menschheit keine Überlebenschance“, sagt Meyer.

OB Dr. Jörg Nigge – Grußwort im Original-Wortlaut

“Wenn man bedenkt, dass es Bienen bereits seit mehr als 40 Mio. Jahren auf der Welt gibt, relativieren sich die neunzig Jahre etwas, wenn man das dann wiederum aber mit einem Menschenleben vergleicht oder gar mit der Dauer einer Ehe, dann wissen wir, was wir gemeinsam aneinander haben.

Lässt man geschichtlich die letzten 90 Jahre Revue passieren, so kann man nur konstatieren, dass das Bieneninstitut interessante, aufwühlende, emotionale und Hoffnung machende Momente hier in Celle erlebt hat und seinen Weg stets mit großem Erfolg gegangen ist.

So konnte ich dann auch nicht anders als das Grußwort mit dem Titel „Beeutiful“ zu überschreiben, denn das ist es, was wir über das Bieneninstitut und seine Rolle in der Stadt denken. Nachdem ich also voller Stolz über soviel Kreativität schon vor Monaten den Titel meines Grußwortes eingereicht hatte, musste ich feststellen, dass dieses einzigartige Wortspiel, durchaus bereits Vorgänger hat.
So gibt es z.B. „Beeutiful“: England: hochwertige Hautcremes. Frankreich: Schmuck Seite für Design und Kunst.

Aber im Nachhinein fühle ich mich auch dadurch bekräftigt, denn alles sind hochwertige Produkte, so dass bereits im Titel meine Hochachtung vor Ihnen und Ihren Mitarbeitern lieber Herr von der Ohe zum Ausdruck kommt.

Denkt man an Bienen, so assoziiert man als Stadtkind automatisch Biene Maja. Ist man Celler, ist es anders: Man wird mit dem Bieneninstitut groß und es kann höchstens mal vorkommen, dass beim Tag der offenen Tür ein Kind fragt, wo denn nun Maja oder Willi blieben. Aber auch in Großstädten gibt es einen zunehmenden Trend der Imkerei mitten in der Stadt und ich denke auch die daraus gezogenen Erkenntnisse sind wichtige Bestandteile von Forschung rund um die Biene.

Über die Bedeutung von Bienen für unser tägliches Leben muss ich Ihnen nicht viel sagen. Schon Albert Einstein sagte, dass die Menschheit nach Ausrottung der Bienen nach nur 4 Jahren keine Überlebenschance mehr hätte.
Bienen und andere Insekten spielen bei rund 35 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion eine wichtige Rolle.
Ohne Bienen gäbe es nicht nur keinen Honig, auch Obst und Gemüse würden zu Luxusgütern – denn die Tiere bestäuben rund 80 Prozent unserer Nutz- und Wildpflanzen.

Bienen sind somit auch ein gigantischer Wirtschaftsfaktor und die wichtigsten Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. Weltweit sorgen sie mit ihrer Bestäubungsleistung für eine Wertschöpfung von etwa 200 Milliarden Euro pro Jahr, hat das Labor für theoretische und angewandte Wirtschaft des wissenschaftlichen Forschungszentrums CNRS in Montpellier ermittelt. Laut Greenpeace sogar bei 265 Mrd. Euro.
Das macht auch die Bedeutung des Bieneninstitutes im Bereich der Forschung noch einmal sehr deutlich.
Da frage ich mich als OB natürlich sogleich, wie man Bienen zur Zahlung von Gewerbesteuer verpflichten kann.

Im Übrigen spielt auch die bereits erwähnte Biene Maja in Bezug auf Wertschöpfung aber auch in Bezug auf Stärkung der Biene im öfftl. Bewusstsein gar keine so kleine Rolle. Daher ist das ein netter Lacher, aber mit ernstem Hintergrund.

Sie sehen bzw. Sie wissen, ohne Bienen wäre alles nichts und in manchen Bereichen können Sie uns durchaus als Vorbild dienen:
– dass 1 Biene in 2 Minuten 1 km fliegt
– dass 1 Biene in ihrem Leben 8000 km zurücklegt-
– dass die Fluggeschwindigkeit der Biene etwa 25 km/h beträgt
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– dass 1 kg Honig die Lebensarbeit von 350 – 400 Bienen darstellt
– dass um 1 kg Honig zu sammeln, je nach Blütenart bis zu 10 Millionen Blüten besucht werden müssen.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Folgendes sollten wir uns nicht so zu Herzen nehmen:
– dass die Sommerbiene sich in 6 Wochen zu Tode gearbeitet hat
und noch viel weniger die Kapbienen aus Südafrika, die die Fortpflanzung mit Männern abgeschafft hat bzw. nicht mehr darauf angewiesen ist.

Allein an diesem essentiellen Dasein, an der Vielfältigkeit rund um die Biene, um die Notwendigkeit der Forschung erkennt man den hohen Stellenwert des Bieneninstitutes in Celle. Es ist aus unserer Stadt nicht mehr wegzudenken und ein integraler Bestandteil unserer Stadtgesellschaft, im Übrigen auch in Bezug auf den Tourismus.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Deutschland ist nicht nur Weltmeister im Fußball, sondern auch im Honigkonsum. Lassen Sie sich vom Angebot des Bieneninstitutes verführen und begeistern und genießen Sie unsere wunderschöne Stadt Celle mit all ihren Facetten und kleinen sowie großen Schätzen.”

Fotos: Peter Müller

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