Wem nützen Museumsgüter, die keiner sieht?

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Di., 02.06.2020 - 16:14

CELLE. Weiter konnten die Statements zweier Ratsmitglieder nicht auseinanderliegen: „Man kann mit Ofenplatten Geld generieren, einen fünfstelligen Betrag“, sagte Dr. Udo Hörstmann von den Unabhängigen auf der vergangenen Stadtratssitzung, die sich im Rahmen der derzeitigen Sichtung des Museumsgutes auch diesem Thema, und hier speziell der Ofenplatten-Sammlung, widmete. Warum denn nicht mit Leuten gesprochen worden sei, die auf dem Gebiet hohes Fachwissen hätten, kritisierte Hörstmann. Man solle die Gegenstände auf den Markt bringen und veräußern. Der Empfehlung des Kulturausschusses, 300 Platten zu verschenken, könne seine Partei daher nicht folgen. Ganz im Gegensatz zur CDU, die mit ihrem Mitglied, dem Galeristen Dr. Walter Jochim, einen Kenner des Kunstmarktes am Rednerpult aufzuweisen hatte: „Momentan sind die Platten aus der Mode, die Auktionshäuser sitzen drauf. Gezahlt würden Liebhaberpreise, wenn sie keine Liebhaber finden, dann sind sie nichts wert, das ist bei Kunstwerken so“, hielt Jochim seinem Vorredner entgegen. Der ideelle Wert wird mit 88.000 Euro in der städtischen Bilanz ausgewiesen.

Der Kulturausschuss hatte sich Anfang März mit der Angelegenheit ausführlich beschäftigt. Museumsdirektor, Dr. Jochen Meiners, hatte deutlich gemacht, dass Museen Standards verpflichtet seien, eine Veräußerung an privat, wie Ratsfrau Inga Marks im Stadtrat am vergangenen Donnerstag vorschlug, wäre demnach „die letzte Stufe“. „Was nutzen uns Platten, die kein Mensch sieht?“, fragte der Fraktionsvorsitzende der SPD, Patrick Brammer, rein rhetorisch, und begründete damit kurz und knapp, die Zustimmung seiner Parteikollegen zur Beschlussvorlage der Verwaltung. In Celle können die aus einer Erbschaft stammenden Güter aufgrund mangelnder Fläche nicht ausgestellt werden. Die von Meiners kontaktierten Einrichtungen würden sie nach kostenloser Überlassung der Öffentlichkeit zugänglich machen: Das Freilichtmuseum am Kiekeberg übernimmt 60 Exemplare, das Landwirtschaftsmuseum Lüneburger Heide in Hösseringen 15 und der Museumsförderverein Stollberg Hütte e.V. gliedert 225 Stück in seine Bestände ein.

Der Rat beschloss mehrheitlich, dieser vom Bomann-Museum initiierten und vom Kulturausschuss für gut befundenen Schenkung zuzustimmen. Für alle Mitglieder, die damit nicht einverstanden waren, hielt Dr. Walter Jochim in seinem Statement einen Trost bereit: „300 Ofenplatten bleiben ja noch!“.