HANNOVER/CELLE. Viel zu erzählen gab es in der Sendung „Plattenkiste“ bei NDR 1 Niedersachsen. Am 13. November zwischen 12 und 13 Uhr unterhielten sich Kristine Michaelis, Rieke Olbricht und Liane von Hof mit Moderatorin Martina Gilica über die Arbeit des Onkologischen Forums Celle e.V., das seit 1994 u.a. sowohl Krebsberatung als auch ambulanten Palliativdienst für Patienten bietet.

Geld für ambulate Krebsberatung gab es nicht. So übernahm das Onkologische Forum die Trägerschaft der Beratungsstelle. Immer mehr Menschen wenden sich an das Onkologische Forum. Inzwischen sind bereits 17 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig, erklärt Liane von Hof. Nach der ersten Diagnose werden die Menschen dort aufgefangen, erläutert Kristine Michaelis – denn die ganze Familie muss lernen, mit der Krankheit Krebs zu leben. Frauen mit Brustkrebs melden sich nach dem Besuch beim Mammamobil, aber die Mitarbeiter nehmen durchaus auch Kontakt am Krankenbett in der Klinik auf. Es ist unterschiedlich, mit welchen Fragen die Patienten kommen: Das richtet sich nach Alter und Lebensphase. Eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern steht bei einer Erkrankung anders da als eine komplette Familie, in der andere Angehörige wie Eltern womöglich in der Nähe leben oder auch Nachbarn im Notfall helfen, verdeutlicht Kristine Michaelis.

Rieke Olbricht ist 10 Jahre alt und selbst Krebspatientin. Sie erkrankte als 3-jähriges Kind an Leukämie und bekam eine Chemotherapie. Die Krankheit kehrte noch einmal zurück, als sie sechs Jahre alt war. Jetzt – nach einer Stammzellen-Gabe – ist Rieke gesund. Sie erzählt, wie ihr spielerisch gegen ihre Angst vor weiterer Rückkehr der Krankheit geholfen wurde. Auch jetzt hat Rieke noch Termine, um über das Thema reden zu können. Sie findet es gut, dass auch ihre Familie hingehen kann und unabhängig von ihr beraten wird. Mit ihrer Schule hat sie ein Projekt im Rahmen einer Präventionskampagne mitgemacht: „Schlag den Krebs“. Zuerst wurde auf einem Schrottplatz altes Metall gesammelt. Dann kam Herr von Richthofen, erzählt sie eifrig, der mit ihnen das Lied „Ist da jemand“ von Adel Tawil einstudierte. Dazu trommelten die Schüler und führten das Lied auch auf. Das fand Rieke richtig schön. Es hörte sich toll an im Rhythmus – und man konnte mal die Wut rauslassen, das machte ihr riesig Spaß, berichtet sie. Ihre Mitschüler wissen Bescheid, aber aus der Parallelklasse wird sie mitunter noch nach ihrer Krankheit gefragt: „Die verstehen das irgendwie noch nicht so richtig“, aber sie findet es nicht schlimm, gefragt zu werden und antwortet gern.

Der ambulante Palliativdienst hat neun MitarbeiterInnen. Sie fahren zu den Patienten nach Hause und halten auch den Kontakt mit den zuständigen Ärzten. Da sie aus Spenden finanziert werden, können sie Zeit spenden für die Familien. Menschen, die sich an den Palliativdienst wenden, schenken den Leuten, die zu ihnen kommen, viel Vertrauen, sagt Liane von Hof. Seit 15 Jahren werden etwa 100 Kinder und Jugendliche jährlich begleitet, wenn deren Eltern erkrankt sind. Jedes Kind reagiert anders, erklärt Kristine Michaelis: Manche Kinder trauen sich nicht, darüber zu reden, weil sie die Reaktionen auf das Thema Krebs fürchten. Wenn zu erwarten steht, dass der Erkrankte stirbt, ist die Situation noch einmal schwieriger, aber der Austausch mit anderen hilft ihnen. Denn viele haben Ähnliches oder Gleiches erlebt.

24 Stunden Rufbereitschaft über das ganze Jahr, Vorträge, Selbsthilfegruppen, Meditationskurse oder auch Lach-Yoga wird angeboten. Dieses reichhaltige Angebot soll erhalten bleiben, auch wenn in diesem Jahr ein Defizit von 200 000 Euro erwartet wird. Gern würden sie ihr Arbeit und Mitarbeiterzahlen noch aufstocken, um noch mehr Patienten zu unterstützen. Nur wenig wird bezuschusst, die Spenden tragen die Hauptlast. Am Freitag war Tag der offenen Tür, aber Interessenten sind jederzeit willkommen. Alle sind dankbar für Spenden oder auch neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Jeder Helfer tut, was er kann: Es gibt beispielsweise einen Kreis, der Socken strickt und Kekse backt. Und sie alle wünschen sich noch mehr Mitglieder. Um Krebsberatung bundesweit anbieten zu können, müsste jeder Einwohner in Deutschland nur einen Euro zahlen – dann wäre es für alle leichter, erklären die Gäste der Plattenkiste.

Von Montag bis Freitag heißt es zwischen 12 und 13 Uhr bei NDR 1 Niedersachsen „Die Plattenkiste – Hörer machen ein Musikprogramm“. Die Sendung wird komplett von den Gästen gestaltet. In der Sendung können sich Vereine, Clubs, Organisationen vorstellen – egal ob Chor, Surfclub, Theater- oder Selbsthilfe-Gruppe. Informationen zur Bewerbung unter www.ndr1niedersachsen.de

 

 

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