CELLE. Ummeldung, neue Ausweispapiere, Führungszeugnisse – seit dem 1. November testet das Bürgerbüro die „Online-Terminvergabe“, zu Beginn des Jahres startete die heiße Phase – offenbar nicht zur Zufriedenheit mancher Bürger. Die Idee an sich sei nicht schlecht, in der Praxis scheint es aber noch Stellschrauben zu geben.

Wartezeit adé: Stadt testet Online-Terminvergabe im Bürgerbüro

„Ich war heute im neuen Rathaus und wollte einen Personalausweis beantragen, da sagte man mir, dass ich online einen Termin machen müsse“, empört sich CelleHeute-Leserin Carmen W. „Das hat unser OB bestimmt“, sei ihr auf die Frage entgegnet worden, wer sich „diesen Schwachsinn ausgedacht hat“.

Auch André B. wendet sich direkt an die Stadt Celle und informiert uns: „Da mir die Ummeldung heute verwehrt wurde und es mir frühestens Ende der nächsten Woche möglich sein wird, einen Termin wahrzunehmen, werden mir vermeidbare Kosten wie z. B. ein doppelter Rundfunkbeitrag, eine doppelte Anfahrt, ein Verdienstausfall, etc. entstehen. Sie können sich sicher sein, dass ich dies nicht akzeptieren werde.“

Seine Kritik geht noch weiter und ist nicht ohne: “ Auf der Seite termin.celle.de ist es zum einen Pflicht, eine Emailadresse anzugeben. Hier entstehen direkt mehrere massive Probleme:

  • Die Generation der über 65-Jährigen hat zu einem guten Teil kein Internet und somit keine Email. (Lt. Statistischem Bundesamt 51%).
  • Das zweite Problem ist um einiges drastischer. Die Übermittlung meiner Daten erfolgte komplett unverschlüsselt, also ohne die Nutzung des https-Protokolls. Gemäß §9 Bundesdatenschutzgesetz hätten hier Vorkehrungen getroffen werden müssen, „dass personenbezogene Daten bei der elektronischen Übertragung oder während ihres Transports […] nicht unbefugt gelesen, kopiert […] oder verändert werden können“.
  • In diesem Zusammenhang sehe ich es als überaus problematisch, dass auch noch gemäß Ihrer Datenschutzerklärung (http://termin.celle.de/dataprivacystatement.html) Google-Analytics genutzt wird. Dies verbietet sich meiner Meinung nach im Zusammenhang mit meinen Daten!“

CelleHeute bat die Stadt um eine Stellungnahme. Sie erklärt:

„Seit dem 1. November haben wir im Bürgerbüro die Online-Terminvergabe eingeführt. Damit sich unsere Bürgerinnen und Bürgern lange Wartezweiten ersparen, können sie Termine punktgenau bis zu  drei Monaten im Voraus vereinbaren. Dazu heißt es entweder  auf der Startseite unserer Homepage www.celle.de den entsprechenden Button anzuklicken oder direkt via termin.celle.de.
Ab dem 27. Dezember haben wir komplett auf den neuen Service umgestellt. Damit auch alle, die dazu nicht das Internet bemühen möchten, von dem Service Gebrauch machen können, werden Termine auch per Telefon unter (0 51 41) 12 33 46 vergeben.

Für Notfälle, also dann, wenn dringend Ausweispapiere benötigt werden, halten wir einen Schalter offen – auch ohne vorherige Anmeldung. Dann gilt es allerdings ein wenig Wartezeit einzuplanen.
Den neuen Service haben wir umfänglich beworben – in lokalen Medien, via Internet, in sozialen Netzwerken und im Bürgerbüro höchst selbst. Doch wenn man gerade kein konkretes Anliegen im Rathaus hat, werden solche Infos sicherlich gerne mal überlesen.

Es tut uns leid, dass im vorliegenden Falle jemand unverrichteter Dinge wieder gehen musste. Es steht allerdings nicht zu befürchten, dass ein doppelter Rundfunkbeitrag entrichtet werden muss. Denn dieser greift erst ab dem Tag der tatsächlichen Ummeldung. Dem Hinweis zur Datensicherheit sind wir umgehend nachgegangen. Die beauftragte Firma hat die Datenschutzerklärung entsprechend angepasst sowie die Datenverbindung verschlüsselt.

Celle ist im Übrigen kein Pilotprojekt in Sachen Online-Terminvergabe. Der Service hat sich in anderen Kommunen bereits mehr als  bewährt.

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