CELLE. Wer in Deutschland im Gefängnis sitzt, erlebt Weihnachten ohne ein Geschenk von „draußen“. Hinter Gittern ein Weihnachtspaket von Familie oder Freunden zu bekommen, ist in fast keinem Bundesland mehr erlaubt. Manch einer hat ohnehin keine nahe stehenden Menschen mehr. Einsamkeit und Verzweiflung schlagen daher bei vielen Inhaftierten umso heftiger zu. Hier hilft die christliche Straffälligenhilfe Schwarzes Kreuz in Celle. Als gemeinnützige Organisation hat sie die Möglichkeit, anonyme Pakete an die Justizvollzugsanstalten schicken, die sie ihrerseits an besonders bedürftige Gefangene weitergibt.

Darum sucht das Schwarze Kreuz Menschen, die bereit sind, einem Inhaftierten zu Weihnachten ein Paket zu packen. Dinge wie Kaffee, Salami, Schokolade und ein Kartengruß dürfen hinein. „Was jemand hinter Gittern damit empfängt, ist aber weit mehr als ein paar Leckereien: vor allem das Gefühl, dass ein anderer Mensch an ihn denkt und ihm Gutes wünscht“, so Ute Passarge vom Schwarzen Kreuz Celle.

Das könne ein wichtiger Schritt sein auf dem Weg, das eigene Leben neu auszurichten. So bedankte sich Ludwig Sanders, Gefängnisseelsorger der JVA Hövelhof, nach der letzten Paketaktion: „Die Tatsache, dass es „in Freiheit“ so viele Menschen gibt, die sich für Gefangene einsetzen und Geld für Pakete ausgeben, hat sehr viel positive Resonanz erzeugt. Auch Beamte waren überrascht und erfreut.“

Christiane Karpus-Jupe vom Sozialdienst der JVA Uelzen schrieb: „Alle waren begeistert und sprachlos über so viel Mitmenschlichkeit. Ganz besonders kamen die schriftlichen Weihnachtsgrüße bei unserer Klientel an. Sie sind sehr beliebt unter den Gefangenen, da sie Trost, Wärme und Zuversicht geben.“

Seit 1953 schickt das Schwarze Kreuz Weihnachtspakete hinter Gitter. 2016 wurde mit 1040 Stück zum ersten Mal die Tausendergrenze überschritten. Wer mitpacken möchte, wird gebeten, sich bis zum 10. Dezember für die Aktion anzumelden. Die Kosten für den Inhalt betragen etwa 30 Euro.

Das Schwarze Kreuz Christliche Straffälligenhilfe e.V. hilft seit 1925 bundesweit Straffälligen und ihren Familien. Sein Anliegen ist es, Inhaftierte in eine bessere Zukunft ohne Straftaten zu begleiten und damit gleichzeitig neues Leid und neue Opfer zu verhindern. Die Geschäftsstelle in Celle begleitet und berät die rund 500 Ehrenamtlichen. Das Schwarze Kreuz ist Mitglied im Diakonischen Werk der Landeskirche Hannovers. Finanziert wird die Arbeit vor allem über Spenden.

Weitere Informationen: Schwarzes Kreuz, Jägerstraße 25 a, 29221 Celle, Tel. 05141 94616-0, www.naechstenliebe-befreit.de/paketaktion.

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.