ROTENBURG/WINSEN. Die Winser Wolfsgegner in der Bürgerinitiative „Für wolfsfreie Dörfer“ wollen sich nach eigenen Angaben zwar nicht als Wolfsgegner bezeichnen lassen – dennoch unterlassen sie nichts, um diesen Ruf aufrechtzuerhalten. Erwartungsgemäß sprangen sie auf den medialen Zug auf, der im Kreis Rotenburg einen Wolfsangriff gegenüber einen 55-Jährigen nahezu bestätigt sieht. Während das bei Wolfsgegnern nicht verwundert, ist die Dauerberieselung in allen Medien befremdlich. CELLEHEUTE hat sich bisher herausgehalten, weil keine Fakten vorliegen. Die erneute Panikmache in Winsen jedoch machte es auch zu einem Fall für unsere Region.

„Hier noch mal eine Aufklärung für unsere Realitätsverweigerer!“, heißt es in der Facebookgruppe der Aktivisten und verlinkt auf einen Bericht von „Jagd erleben“. Dass diese ihre Ansichten teilen, ist nicht nur bekannt, sondern aus Jägersicht sicher auch verständlich.

Aber welche Fakten liegen bisher vor? Das Umweltministerium bestätigt lediglich, dass ein Wolf einen Mann in die Hand gebissen haben könnte – nicht mehr, nicht weniger. Die Polizei Rotenburg erläutert auf Nachfrage von CELLEHEUTE, dass sich der Vorfall nach Angaben des Opfers am Dienstagvormittag zwischen 9 und 10 Uhr ereignet haben soll. „Beamte der Polizeistation Tarmstedt haben am Mittwochmittag über Umwege davon erfahren und sofort recherchiert. Am Mittwochnachmittag um 15.55 Uhr erfolgte meine Pressemeldung anhand der Aussage des Opfers“, so der Sprecher. Zeugen gebe es keine.

Trotzdem wird die BI nicht müde, in mehreren Postings diesen Vorfall in gewohnter Manier als Fakt zu suggerieren, anstelle die Auswertung der DNA-Spuren abzuwerten. Jenen, die in echter und verständlicher Sorge um den Wolf sind und Aufklärung anstelle Panikmache erwarten, erweist sie erneut einen Bärendienst. Mitte nächster Woche sollen die Spuren ausgewertet sein, die zwei Mitarbeiterinnen des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vor Ort genommen haben.

Bei bisherigen ähnlichen Meldungen stellte sich hinterher heraus, dass es Hunde waren – dann allerdings eher als Dreizeiler statt Titelstory gemeldet. Ob es hier auch so war, weiß niemand. Und wenn es ein Wolf gewesen sein sollte, weiß niemand, ob und wie es sich tatsächlich zugetragen hat. Experten könnten sich einen Jungwolf vorstellen, der sich erschreckt hat, als das mutmaßliche Opfer mit der Hand nach hinten griff und fragen sich, warum der Mann das mutmaßlich gefährliche Tier nicht gehört haben will.

Soweit die derzeit vorliegenden Informationen – über echte Fakten halten wir Sie natürlich weiterhin auf dem Laufenden.

Der böse Wolf und…

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