Pastor Michael Kurmeier wird wieder "Vollzeit-Lehrer"

Gesellschaft Von Redaktion | am Mi., 19.08.2020 - 12:21

CELLE. Nach 18 Jahren in der Kreuzkirchengemeinde endet die Amtszeit von Pastor Michael Kurmeier (wir berichteten). Er wird dann vollzeitlich in der Axel-Bruns-Schule am Lönsweg tätig sein. Die gute Nachricht vorweg: Er bleibt unserer Reihe "Das Wort zum Montag" erhalten. CELLEHEUTE verrät der Celler die Beweggründe.

"Wir können nicht zwei Wege zugleich gehen, ohne uns dabei selbst zu schaden"

Amtsantritt in der Kreuzkirche war im August 2002. Seit 2009 teilte er sich mit meiner Frau Carola Beuermann sowohl die Kreuzkirche zu je 50 % und die Neuenhäuser Kirche zu je 25 %. „Die Kooperation der beiden Gemeinden war eine sehr sinnvolle Strategie für ein Pastorenehepaar“, blickt Kurmeier zurück. Allerdings meldete sich 2014 die Axel-Bruns-Schule, um ihn wieder als Berufsschulpastor zu verpflichten, wo er bereits von 1995-2002 vollzeitlich tätig war. Darüber freute er sich und war fortan je zur Hälfte in der Kreuzkirche und an der BBS2 - theoretisch, denn praktisch blieb er seiner Kirchengemeinde voll erhalten und die Kooperation beider Gemeinden blieb erfolgreich bestehen, weil der Theologe sein Engagement in der Kreuzkirche nie gedrosselt habe. „Im Gegenteil: ich arbeitete wie zuvor volle Pulle in der Gemeinde und hatte jetzt noch eine halbe Stelle Schule dazu bekommen. Die Arbeit in der Schule war durch einen Stundenplan überschaubar und deshalb gut in einen Tagesablauf zu integrieren. Aber jetzt nach sechs Jahren merke ich, dass ich diese Doppelbelastung nicht mehr tragen kann“, gesteht der Celler und zitiert einen Unbekannten: “Denn wir Menschen sind aus einem Stück gemacht. Wir können nicht zwei Wege zugleich gehen, ohne uns dabei selbst zu schaden."

Zur Entscheidung beigetragen habe auch das Untersuchungsergebnis beim Kardiologe, der ihm mitteilter, fortan meinen Lebensstil zu ändern, „und zwar sehr dringend“, so Kurmeier in seiner ihm eigenen direkten offenen Art. „Nun hängt aber mein Lebensstil unmittelbar mit meiner Arbeit zusammen. Die Amts- und die Privatperson Michael Kurmeier habe ich nie voneinander getrennt. Das war wohl auch mein Markenzeichen, denn dadurch war ich stets authentisch. Ich habe jetzt so einige körperliche Maleschen, über die ich nicht wegsehen kann und darf. Irgendwo mir noch eine halbe Stelle Gemeinde zu suchen, war für mich keine Option. Die halbe Stelle Schule auf eine ganze Stelle aufzustocken war sehr verlockend. Dies wurde mir auch großzügig von der Landeskirche gewährt. Und ich bin deswegen sehr glücklich darüber, weil mir junge Menschen und ihre unterschiedlichen Lebenslagen stets am Herzen lagen“, beteuert der „Noch-Pastor“.

Nachvollziehbar, war er doch zehn Jahre Kreisjugendpastor, ehrenamtlich im Celler Kirchenkreis. „Und so schließt sich für mich der Kreis. Ich begann einst 1995 in Celle meine berufliche Tätigkeit an der Axel- Bruns- Schule und ich werde sie aller Voraussicht auch dort beenden.“

Trotzdem werde er in "seiner Gemeinde" ehrenamtlich weiter arbeiten - aber nicht mehr als Hirte. „Ich bin kein Entscheider mehr, sondern ein Mitarbeiter, der sich seinen Neigungen entprechend frei und selbstgewählt einbringen kann. Ich bin ein Teamspieler und das kann ich mit Anderen ausleben“, blickt er freudig nach vorn. Heißt es im Klartesxt: „Ich werde weiterhin Gottesdienste machen, wenn man mich lässt“, inklusive einiger Gruppen, gemeindeübergreifender Projekte oder der beliebte „Gottesdienst im Landgestüt.“  Klingt fast so, als lasse er sich vom ärztlichen Rat nicht ganz ausbremsen, aber es gibt diesen einen Unterschied, versichert Kurmeier: „Ich muss nicht mehr, aber ich kann.“