CELLE. Die landeskirchliche Initiative „Zeit für Freiräume“ war jetzt Thema bei der Jahresversammlung von rund 300 Pastorinnen und Pastoren aus zehn Kirchenkreisen im nordöstlichen Niedersachsen. Landessuperintendent Dieter Rathing hatte dazu in die Lobetalarbeit eingeladen. Den Hauptvortrag hielt der Göttinger Theologie-Professor Christian Polke.

Polke sieht die heutige Gesellschaft in einem „Zustand exzessiver Beschleunigung“. Die Menschen strebten nach der Erfüllung aller Träume bereits im diesseitigen Leben. Deren Verwirklichung verlange nach ständiger Kreativität, wohingegen Traditionen in den Geruch des Vorgestrigen gerieten. Das gelte auch für die Kirche, ihre Suche nach immer neuen Gottesdienstformen und Veranstaltungsformaten. „Aus Sorge, als Vorgestrige zu gelten, haben wir die Ewigkeit verleugnet“, so Polke.

Der Hochschullehrer für systematische Theologie warb dagegen für eine Besinnung auf das Wesentliche: „Wie wäre es, sich damit zu begnügen, alte Traditionen wieder in Erinnerung zu rufen“, fragte der Referent. Kirche als Raum der Freiheit werde eine Sonntagskirche sein müssen, die den Tag der Auferstehung Jesu ins Zentrum rückt. Und die in einer atemlosen Gesellschaft „die Künste der Unterbrechung“ neu einübt.

Was das konkret heißt, konnten die Teilnehmenden in neun verschiedenen Themengruppen weiter diskutieren. In einem Workshop wurden bereits Ideen für 2019 gesammelt. Ein Pastor äußerte die Idee, beim morgendlichen Kaffee in der örtlichen Bäckerei das Gespräch mit Menschen zu suchen. Um aus der „Rushhour des Lebens“ herauszufinden, lädt eine Pastorin bereits zu monatlichen Wüstenabenden ein, „mit ganz viel Ruhe und Stille-Phasen“. Eine junge Kollegin will sich im kommenden Jahr von Verwaltungsaufgaben möglichst frei machen, um sich mehr auf ihre Kernkompetenzen wie etwa die Seelsorge zu besinnen.

Ein weiterer Workshop machte deutlich, dass auch Mitarbeitende in Kindertagesstätten, Diakonie und Pflege „Zeit für Freiräume“ brauchen. „Was den Mitarbeiterinnen in der Pflege zugemutet wird, ist skandalös“, unterstrich Landesbischof Ralf Meister, der bereits im Eröffnungsgottesdienst die Predigt gehalten hatte.

Im Verlauf des Tages begrüßte Landessuperintendent Dieter Rathing 40 Pastorinnen und Pastoren, die seit dem letzten Generalkonvent neu in den Sprengel gekommen sind. Schließlich verabschiedete der Regionalbischof sechs Kollegen, die im Laufe des nächsten Jahres in den Ruhestand gehen werden. Der einmal jährlich stattfindende Generalkonvent soll die Gemeinschaft der Ordinierten stärken und ihnen geistliche Impulse vermitteln.

Text: Hartmut Merten



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