CELLE. Die Meinung des Dozenten war kompromisslos: Sowohl das iranische Agieren als auch die Reaktion des Westens, Deutschland inklusive, seien fatal – und in Folge der Trump’sche Paktbruch in der Sache des iranischen Nuklarprogrammes legitim! Was Politikwissenschaftler Dr. Stephan Grigat als Wirkender der Uni Potsdam und der University of Haifa am Donnerstag in lockerer Atmosphäre in „Kunst und Bühne“ über den Irankonflikt und sein Umfeld referierte, lässt sich auf drei Aspekte zusammenfassen:

Das dortige Regime sei weder von Reformern beeinflusst noch bestehe irgendeine Chance auf Kurswechsel durch Dialog mit dem Westen. Stattdessen besitze das unter brutalstem Scharia-Recht sowie der Kontrolle des Obersten geistlichen Führers stehende Land innerhalb der politischen Elite keine wirklich grundsätzlich konträren Fraktionen. Durchgehend sei radikal-offener Antijudaismus beziehungsweise Antizionismus zu finden, der Israel als machtgieriges, islamfeindliches „Krebsgeschwür” ausradieren wolle. Er gehe Hand in Hand mit offizieller und schamloser Holocaustleugnung (etwa auf eigenen Konferenzen hierzu).

Grigat beschreibt hierzu die brisante Mischung aus dem realen – frei heraus proklamierten –  Vernichtungspotential durch nukleare Waffen gegen Israel und der religiösen Komponente einer verfassungsverankerten islamischen Mystik um die vorzubereitende Endzeit. Auch die irantreue Hisbollah findet Erwähnung, ebenso Geheimdienstmorde an Exiloppositionellen.

All diesem stellt er die aus jener Perspektive heraus naive Haltung deutscher Politiker und Unternehmer gegenüber. Sie wären nicht nur Pioniere des einst wiederaufgenommenen Dialogs mit dem isolierten Terrorregime nach 1979 gewesen, sondern befürworteten auch aktuell parteiübergreifend einen moderaten bis freundschaftlichen Umgang mit dem Iran. Dass Deutschland wichtiger Wirtschaftspartner des charakterisierten Irans ist und tendenziell auf freundliche Beziehungen setzt, beurteilt der 47-jährige als skandalös: Ausgerechnet der „Rechtsnachfolger des Dritten Reiches” unterstütze das antijudaistische, brutale Regime des Iran und empfange hochkarätige Repräsentanten. Das Credo der Antisemitismusbekämpfung und israelischen Sicherheit ist nach Stephan Grigat vielmals nur Rhetorik ohne politische Praxis.

Wer als Gegenargument die deutsche Mitwirkung am Atomabkommen anführe und es als Sicherheitsgarantie betrachte, der irre: Der in Deutschland in Medien und Gesellschaft kaum diskutierte Vertrag belasse erstens trotz Demontage oder Modifizierung von Elementen alle nukleare Infrastruktur im Grunde unversehrt im Land. Zweitens würden die Inspektionen angeführt, die sich nur auf die vom Iran als zum Programm gehörig definierten Orte beschränkten – der Militärstützpunkt Parchim etwa falle nicht darunter. Drittens erfahre das ballistische (Träger)raketenprogramm des Iran überhaupt keine Beschneidung, obschon es dem Nuklearwaffeneinsatz diene. Darüber hinaus gilt der Pakt nur befristet. Als angemessene Reaktion müsse, so schließt Grigat, die (durchaus vorhandene) Exil- und Volksopposition gestärkt und auf eine 180-Grad-Wende des Staatswesens durch Absetzung des Systems abgezielt werden.

Grigat selbst engagiert sich als Mitgründer der spendenbasierten Initative „Stop the bomb” in Deutschland und Österreich seit 2007 gegen das iranische Programm und die Kontextideologie. Sein vom Publikum zustimmend und positiv aufgenommener Vortrag war Teil der vhs-Reihe gegen Antisemitismus, deren nächster Termin sich am 18.10.18 um das Milieu der „Reichsbürger“ dreht.

Text: Silas Hummler



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