Ausbruch aus dem Alltag: Peter Shub begeistert bei Kultur querbeet

Theater Von Redaktion | am Di., 23.06.2020 - 09:02

CELLE. Herrliches Wetter, wunderschönes Ambiente und ein bestens aufgelegter Künstler: Am Sonntagabend fand auf Hof Wietfeldt die erste Kultur querbeet Veranstaltung seit dem Lockdown im März statt. Nunja: fast die erste. Nachdem Ende Mai bereits Matthias Brodowy und Werner Momsen bei Kultur querbeet im Celler Autokino auftraten, durfte nun infolge der letzten Lockerungen eine Open Air-Veranstaltung vor Publikum stattfinden – selbstverständlich unter Wahrung der Hygiene- und Abstandsregeln. Offenbar dürstete es sowohl das Publikum, als auch Peter Shub, den Künstler des Abends, gleichermaßen nach einem Stückchen Normalität. Entsprechend herzlich begrüßten sich beide Seiten unter den Eichen in Bennebostel.

Gut 200 Besucherinnen und Besucher ließen sich von Peter Shub in die Welt der Clownerie und Pantomime entführen. Alltagsgegenstände wie eine Gießkanne, ein Korkenzieher oder ein Garderobenständer bildeten den Mittelpunkt seiner Nummern. Stets in engem Kontakt mit dem Publikum ließ sich Shub bemerkenswert viel Zeit, um vermeintliche Kleinigkeiten eine große humoristische Wirkung entfalten zu lassen und stellte ein ums andere Mal unter Beweis, warum er als einer der prominentesten Vertreter der modernen Clownerie gilt.

Zur Freude des Publikum bezog Peter Shub immer wieder Besucherinnen und Besucher in seine Show ein, schlüpfte vom Piloten bis zur Motte in unterschiedlichste Rollen und gab den unverwechselbaren Herrn im Trenchcoat mit dem imaginären Hund an der realen Leine. Seine grandiose Mischung aus Slapstick, Comedy und Körperkomik ergänzte der gebürtige US-Amerikaner im zweiten Teil des Abends um verbalen Humor und nahm sich besonders sprachliche Unterschiede zwischen Englisch und Deutsch vor. Als eine Kuh vom Nachbarhof lautstark das Bühnengeschehen störte, löste sich wohl auch bei den letzten Besucherinnen und Besuchern unter befreiendem Lachen eine etwaige coronabedinge Beklemmung in Luft auf.

Bemerkenswert an diesem Abend waren vor allem auch die Disziplin des Publikums sowie die penible Vorbereitung der Gastgeber von Kultur querbeet und Hof Wietfeldt. Mit dem Zollstock wurden im Vorfeld die vorgeschriebenen Abstände zwischen den Tischen in stundenlanger Feinarbeit sichergestellt, was dem liebevollen Charakter des Arrangements aus verschiedensten Kleinmöbeln keinen Abbruch tat. Ohne zu murren und unter Einhaltung der Sicherheitsabstände nahm das Publikum die Wartezeit am Einlass in Kauf, um sich vorschriftsgemäß in die vorbereiteten Formulare einzutragen. Obwohl es sich um eine der ersten Kulturveranstaltungen überhaupt im Kreis Celle seit Mitte März gehandelt haben dürfte, wirkten die Abläufe fast, als wären sie lange gewohnt und einstudiert. Insgesamt war es ein rundum gelungener Abend, bei dem der Blick auf das Miteinander und das Geschehen neben der Bühne fast genauso wichtig war, wie der Blick auf die Bühne. In dieser besonderen Situation erwies sich Peter Shub als echter Glücksfall, mit dem der Ausbruch aus dem Alltag vortrefflich gelang.

Die nächste Veranstaltung von Kultur querbeet, ein Nachmittag mit dem Gipsy-Swing-Gitarristen Joscho Stephan und seinem Quartett, findet am 12.07.2020 im Landgasthof Wildwasser in Wolthausen statt – natürlich ebenfalls unter freiem Himmel.