Pferdesporttage in Beedenbostel mit glücklichen Reitern und Richtern

Reitsport Von Extern | am Do., 17.06.2021 - 15:00

BEEDENBOSTEL. „Es waren tolle Leistungen, die wir in den verschiedenen Prüfungen gesehen haben. Wir haben ein sehr hohes Niveau festgestellt und die Reiter haben die Richter damit glücklich gemacht, denn das richten und bewerten wir am liebsten“, fasste Richter Dieter Stut die Pferdesporttage des Reit- und Fahrvereins (RFV) Beedenbostel e. V. am vergangenen Wochenende zusammen. Das Zusammenspiel von Pferd bzw. Pony und Reiter wurde in den einzelnen Prüfungen Dressur, Springen und dem Geländeritt genauestens unter die Lupe genommen.

Für die meisten „Buschreiter“ war es das erste Turnier, was nach Corona stattfinden konnte und so verwundert es nicht, dass man Starter aus Leipzig, Berlin und Rotenburg auf dem Turniergelände antraf. Bei annähernd bestem Reitsportwetter (annähernd, da der starke Wind am Samstag reihenweise die Hindernisse auf dem Springplatz umfallen ließ) wurde 439 mal die Startbereitschaft gegeben. 

„Ich habe sehr viel gezittert. Aufgrund der Coronasituation und den damit schwer zu erfüllenden Hygiene-Auflagen, war alleine die maximale Anwesenheit von 249 Personen auf dem Gelände über Zugangskontrollen, zu einer absoluten Herkulesaufgabe geworden“, sagte Vorstand Hermann Ernst und ließ dabei den Blick über die weitläufige Anlage schweifen.  „Wir haben vieles dafür getan, um dieses ordnungsgemäß umzusetzen.“

Unter diesen erschwerten Bedingungen freute man sich für die vereinszugehörigen Reiter, wie Maleen Franceschini auf Eivenho und ihren Sieg in der Stilspringprüfung Klasse L sowie Miriam Hörning auf Rassolana mit ihrem Sieg in der Dressurprüfung der Klasse A* umso mehr. Eine glanzvolle Leistung präsentierte auch Nachwuchssternchen Lara Lyke auf Constantiano mit dem zweiten Platz in der Stilspringprüfung der Klasse E. 

„Meine persönlichen Highlights der letzten drei Tage sind, dass weder Reiter noch Pferd verletzt wurden, der Großteil gut bis sehr gut durchs Ziel gekommen ist und dem Nachwuchs bei den Reitern sowie den Pferden zuzuschauen“, resümierte Dirk Heitmann. „Das war mein erstes Turnier, welches ich als Parcourschef gebaut habe, von daher war ich ohnehin aufgeregt genug“, fügte er, der bereits selber bis zur Deutschen Meisterschaft im Sattel gesessen hat, mit einem Schmunzeln im Gesicht hinzu. „Schade ist, dass dieses Turnier leider ohne Zuschauer stattfinden musste, denn die Zuschauer geben diesen Pferdesporttagen immer das Besondere.“

Große Aufregung verspürte auch Dr. Donata-Viktoria Bechstein als Reiterin aus dem Pferdezucht- und Reitverein Luhmühlen e. V. Mit ihrer 14-jährigen gescheckten Trakehnerstute Bonnily absolvierte sie den Geländeritt der Klasse L mit seinen 21 Hindernissen und 4 Kombinationen zu Land und zu Wasser mit Bravour. „Insgesamt ist es die größte Herausforderung, dass man den richtigen Grundrhythmus bekommt“, beschrieb Bechstein ihren Ritt. Insbesondere das Hindernis „Tripple Hecke“, ein trapezförmiger in der Tiefe höher werdender, mit Tannen verzierter Holzsprung, welches in liebevoller Handarbeit von dem 81-jährigen Gerhard Marwede eigens zu diesem Turnier gebaut wurde, sorgte bei manchem Pferd und Reiter für Herzklopfen. „Dieses Hindernis klappte bei uns verhältnismäßig gut. Bonnily ist ein mega Verlasspferd bei so technischen Aufgaben. Gut vorbereitet war dieses schmale Hindernis dadurch, dass es den Tonnensprung (ein in Holz verkleidetes Weinfass) vorher gab“, berichtete Bechstein. 

Mit Vogelgezwitscher im Rücken ging der Kurs weiter auf das Hindernis „Trepp ab“ zu. Dieses ließ wider erwarten doch so manchem Pferd die Nerven flattern. Die vergangenen Hindernisse  wurden von warmen hellen Sonnenstrahlen begleitet – und nun ritt man aus Pferdesicht gesprochen - in ein dunkles schwarzes Loch, das einem abforderte, mit Geschick zwei Ebenen hinunterzuspringen mit Blick auf ein weißes flatterndes Weidezaunband in der Ferne. Hier war für manchen Reiter, aufgrund dreimaligen Verweigerns, die Reise zu Ende. "Auch Bonnily hat bei diesem Hindernis etwas  geguckt, bevor sie dann sprang. „Insgesamt war es eine sehr schöne Runde für uns und es hat sehr viel Spaß gemacht. Gerade dadurch, dass es für Bonnily nach einer 20-monatigen Verletzungspause ihr erster Start wieder in der Vielseitigkeit war, macht es das für uns definitiv zu einem besonderen Tag“, verriet Bechstein mit einem Lächeln im Gesicht und der Schleife für den 7. Platz in dieser Prüfung in der Hand.  

Fabelhafte Ritte zeigten auf diesem Geländekurs ebenfalls Julia Weiser (RC Harbarnsen) auf Claire de Lune (Wertnote 9,30), Heika Hänel (RSV Overbeckhof-Luhmühlen e. V.) auf Shine Forever (9,20) und Kim Heitmann (Pferdezucht- und Reitverein Luhmühlen e. V.) auf Royal Dancer (9,10).

Aus der Ecke der tiermedizinischen Versorgung um Dr. Stefanie Huthmann war es sehr ruhig. Routinemäßig, wie auf jedem Reitturnier, wurden stichprobenartig lediglich eine handvoll Pferde zur Kontrolle inspiziert. Somit freute sich Huthmann umso mehr, dieses Mal hauptsächlich zum Einsatz als Fotografin gerufen zu werden. In ihren abschließenden Worten waren sich Vorstand Ernst wie Parcourschef Heitmann einig: Man hofft, auch zukünftig Nachwuchs für diesen tollen Sport zu begeistern, die einfach Lust haben so etwas auszuprobieren. „Wir möchten alles Mögliche dafür tun, damit Hindernisse und das Gelände so gut 'in Schuss' gehalten werden, dass möglichst weder Pferd noch Reiter verletzt werden und ihren Spaß beim Reiten 'durch den Busch' behalten. Schlussendlich wünschen wir uns in Hinblick auf die Vielseitigkeit, auch in Zukunft attraktiv für die internationalen Reiter zu bleiben", hieß es aus Reihen des Vorstands. 

 „Für heute freuen wir uns, dass wir mit viel Engagement, insbesondere von Andrea Kobbe, Anja Ense, Edeltraut Pohl-Weber sowie Dirk Heitmann, Katrin Huthmann, Jens Lyke und dem unbezahlbaren Gerhard Marwede und den vielen weiteren helfenden Händen, einen schönen Start zurück in den Turniersport seit Beginn der Pandemie bieten konnten", fügte Ernst hinzu. Im Blick sicherlich bereits das nächste Dressur- und Springturnier in zwei Wochen. Denn auch hier in Beedenbostel heißt es: "Nach dem Turnier ist vor dem Turnier!"

Text: Kristina Gerach
 

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