UNTERLÜẞ. Zu einem Pilgerweg des Friedens in die Südheide sind rund 40 Pilgerinnen und Pilger am vergangenen Dienstagnachmittag der Einladung des kirchlichen Arbeitskreises Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung gefolgt. Anlässlich der zeitgleich stattfindenden Aktionärsversammlung des börsennotierten Unternehmens Rheinmetall kritisierten vor dessen Werkstor in Unterlüß die Veranstalter die immer weiter zunehmenden Rüstungsexporte generell und die Exporte von Waffen in Krisen- und Kriegsgebieten im Besonderen.

Beispielsweise würde die humanitäre Krise im Jemen mittelbar über Tochtergesellschaften von Rheinmetall in Italien und Südafrika mit Waffenlieferungen unter anderem an Saudi-Arabien verschärft. Zuletzt sorgte der Einsatz von in Deutschland produzierten Leopard-2-Kampfpanzern durch die Türkei gegen die Kurden im Norden Syriens für Schlagzeilen.

Demgegenüber gelte es, sich nachdrücklich für zivile Konfliktlösungen einzusetzen, für einen dauerhaften und gerechten Frieden, „Mehr Waffen führen nicht zu mehr Frieden – das Gegenteil ist der Fall“, so Tobias Schäfer-Sell vom evangelisch-lutherischen Missionswerk Hermannsburg.

Entlang der sieben Kilometer langen Pilgerstrecke passierten die Teilnehmenden das Werkstor und den Firmensitz der Zweigstelle des Unternehmens und fanden sich zuletzt in der Friedenskirche Unterlüß zu einer Abschlussandacht zusammen.

An diesen Stationen wurde das Thema des Pilgerwegs unterschiedlich aufgegriffen. Eine Künstlergruppe um den Hamburger Künstler Axel Richter präsentierte sein Projekt „Wenn Engel reisen…“, bei dem mit einer großen Holz-Dalbe aus dem Hamburger Hafen für Weltoffenheit und Frieden geworben wird. Der  Referent für Friedensarbeit im Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Pastor Lutz Krügener, ging auf das sensible Thema der Arbeitsplätze ein. Er zeigte Verständnis, dass sich Mitarbeitende durch die Protestaktion angegriffen fühlen und betonte, wie wichtig solch gute und sichere Arbeitsplätze sind. Letztlich könnten Arbeitsplätze aber kein Argument sein, wenn die hergestellten Produkte verantwortlich sind für Leid, Tod und Flucht. Volkswirtschaftlich könnte Deutschland auf die Rüstungsexporte verzichten, sagte Krügener, aber sie würden für politische Interessen eingesetzt. Die Kirche sieht er in der Pflicht, die Beschäftigten bei Veränderungsprozessen zu unterstützen.

In der gut besuchten Friedenskirche stand zuletzt der 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung im Mittelpunkt der Andacht von Orts-Pastor Wilfried Manneke. An keinem anderen Tag im Jahr sei die Erinnerung an die schrecklichen Leiden und Opfer von Krieg und Gewalt so spürbar.

Der Arbeitskreis Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen setzt sich seit fast 30 Jahren für die Anliegen des ökumenischen konziliaren Prozesses ein und bietet regelmäßig Pilgerwege an.

 

Foto: Tobias Schäfer-Sell

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