„Toller Ort zum Erhalt der Umwelt“ - Pilotprojekt auf dem Müdener Friedhof

Religion Von Susanne Zaulick | am Fr., 22.10.2021 - 17:39

MÜDEN/ÖRTZE. Mal keine Beerdigung, sondern ein Richtfest wurde kürzlich auf dem Müdener Friedhof begangen. Gefeiert wurde die Fertigstellung eines Insektenhotels. Neben Pastor Rudolf Blümcke und dem Friedhofsteam waren auch die Erbauer der hölzernen Unterkunft für Sechsbeiner zu Gast: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Holzwerkstätten des Albert-Schweitzer-Familienwerks aus Hermannsburg.

Das Insektenhotel ist einer von vielen kleinen und größeren Meilensteinen, die auf Müdens Friedhof in den vergangenen Jahren gesetzt wurden. Den Rahmen gibt das EU-geförderte Pilotprojekt „Landschaftswerte – Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen“ der Landeskirche vor. Die ev.-luth. Kirchengemeinde St. Laurentius ist eine von acht Gemeinden innerhalb der Landeskirche Hannover und die einzige im Landkreis Celle, die sich erfolgreich beworben hat und stolze 150.000 Euro für ökologische Maßnahmen auf ihrem 4,4 Hektar großen Friedhofsareal investieren darf. 

Wenn am kommenden Samstag, 30. Oktober, um 14 Uhr auf dem Friedhof das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt wird*, blickt die Gemeinde auf einen durchaus arbeitsintensiven Weg zurück. „Es begann 2014 mit einer Rundmail der Landeskirche, die über Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen informierte und zu einem Seminar einlud“, erinnert sich Malcolm Chamberlain, der damals Friedhofswärter in Müden war und das Projekt, nun gemeinsam mit seinem Nachfolger Marc Völker, bis heute begleitet. 

Und bis heute versprüht er Begeisterung, wenn er die neu gestalteten Flächen zeigt: das auch im Herbst üppig blühende Staudenbeet für die Urnenbeisetzung, die Trockenmauer, eine Heidefläche mit Namen „Schäfers Ruh“, einen Teich und den Wildblumenstreifen. Dem Insektensterben entgegen wirken und den Friedhof attraktiver machen, das ergänze sich wunderbar, findet der gebürtige Engländer. 2018 wurde der Müdener Friedhof mit dem „Grünen Hahn“ im Rahmen des Umweltmanagements der Landeskirche zertifiziert, das war Voraussetzung, um bei den „Landschaftswerten“ dabei zu sein. Zwölf Gemeinden hatten sich ursprünglich beworben. Einige sprangen wieder ab, weil ihnen das Prozedere zu aufwendig erschien, berichtet Chamberlain. Das Haus kirchlicher Dienste stellte den Teilnehmern ein Expertenteam für Beratung und Planung zur Verfügung. Mindestens zwölf Jahre müssen die ökologisch angelegten Bereiche bestehen bleiben.

Dass gerade für solche langfristigen Maßnahmen ein Friedhof der richtige Ort sei, machte Pastor Rudolf Blümcke in seiner Ansprache bei der Einweihung des Insektenhotels deutlich. „Lasst uns Gutes tun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten wenn wir nicht nachlassen“, zitierte er aus einem Paulus-Brief  an die Galater und leitete damit über zum Begriff der Nachhaltigkeit. „Wir haben auf dem Friedhof Liegezeiten von 30 Jahren. Alles braucht seine Zeit und seine Ruhe. Hier geht es nicht um den schnellen Erfolg. Deshalb ist der Friedhof ein toller Ort zum Erhalt der Umwelt und der Biodiversität.“ Und nebenbei werde auch noch deutlich: „Ein christlicher Friedhof ist keine Sackgasse. Hier wächst Neues.“

*Um Anmeldung wird Corona-bedingt gebeten unter 05053-9039080 oder KG.Laurentius@evlka.de