Pilotprojekt „Impfen vor Ort“ gestartet

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Do., 18.03.2021 - 16:07

LACHENDORF. Begrüßung per Handschlag darf nicht sein, aber hier in der Turnhalle der Ikarus-Grundschule in Lachendorf, die kurzerhand in ein kleines Impfzentrum umgewandelt wurde, wären am heutigen Vormittag wohl viele Hände geschüttelt worden. „Ich bin zu Hause“, sagt Gustav Thölke, er wird gleich beim Eintritt vom Samtgemeindedirektor Jörg Warncke persönlich begrüßt, wenige Meter weiter steht Dr. Gerd Molsen. „Der war 30 Jahre mein Hausarzt, er hätte das mit den Medikamenten alles klären können“, sagt der 83-Jährige.

Gustav Thölke ist Teilnehmer eines Pilotprojektes, das der Landkreis Celle heute gemeinsam mit der Samtgemeinde Lachendorf gestartet hat. „Wir wollen Impfangebote vor Ort schaffen“, erläutert Pressesprecher Tore Harmening. Das Zentrum in Celle soll entlastet werden und die Angebote sollen näher an die Menschen heranrücken. In Lachendorf wird nun erstmal ein Probelauf unternommen, um „Erfahrungen zu sammeln“. Danach wird auf andere Kommunen ausgeweitet. Voraussetzung ist die Verfügbarkeit der kostbaren Vakzine. Tore Harmening ist optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass wir mehr Impfstoff bekommen.“

Heute wird mit BionTech/Pfizer geimpft, 200 Personen haben sich angemeldet. „Es bedurfte eines längeren Vorlaufs“, erläutert die Erste Samtgemeinderätin Uta Lüßmann. Anfang März begannen die Vorbereitungen. Lüßmann bemängelt, dass der Zugriff auf die in Hannover geführten Wartelisten nicht möglich war: „Dadurch entstand Aufwand, der ins Leere ging“, sagt sie. Denn alle über Achtzigjährigen der Samtgemeinde mussten angeschrieben werden. Diejenigen, die bereits eine Impfung erhalten haben, teilten dieses im günstigsten Fall mit. Auf dieser Basis gingen die Einladungen raus.

Gustav Thölke wird wie viele andere Besucher von jemanden begleitet. „Mein Bruder hat mich gefahren“, berichtet er, räumt jedoch direkt ein, „ich hätte das auch selbst gekonnt“. Zunächst wird er aufgefordert, das Aufklärungsmerkblatt, das ihm bereits im Vorfeld zusammen mit der Einladung zugesandt worden war, zu unterschreiben. „Aber ich möchte doch den Arzt noch etwas fragen“, gibt der Helmerkamper zu bedenken. Diese Gelegenheit wird ihm und allen anderen eingeräumt. Der ältere Herr kommt nicht dazu, sich noch einmal in den Wartebereich zu setzen. Er ist gleich an der Reihe, in der Kabine steht einer der vier Ärzte, die Tore Harmening „flying doctors“ nennt, für Fragen und die nötigen Erläuterungen zur Verfügung. Vom System der einzelnen Stationen ist man mittlerweile abgegangen. „Das nahm zu viel Zeit in Anspruch“, erklärt der Landkreissprecher. Nun gehen die Ärzte und Ärztinnen mit in die Kabine. Gustav Thölke war die Vereinbarkeit mit seinen übrigen Medikamenten ein Anliegen. „Die häufigsten Fragen beziehen sich auf die Nebenwirkungen und auf die Zeit unmittelbar nach der Immunisierung“, erläutert Dr. Gerd Molsen, der über Jahrzehnte eine allgemeinmedizinische Praxis in Lachendorf betrieb. Die Menschen möchten wissen, wie lange sie sich nach der Impfung schonen müssen. „Insgesamt sind sie sehr gut aufgeklärt, wissen durch Fernsehsendungen sehr viel“, ergänzt Molsen.

Gustav Thölke sitzt mittlerweile im zweiten Wartebereich, der für die 15-minütige Ruhephase im Anschluss hergerichtet wurde. Die Impfung liegt hinter ihm. „War überhaupt kein Problem“, sagt er. Während er wartet, bis sein Bruder ihn abholt, ist der seit Jahrzehnten vertraute Hausarzt stets in seiner Nähe. Dr. Gerd Molsen plädiert indes dafür, seine Kollegen einzubeziehen in die Impfungen gegen eine Covid-19-Erkrankung. Er befürwortet das Pilotprojekt ausdrücklich: „Ich finde, die Lösung ist optimal.“

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