Plädoyer für die Impfung von AKH-Chefarzt: "Schutz kann lebensrettend sein"

Medizin Von Redaktion | am Fr., 19.02.2021 - 17:35

CELLE. Der Landkreis Celle und das AKH wenden sich in einer gemeinsamen Pressemitteilung gegen aktuelle Vorbehalte gegenüber dem Impfstoff von AstraZeneca. Berichte über Nebenwirkungen und weniger Nutzen seien nicht sachgerecht, sagt Prof. Dr. med. Stephan Hollerbach, Chefarzt Innere Medizin und Mitglied der Corona Task Force am AKH Celle. Seiner Einschätzung nach sollten Impf-Berechtigte nicht zögern, eine COVID-19-Impfung mit diesem Impfstoff wahrzunehmen.

Die Faktenlage spreche eindeutig dafür. So sieht es auch Landrat Klaus Wiswe: „Der Impfstoff ist von der Ständigen Impfkommission für Menschen unter 65-Jahren empfohlen worden. Wer die wichtige Impfung damit ablehnt, verzichtet auf eine schnelle Impfung. Je nach Alter kann die Impfung dann erst viel später erfolgen".

„Eine Impfung mit AstraZeneca verhindert bei bis zu 70 Prozent der Personen zumindest eine schwere COVID-19-Erkrankung. Dieser Schutz ist viel höher und besser, als wenn man nicht geimpft ist – dieser Schutz kann somit lebensrettend sein“, sagt Prof. Hollerbach. „Und durch eine verlängerte Pause zwischen den beiden Impf-Terminen kann diese Impfung bis zu 80 Prozent wirksam werden.“ Zudem könne die Impfung wahrscheinlich später im Sommer, wenn genug Impfstoff vorhanden ist, mit einer weiteren Auffrischung eines anderen Impfstoffes (z.B. Biontech) noch weiter verbessert werden - dies werde gerade intensiv wissenschaftlich untersucht.

„Die bisher dokumentierten Nebenwirkungen sind noch als normal einzustufen. Sie treten beim AstraZeneca-Impfstoff bereits bei der ersten Impfung auf – bei den Impfungen von Biontech/Moderna war dies erst nach der zweiten Impfung der Fall“, so Hollerbach. Die Nebenwirkungen treten laut dem Celler Mediziner bei bis zu 40 Prozent der Geimpften wenige Stunden nach der Impfung auf und bestehen fast immer aus Druckempfindlichkeit, Schmerzen oder Rötung an der Einstichstelle am Oberarm und/oder aus Erschöpfung, Kopfschmerzen, leichtes Fieber, Schüttelfrost sowie Muskelschmerzen.

„Diese Erscheinungen sind zwar deutlich häufiger als bei den bisherigen Grippe-Impfungen, aber die Impfstoffe sind ja auch viel wirksamer und es geht um viel mehr“, unterstreicht Hollerbach. Wegen des etwas erhöhten Auftretens der beschriebenen Nebenwirkungen werde als reine Vorsichtsmaßnahme eine gestaffelte Verabreichung der Impfung in allen sensiblen Bereichen (Krankenhäusern, Rettungsdienst, Polizei, Feuerwehr, usw.) empfohlen. „Insgesamt sind diese leichten Nebenwirkungen jedoch ein gutes Zeichen, da man merkt, dass sich das Immunsystem auf den Impfstoff einstellt“, erklärt der Professor.

Es gebe bisher keine Hinweise darauf, dass es durch die Impfung zu schweren Nebenwirkungen komme. „In der Zulassungs-Studie bei über 15.000 Personen traten nur vereinzelt schwerere Erkrankungen auf, zwischen geimpften und ungeimpften Personen gab es dabei keinen Unterschied“, so Hollerbach. „Die Arzneimittelbehörden beobachten und prüfen den Impfverlauf in Deutschland weiterhin gründlich.“

Abschließend weist der Mediziner des AKH abermals darauf hin, dass sich auch nach einer Impfung an die Abstands- und Hygieneregeln gehalten werden sollte. „Eine Impfung ist kein Freifahrtschein. Nur im Zusammenwirken mit den bekannten AHAL-Regeln, also Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, Lüften, kann sie ein wichtiges Element innerhalb der Gesamtstrategie zur Eindämmung der Corona-Pandemie sein“, unterstreicht Professor Hollerbach. Denn keine Impfung sei zu 100 Prozent effektiv – und auch Geimpfte könnten mitunter das Virus weitertragen.

In diesem Zusammenhang böten die AHAL-Regeln den optimalen Schutz – auch vor den sich rasch verbreitenden Mutationen des Virus. „Mit der Einhaltung der AHAL-Regeln schützen wir uns und andere – und leisten somit einen entscheidenden Beitrag, eine mögliche dritte Welle zu verhindern und die Infektionszahlen soweit zu verbessern, dass über verschiedene Öffnungsszenarien gesprochen werden kann. Aber es geht nur gemeinsam. Deshalb sollten alle mithelfen“, so der abschließende Appell von Professor Hollerbach.

*Aktualisiert* Impfstoff von AstraZeneca auch in Celle

CELLE/HANNOVER. In Emden, Oldenburg und Braunschweig klagten viele Krankenhausmitarbeiter In drei Kliniken nach der Corona-Impfung mit dem Wirkstoff AstraZeneca über Nebenwirkungen wie Fieber, Schüttelfrost oder Übelkeit. Nun auch in Hannover. „Etwa 20 bis 30 Prozent der Mitarbeiter fallen dann für zwei bis drei Tage aus“, sagte Prof. Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover.
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