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Verteidigungsministerin zu Gast in Eversen

Plädoyer für NATO und Mittelstand zum Wahlkampfauftakt

12.08.2017 - 13:01 Uhr     zaulick    0

EVERSEN. Eine bis in den letzten Winkel zugeparkte Dorfstraße, ein Festzelt, das aus allen Nähten platzte und auf den mit CDU-CDU-CDU bedruckten Tischdecken lila Heide, mit schwarz-rot-goldenen Stoffbändchen dekoriert: Das war die Kulisse für den Auftritt von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gestern Abend auf dem Gelände des Everser „Dorfkrugs“.

Gastgeber Henning Otte begrüßte über 500 Besucher und gab die Ziele für die kommenden Wochen vor: Angela Merkel solle Bundeskanzlerin bleiben und im Land Niedersachsen solle die CDU mit einem Ministerpräsident Bernd Althusmann regieren. „Mit Ihrer Rückendeckung wird uns das gelingen“, wandte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete an das Publikum. Für sich persönlich hat er das Ziel, seinen Wahlkreis Celle-Uelzen wieder direkt zu gewinnen.

Im Hinblick auf seine Arbeit in den zurückliegenden Jahren, nannte Otte an erster Stelle die Bundeswehr. „Wir haben eine finanzielle, materielle und personelle Trendwende eingeleitet und viel erreicht“, so sein Fazit. Im Gegensatz zur SPD, die nicht so viel in die Bundeswehr investieren wolle und den Linken, die die Beendigung aller Auslandseinsätze und den Austritt aus der NATO forderten, stehe die CDU für Sicherheit, Recht und Ordnung.

Nachdem sich auch die beiden Kandidaten für die Landtagswahl, Thomas Adasch (Wahlkreis Celle) und Jörn Schepelmann (Wahlkreis Bergen) kurz an die Zuhörer gewandt hatten, trat Ursula von der Leyen ans Mikrofon – um erst mal eine Lobeshymne auf Otte loszuwerden: „Wenn es eine Person gibt, auf die ich mich hundert Prozent in jeder Situation verlassen kann, dann ist das unser Henning Otte!“ Ihm sei es auch zu verdanken, dass in Bergen das deutsch-niederländische Panzerbataillon stationiert wurde.

Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland zeigte sich von der Leyen höchst zufrieden: 44 Millionen Menschen hätten Arbeit, Löhne und Renten stiegen, die Jugendarbeitslosigkeit sei besiegt. Daher habe sie wenig Verständnis dafür, dass der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, alles so negativ sehe: „Der Mann ist offenbar zu lang in Brüssel gewesen, hat versucht, Eurobonds durchzusetzen und nicht mitbekommen wie sich Deutschland entwickelt hat.“

Ein klares Bekenntnis gab die Ministerin zur NATO ab: „29 Länder, die fest versprochen haben, füreinander einzustehen, das ist die NATO. Und wenn wir uns dieses Versprechen geben, muss auch jeder seinen Beitrag leisten.“ In diesem Zusammenhang warf sie sozialdemokratischen Ministern vor, hinter verschlossenen Türen alles mitzutragen, aber „sobald sie wieder draußen sind, wollen sie davon nichts mehr wissen“.

Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland, haben zwei Elemente aus ihrer Sicht einen hohen Stellenwert: Der Mittelstand und die Familien. „Wer den Mittelstand schwächt, der schwächt das gesamte Land“, lautete ihr Credo. Die Familie als Basis der Gesellschaft diene dazu, Verantwortung zu lernen. Immerhin zwei Drittel aller pflegebedürftigen Menschen würden zu Hause gepflegt: „Still, leise und unauffällig von Familienangehörigen – das sind die wahren Helden!“

Zwischen ihren kämpferischen Statements zog die Ministerin auch andere Register – plauderte aus dem Nähkästchen bzw. aus dem Wohnzimmer der Familie von Ministerpräsident Ernst Albrecht, in der sie aufwuchs oder unterhielt mit Stilblüten aus sinnfreien Verordnungen und Gesetzestexten. Die offenkundige Zustimmung und der Applaus, der ihr von Anfang an immer wieder und natürlich auch am Ende ihrer Rede gewährt wurden, lassen vermuten: Dieser Abend diente weniger dazu, neue Anhänger zu gewinnen, als vielmehr, treue CDU-Wähler nochmal daran zu erinnern, dass es auf jede Stimme ankommt. Und wer dazu noch eine ganz prominente Empfehlung hören wollte, der bekam sie zum Schluss: „Wenn ich Deutscher wäre, würde ich Angela Merkel wählen“, zitierte von der Leyen als i-Tüpfelchen den ehemaligen US-Präsidenten und Demokraten Barack Obama.

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