Empörung über Pläne zur Gotischen Halle im Kulturausschuss

Kunst Von Anke Schlicht | am Fr., 11.09.2020 - 09:53

CELLE. Eine Diskussion entspann sich im gestrigen Kulturausschuss der Stadt nicht, das Szenario, das Kulturdezernentin, Susanne McDowell, skizzierte, rief einhellige Empörung sowohl unter Ausschuss-Mitgliedern als auch unter den zahlreich erschienenen Zuhörern hervor.

„Theaterkasse, CTM, Treffpunkt Schlossführung, Museumsshop Residenzmuseum“ – in dieser Reihenfolge nannte die Erste Stadträtin die künftigen Nutzungszwecke der Gotischen Halle, die seit Jahrzehnten als Präsentationsort für Kunstausstellungen dient und nun in eine zentrale Besucheranlaufstelle verwandelt werden soll. „Dies ist ein guter Zeitpunkt für Diskussionen, kein Zug ist abgefahren“, beruhigte McDowell die Anwesenden. Doch ein wenig weiter als bisher kommuniziert, scheinen die Pläne zum Umbau des Schlosses u.a. mit dem Ziel Barrierefreiheit und Brandschutz zu verbessern, schon gediehen zu sein. „Wir haben dem Land eine erste Stellungnahme vorgelegt, aber noch keine Antwort erhalten“, berichtete die Dezernentin. Bisher war lediglich von Gesprächen mit dem Land Niedersachsen als Eigentümer des Schlosses, die ganz am Anfang stünden, die Rede gewesen. Hohe Investitionen für ein denkmalverträgliches Nutzungskonzept sind vorgesehen. Im Zuge dessen seien Raumtäusche notwendig. „Es gibt keine zentrale Anlaufstelle im Schloss“, sagte McDowell. Und hier komme der Gotischen Halle eine besondere Bedeutung zu. Sie ist mit einem Fahrstuhl zu erreichen, die Hürden für Barrierefreiheit seien gering. Als Alternative stünde die Gewölbehalle bereit. Diese ehemalige Speisekammer und Maststätte für Geflügel weist laut Dietrich Klatt fast den gleichen Grundriss auf wie die Gotische Halle, diene ohnehin schon als Servicebereich und könne leicht barrierefrei zugänglich gemacht werden. Weshalb sie nicht zur zentralen Anlaufstelle erweitert werden könne, blieb unbeantwortet. Für künstlerische Zwecke tauge sie nach Ansicht einiger Mitglieder der Celler Kunstszene nicht, u.a. weil die Wände nur Platz für kleine Werke böten und die Decken viel zu niedrig seien.

„Große Installationen und Werke unserer Künstler fänden hier keinen Platz“, sagte der Vorsitzende des Celler Kunstvereins, Uwe Kerstan, „unsere Arbeit würde praktisch zunichte gemacht werden, wenn die Pläne so umgesetzt werden.“ „Ich finde die Vorstellung unerträglich, wenn in die Gotische Halle ein Kiosk einziehen würde“, kommentierte Joachim Schulze das Vorhaben, die SPD-Fraktion habe sich gleich nach Bekanntwerden der Umnutzungsabsichten zusammengesetzt und beraten, die Meinung war übereinstimmend: „Die Gotische Halle ist in sich bereits ein Kunstwerk.“ Sowohl der Ausschuss-Vorsitzende, Bernd Zobel von den Grünen, als auch das Mitglied der CDU, Walter Jochim, schlossen sich dieser Ansicht an. „Das ist einer der kulturhistorisch wertvollsten Räume, seiner Bedeutung wird es nicht gerecht, wenn er für anderes als kulturelle Ausstellungen verwendet wird“, betonte Jochim. Joachim Falkenhagen wies darauf hin, dass es Umgestaltungen im Schloss immer gegeben hätte, sprach sich grundsätzlich jedoch auch dafür aus, die Verwaltung solle darauf hinarbeiten, dass die Halle bliebe und schlug eine Ortsbesichtigung in einer der kommenden Sitzungen vor. Zu einem regelrechten Plädoyer für den Erhalt der Gotischen Halle geriet die Stellungnahme von Dietrich Klatt, der sich als kulturbeflissener Methusalem bezeichnete und seiner großen Enttäuschung eindrücklich Ausdruck verlieh: „Dieser Raum hat eine besondere Ausstrahlung, er wurde für Ausstellungen konzipiert, es ist unverständlich, dass Hannover ihn in Erwägung gezogen hat. Sollten die Pläne umgesetzt werden, wird dieser Raum nicht nur umgewidmet, sondern entmündigt.“

Die beiden Vertreterinnen der Stadtverwaltung, Susanne McDowell und Katharina Lohmann, ließen die Statements unkommentiert. Ein Fazit zog Ausschuss-Mitglied, Dietrich Burggraf: „Es wurde hier sehr überzeugend dargelegt, dass diese Halle unersetzbar ist.“