"Es geht um Solidarität": Platz-Sharing in Wathlinger Kitas

Gesellschaft Von Susanne Zaulick | am Do., 22.04.2021 - 17:55

WATHLINGEN. „Als der erneute Lockdown aufgrund der hohen Inzidenzwerte im Landkreis sich abzeichnete, stieg die Zahl der Familien, die sich nach Notbetreuungsmöglichkeiten erkundigten, sprunghaft an. Dabei war das zur Verfügung stehende Platzkontingent schon weitestgehend ausgeschöpft und es standen keine freien Plätze zur Verfügung“, erklärt Bürgermeister Torsten Harms zur Motivation des Platz-Sharing in den kommunalen Kindertagesstätten.

Viele Familien hätten die vergangenen Monate an den Rand ihrer Kräfte gebracht. Die Organisation von Homeschooling, Kinderbetreuung und Arbeit sei für alle sehr kräftezehrend. Die Gründe für die Beantragung der Notbetreuung seien durchaus berechtigt gewesen und stünden im Einklang mit den Vorgaben des Kultusministeriums. Teilweise arbeiteten Eltern in den sogenannten systemrelevanten Arbeitsbereichen, die Kinder sind im Sommer schulpflichtig oder hatten einen besonderen Förderbedarf z.B. im Bereich der Sprachentwicklung.

Aus dieser Situation der knappen Plätze heraus lud Bürgermeister Torsten Harms zu einem virtuellen Treffen von Elternvertretern aus den beiden kommunalen Kitas Spatzennest und Gänseblümchen unter Beteiligung der Kita-Leitungen ein. In diesem Treffen erörterten die Eltern mit den Vertretern der Gemeinde Möglichkeiten, wie mehr Kinder, die einen berechtigten Notbetreuungsbedarf haben, in den Genuss von Kita-Betreuung kommen könnten, berichtet Harms. "Die Eltern entwickelten unterschiedliche Ideen, die zum Teil auch wieder verworfen wurden und einigten sich in der digitalen Konferenz auf den Vorschlag, Platz-Sharing anzubieten. „Die Idee war, dass Kinder in der Regel nur noch 3 bzw. 2 Tage pro Woche in die Kita sind und dadurch mehr Kinder die Kita besuchen können“, erläuterte Anne Sklenarz, Leitung des Kita Gänseblümchen. Die Elternvertreter diskutierten das Für und Wider dieser Regelung. Im Focus stand aber auch, dass einige Eltern alle Urlaubs- und Freitage aufgebraucht hatten, während andere ohne große Mühen den Urlaub und die Corona-Tage aufgespart haben.

„Alle Beteiligten war bewusst, dass diese Entscheidung für die Familien, die bisher jeden Tag die Notbetreuung nutzen konnten, eine Herausforderung ist, da man sich umstellen muss. Trotzdem waren sich die Eltern einig, dass man diesen Weg gemeinsam gehen will und sich damit solidarisch zeigen will mit den Familien, die seit Monaten ohne Kinderbetreuung zurechtkommen müssen“, erläutert Stefanie Neumann als Kindergartenleiterin die Schwierigkeiten.

Die Entscheidung der Elternvertreter und die Zusage der Gemeindeverwaltung, dass man dieses Modell umsetzen werde, führte nicht bei allen Eltern zur Zustimmung, sagt Torsten Harms. Allerdings führe es aus Sicht der Verantwortlichen zu mehr Gerechtigkeit in der Kindertagesstätte. Die Aufsichtsbehörde in Lüneburg habe das Ansinnen in Wathlingen geprüft und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass der Weg, die Notbetreuung für mehr Familien zu ermöglichen, die einen nachgewiesenen Anspruch auf Betreuung haben, sehr lobenswert sei. „Es geht hier auch um Solidarität“, so Bürgermeister Harms, “und wenn eine alleinerziehende Krankenschwester aus dem AKH es organisiert bekommt, nicht alle 5 Tage in Anspruch zu nehmen, dann ist das auch für andere durchaus zumutbar über Urlaubstage und Corona-Freitage nachzudenken.“

Nach der ersten Aufregung habe sich gezeigt, dass die Eltern in den beiden kommunalen Kindertagesstätte solidarisch seien  und die meisten Familien in der Lage und bereit sind, sich zu arrangieren. „Dank dieses Verhaltens können wir nun vermehrt Familien in der Betreuung berücksichtigen, die bisher leer ausgegangen sind“, freuen sich Stefanie Neumann und Anne Sklenarz.

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