BRAUNSCHWEIG. Die angestiegenen Zahlen der Wohnungseinbruchdiebstähle in Deutschland stehen seit einigen Jahren im Fokus der öffentlichen Diskussion. Auch in Niedersachsen hat es im vergangenen Jahr nach einem Rückgang 2014 wieder einen Anstieg der Zahlen gegeben. Dabei liegt die Aufklärungsquote von Einbrüchen in Niedersachsen weit über dem Durchschnitt der Bundesländer. Aktuell fordern vor allem die immer internationaler agierenden Tätergruppen die Polizei zunehmend. Mit PreMAP wird die Polizei in Niedersachsen einen weiteren neuen Ansatz zunächst im Rahmen eines Modellprojekts verfolgen.

Das Landeskriminalamt Niedersachsen und die Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen haben mit PreMAP ein System entwickelt, das der Polizei auch mobil auf ihren Tablets zeitnah Informationen über begangene aber auch prognostizierte Wohnungseinbrüche weitergibt. Mit dem System können die Polizistinnen und Polizisten in Niedersachsen mittels einer App erkennen, wo Wohnungseinbrüche stattgefunden haben und wo aufgrund kriminologischer Ansätze die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Taten am höchsten sein wird. Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, sagt: “Nachdem wir in Niedersachsen schon sehr gute Erfahrungen mit mobilen Endgeräten im Einsatz- und Streifendienst machen, war die Entwicklung von PreMAP der nächste logische Schritt. Der Einsatz eines solchen Systems auf mobilen Endgeräten ist ein neuer, wichtiger Ansatz im Kampf gegen Einbrecher.”

Neben der Möglichkeit, die aktuelle Lage im Zuständigkeitsbereich tagesaktuell darzustellen, stellt auch der Blick in die Zukunft eine wesentliche Komponente der Anwendung dar. Im Projekt soll geprüft werden, inwieweit das so genannte Predictive Policing – also der Versuch, zukünftige Taten möglichst exakt räumlich und zeitlich vorherzusagen – erfolgreich eingesetzt werden kann. Die hauptsächliche theoretische Grundlage hierbei stellt die so genannte Near Repeat Victimisation dar. Dieses Phänomen besagt, dass nach einer Ausgangstat die Wahrscheinlichkeit weiterer Taten in räumlicher und zeitlicher Nähe erhöht ist. Empirisch nachgewiesen ist dieses Phänomen bereits seit den 1990er Jahren in den USA und auch in Niedersachsen wurde dieser Ansatz bereits erfolgreich getestet. In einer ersten Projektphase werden aktuell die inhaltlichen und technischen Grundlagen für das System geschaffen. Pistorius: “Wir sehen in dieser Technologie einen vielversprechenden Ansatz. Deshalb wollen wir uns in der täglichen Arbeit ansehen, ob sich diese Ansätze auch in die Tat umsetzen lassen.”

Am Ende der Phase im Januar 2017 wird ein pilotierungsfähiges Produkt entwickelt sein, das in der Folge für ein halbes Jahr in der Stadt Wolfsburg und der gesamten Polizeiinspektion Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel eingesetzt werden wird. Erfahrungen werden im Sommer 2017 vorliegen, auftretende Handlungsbedarfe bis zum Projektabschluss Ende Oktober 2017 umgesetzt. PreMAP wird so entwickelt, dass es anschlussfähig für zukünftige Neuerungen bzw. Deliktsgruppen ist.

“Keine Frage: Ein Einbruch – dabei ist es fast egal, wie hoch der materielle Schaden ist – ist ein unglaublich drastischer Eingriff in das Leben der Opfer. Denn: jemand völlig Fremdes ist in die persönliche Sicherheits- und Wohlfühlzone eingebrochen. Natürlich hat die Niedersächsische Polizei in den vergangenen Jahren unter anderem durch technische, personelle und organisatorische Maßnahmen ihre Arbeit in diesem Deliktsfeld deutlich verbessert. Gerade weil ein Einbruch aber so gravierende Auswirkungen auf das Leben der Menschen hat, verfolgen wir jeden Ansatz, der erfolgsversprechend ist”, so Boris Pistorius.

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