CELLE. Beginnend mit dem 23. Juli finden in der Evangelisch-reformierten Kirche auch in diesem Sommer wieder an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen Predigten zu Motiven auf niederländischen Bibelfliesen zu Texten aus dem Alten Testament statt. Die Gottesdienste, in denen Pastor Dr. Andreas Flick predigt, beginnen jeweils um 9.45 Uhr.

Im 18. und 19. Jahrhundert waren die schlichten Varianten der niederländischen Bibelfliesen eine erschwingliche Massenware. Doch heutzutage stellen sie ein beliebtes Sammlerobjekt dar, für das Sammler mitunter tief ins Portemonnaie greifen müssen. Zahlte ein Hamburger Händler einst noch etwa vier Gulden pro 100 Stück Makkumer „Basterde Historien“, so muss ein Liebhaber inzwischen rund 40 bis 180 Euro für jede einzelne Antiquitätenfliese ansetzen. Für künstlerisch wertvollere wie auch seltenere Bibelfliesen werden weitaus höhere Preise gezahlt. Wie Briefmarkensammler kommen die Fliesenliebhaber in den Niederlanden auf Tauschtagen zusammen, um ihre Sammlungen zu vervollständigen.

Einst waren diese Fayencefliesen entweder als Dekoration oder zur Erbauung an den Herdstellen oder den Wänden und Kachelöfen der guten Stuben angebracht. Die Frommen unter den Käufern, Kapitäne, Kaufleute und wohlhabendere Bauern, erwarben diese Fliesen einerseits, um ihre Frömmigkeit zu dokumentieren, und andererseits, um sie bei der Bibellektüre als didaktische Hilfsmittel in der religiösen Erziehung im eigenen Heim zu verwenden. In den calvinistisch geprägten nördlichen Niederlanden hatte man trotz des Bilderverbots in Kirchen keine Probleme mit der Darstellung der biblischen Geschichten im häuslichen Umfeld, sei es als Buch, Stich oder Bibelfliese, zumal diese keinen sakralen Charakter besaßen. Als Vorlagen dienten bekannte Kupferstiche zu biblischen Erzählungen. Doch nicht nur fromme Reformierte, sondern ebenso Lutheraner, Mennoniten und andere protestantische Gruppierungen wie auch Katholiken begeisterten sich für die Bibelfliesen, die rund sechs Prozent der niederländischen Fliesenproduktion ausmachten.

Hergestellt wurden sie vor allem in Manufakturen in Amsterdam, Bolsward, Harlingen, Makkum, Rotterdam und Utrecht. Besonders die Harlinger und Makkumer Produzenten exportierten ihre Ware auch in großer Zahl nach Deutschland. Über die Wasserstraßen verbreiteten sich die Bibelfliesen in protestantischen Gebieten entlang der Nord- und Ostseeküste. Allein zwischen 1814 und 1850 wurden 450.000 von den rund 2 Millionen gefertigten Makkumer Bibelfliesen an Hamburger Händler verkauft. Von dort fanden sie vor allem ihren Weg nach den Vierlanden südlich von Hamburg und nach Norden, in das Gebiet der Wesermarsch und weiter. Auch in Ostfriesland, der Grafschaft Bentheim oder im Münsterland fanden die kunsthandwerklichen Produkte zahlreiche Liebhaber. Doch selbst weitab der Küste können wir die Bibelfliesen in herrschaftlichen Bauten wie dem sächsischen Barockschloss Wachau oder im Jagdschlösschen Amalienburg im Nymphenburger Schloss in München ausfindig machen.

 

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.