Projekt CORRECTIV.Lokal: Interaktive Karte zum Ausbildungsmarkt in Celle

CELLE. Der Ausbildungsmarkt ist leer gefegt: Erstmals gibt es deutschlandweit mehr offene Stellen als Ausbildungsplatzsuchende. Für viele Unternehmen wird das zu einem Problem. Allerdings unterscheidet sich die Lage von Region zu Region: Nicht überall herrscht Mangel an Azubis. Auffällig ist in einigen Regionen auch, dass sich junge Menschen wenig für die Branchen interessieren, die dort Stellen anbieten. Wir haben in einer gemeinsamen Kooperation von CORRECTIV und CELLEHEUTE/LOKALHEUTE regionalisierte Daten analysiert, wie sich der Fachkräftemangel konkret vor Ort auswirkt und wie die Arbeitsmarktsituation im Vergleich zu den anderen Ausbildungsstufen aussieht.

Wir haben den Sprecher der Agentur für Arbeit Celle, Benjamin Bauch, gefragt, in welchen Branchen dringend Auszubildende seitens der Betriebe gesucht werden. Die Graphik zeigt die Top 20 der Bewerberwünsche im Vergleich zu den angebotenen Ausbildungsplätzen des vergangenen Jahres in den Landkreisen Celle und Heidekreis.



"Derzeit starten noch einige Ausbildungsgänge ab September, sodass eine gute Entwicklung im Ausbildungsmarkt zu erwarten ist. Aktuell sind noch 538 Ausbildungsstellen in allen Branchen frei, sodass auch eine späte Entscheidung für eine Ausbildung von Erfolg gekrönt sein könnte“, so Sven Rodewald, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Celle. „Die stetige Nachfrage nach Fachkräften in allen Branchen ist weiterhin gegeben. Hier besteht eine gute Chance durch Weiterbildung oder Umschulung den beruflichen Weg in die Zukunft zu beschreiten“, so Rodewald.

Wo Unternehmen kaum Bewerber finden


Auf dieser Karte sehen Sie nach Kommunen gegliedert, wie viele Ausbildungsplatzsuchende 2018 auf eine offene Ausbildungsstelle kamen. Je dunkler der Bereich, desto schwieriger war es für Unternehmen Auszubildene zu finden.

Wo Azubis schwerer Plätze finden


Auf dieser Karte sehen Sie nach Kommunen gegliedert, wie viele Ausbildungsplatzsuchende 2018 auf eine offene Ausbildungsstelle kamen. Je dunkler der Bereich, desto schwieriger war es für Auszubildende eine Stelle zu finden.

Gesuche und Stellen im Laufe der Zeit


Die Infografik stellt Ausbildungsstellen und -gesuche in den vergangenen Jahren dar. Während in Gesamtdeutschland die Zahl der freien Stellen stetig anstieg, sank die Zahl der Bewerber.

Sarah Kempf, Referatsleiterin Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, sieht ein mögliches Problem im „Akademisierungswahn“: „Vor den Folgen des Akademisierungswahns hat das Handwerk jahrelang gewarnt, unsere Warnungen verhallten allerdings ungehört. Jetzt zeigt sich, dass die Warnungen berechtigt waren: Die gesellschaftliche Wertschätzung für eine berufliche Ausbildung und eine berufliche Tätigkeit im Handwerk ist gesunken. Die Folge ist, dass sich selbst Jugendliche, die gern eine handwerkliche Ausbildung machen würden, oft dagegen entscheiden. Trotz dieses Trends ist der Abiturientenanteil unter unseren Azubis gestiegen: Er lag vor einigen Jahren noch bei sechs Prozent. Er beträgt mittlerweile 13 Prozent. Das ist natürlich ein beachtlicher Erfolg.“

Diese Recherche ist Teil einer Kooperation von CELLEHEUTE/LOKALHEUTE mit CORRECTIV.Lokal, einem Netzwerk für Lokaljournalismus, das datengetriebene und investigative Recherchen gemeinsam mit Lokalpartnern umsetzt. CORRECTIV.Lokal ist Teil des gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV, das sich durch Spenden von Bürgern und Stiftungen finanziert. Mehr unter correctiv.org.