BERGEN. Vor 20 Jahren hat Bürgermeister Rainer Prokop sein Amt als Bergens Bürgermeister angetreten. Nach Wolfgang Grube ist er damit der dienstälteste Verwaltungschef des Landkreises. Dieser Anlass zum Feiern und die Schaffung von weiteren Krippenplätzen standen im Mittelpunkt der gestrigen Ratssitzung in Bergen. Dass in der Mozartstraße eine neue Krippe mit zwei Gruppen gebaut werden soll, steht schon seit einiger Zeit fest. Seit gestern gibt es nun auch offiziell einen Träger für die Einrichtung. Die Lebenshilfe Celle gGmbH wird den Betrieb der Krippe übernehmen. Sie sei der einzige Bewerber im Rahmen des ausgeschriebenen Interessenbekundungsverfahrens gewesen, teilte Bürgermeister Rainer Prokop mit, auch wenn es zuvor mit anderen Interessenten wie der Kirche Gespräche gegeben habe. Aus Sicht von Rat und Verwaltung ist ein externer Betreiber wünschenswert. „Wir sind froh, dass wir das vergeben können, da wir mit unserem Haushalt schon genug belastet sind“, fasste Rosmarie Siemsglüß (SPD) die Gründe zusammen. Das Defizit, das beim Betrieb der Krippe entsteht, wird die Stadt dennoch tragen müssen.

Da es mit dem Krippenneubau noch einige Zeit dauern könnte, will die Stadt an der ehemaligen, britischen Slim-School in einem dortigen Containernebengebäude eine Übergangslösung schaffen. Für die Planung des Neubaus beschloss der Rat die überplanmäßige Ausgabe von 262.000 Euro im Haushaltsjahr 2018. Des weiteren wurden 556.000 Euro für einen Krippenanbau an die Everser Kita für dieses Jahr als Ausgaben in den Haushalt aufgenommen.

Dass die Ratssitzung mit einem Sektumtrunk endete, war allerdings nicht den außerplanmäßigen Ausgaben geschuldet. Ratsvorsitzende Marianne Kohrs hatte mit einem kleinen Vortrag daran erinnert, dass Rainer Prokop am 27. April genau 20 Jahre als Bergens Bürgermeister im Amt ist. Sie erinnerte daran, dass Prokop „vieles auf den Weg gebracht“ und sich insbesondere für die freiwilligen Leistungen der Stadt stark gemacht habe. Den Einwand des Geehrten, 20 Jahre sei kein „echtes Jubiläum“ und somit auch kein Anlass für Reden und Geschenke, ignorierten Ratsvorsitzende, Ratsmitglieder und die Presse, so dass Prokop sich doch noch zu einer kleinen Ansprache genötigt sah. Er sei die meiste Zeit gern Bürgermeister gewesen und sei es immer noch, auch wenn in den letzten zwei, drei Jahren die bisherige Stärke der Bergener Politik – Diskussionen und Zoff im Vorfeld, aber geschlossenes Auftreten wenn es um die Zukunft Bergens gehe – nicht mehr wie früher vorhanden sei. Auch werde das Fell nicht immer dicker mit den Jahren.

Ein Beispiel, auf das der Bürgermeister damit angespielt haben könnte, war der Vorwurf, dass der Stadt bei der Vermarktung ehemaliger Briten-Häuser Gelder entgangen sein könnten, weil die Makler-Provision zu hoch gewesen sei. Eine örtliche Maklerin hatte Gebäude im Horstweg und in Wohlde in Eigenregie vermarktet; eine Ausschreibung hatte nicht stattgefunden. Zu dieser Thematik hatte Prokop zu Beginn der Ratssitzung eine persönliche Erklärung abgegeben, und erläutert, dass man nach nochmaliger Prüfung „keine rechtlichen Fehler“ im Verfahren gefunden habe. „Abgesehen von einigen, die immer alles falsch finden, was passiert, gibt es wohl niemanden in Bergen, der unzufrieden damit ist, dass wir in so kurzer Zeit die Stadtentwicklung so gut in Griff bekommen haben…. Noch in 2013 wurde im Lagebericht der SEB (Stadtentwicklung Bergen GmbH) darauf hingewiesen, dass eine Abwertung der SEB-Grundstücke wegen Unverkäuflichkeit anstehen könnte. Nur durch die Vorgehensweise beim Abverkauf der Immobilien haben wir diese Prognose umkehren können…“

Rüdiger von Borcke (SPD) bestätigte, dass zum damaligen Zeitpunkt das Vorgehen „in Ordnung“ gewesen sei, auch wenn es aus heutiger Sicht nicht auszuschließen sei, dass man doch noch bessere Konditionen hätte bekommen können. Die Grünen wollten sich diesem Standpunkt nicht anschließen: „Wir sehen nicht, dass das wirtschaftlich ein Erfolg war und haben keine Einsicht in Unterlagen bekommen“, kritisierte Jürgen Patzelt.

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