KAIRO/CELLE. „Raus aus der Komfortzone Deutschland und Europa“ wollte der Lachendorfer Maximilian Abouleish-Boes, als er sich vor sieben Jahren um ein Praktikum bei der Initiative SEKEM in Ägypten bewarb. Aus dem Praktikum wurde ein Daueraufenthalt. „Ich bin bei SEKEM geblieben, weil ich gemerkt habe, dass ich hier etwas Sinnvolles tun kann, für Ägypten, aber auch für die Welt“, beschreibt er seine Motivation. Gemeinsam mit seiner Frau Soraya Abouleish möchte er auch in seiner alten Heimat Menschen für die Nachhaltigkeitsprojekte, an denen die beiden arbeiten, begeistern.

„Ägypten hat mit etlichen Herausforderungen zu kämpfen: Wasserknappheit, Wüstenbildung, Klimawandel, mehr als 25 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Aber vor allem das Bildungssystem weist große Mängel auf. Die Qualität der ägyptischen Grundschulbildung wurde kürzlich vom Weltwirtschaftsforum auf Platz 141 von 144 Ländern gewählt. Dabei stellt doch gerade die Bildung die Grundlage für die Bekämpfung all dieser Probleme dar“, beschreibt Abouleish-Boes die Lage in seiner neuen Heimat.

Die SEKEM Initiative wolle dem verstärkt entgegenwirken. „SEKEM Ägypten fördert seit fast 40 Jahren eine nachhaltige Entwicklung Ägyptens in den Bereichen Ökologie, Wirtschaft, Soziales und Kultur. Sie betreibt unter anderem verschiedene schulische Einrichtungen, um der ländlichen Bevölkerung nahe Kairos eine ganzheitliche Ausbildung zu ermöglichen“, erläutert der gebürtig aus Freiburg/Breisgau stammende Celler.

Maximilian Abouleish-Boes, der in Lachendorf aufgewachsen und in Celle auf das KAV-Gymnasium gegangen ist, hat es vor sieben Jahren nach Ägypten und zu SEKEM verschlagen. Wie das Schicksaal so wollte, merkte er schnell, dass in Ägypten noch mehr auf ihn wartete. „Am meisten reizt mich das ständige Lernen, denn man muss schnell Verantwortung für neue Ideen übernehmen und von denen gibt es hier viele!“ Und er habe gemerkt, wie viel er dem Bildungssystem in seiner Heimat zu verdanken habe.

Jetzt lebt Abouleish-Boes in SEKEM zusammen mit Ägyptern und einigen anderen Deutschen und arbeitet im Bereich diverser Nachhaltigkeitsprojekte. Dazu gehört Solarpumpen installieren, effiziente Bewässerungstechnologien ausprobieren, Bäume pflanzen, mit denen CO2-Kredite generiert werden, aber auch soziale Projekte wie Bildungsprogramme für die mehr als 600 Kleinbauern, die mit SEKEM zusammenarbeiten, zu entwickeln und zu implementieren.

aegyptenUm das Bewusstsein hierfür zu schärfen, habe SEKEM 2012 die Heliopolis Universität für Nachhaltige Entwicklung eröffnet. „Aber das Lernen und die Fähigkeit, Nachhaltigkeit zu denken, muss viel früher anfangen“, ist Maximilan Abouleish-Boes überzeugt: bei der jüngsten Generation. Zusammen mit seiner Frau Soraya Abouleish hat er selbst zwei Kinder, was das Thema Schulbildung für beide relevant macht. Hier setzt das SESC (SEKEM Environmental Science Center) an. SESC wurde 2010 gegründet und soll als Beispiel dienen, wie eine zukunftsorientierte Bildung in Ägypten im Vergleich zum staatlichen Curriculum aussehen kann.

5- bis 16-Jährige sollen durch ein alternatives Lehrkonzept dabei unterstützt werden, kritisches Denken zu entwickeln und damit zu einem Wandel in der Gesellschaft, vor allem in Bezug auf Umweltthemen, beizutragen. Wichtig ist der Initiatorin, Soraya Abouleish-Boes, dabei auch, einen Raum für soziale Innovation – frei von staatlicher Regulierung zu schaffen. „Wir wollen Kinder dazu ermutigen ihre Zukunft selber zu gestalten“, sagt Abouleish, die einst selber in die SEKEM-Schule gegangen ist und die Kampagne leitet. „Wir brauchen in Ägypten dringend eine Bildungsrevolution, wodurch junge Menschen dabei unterstützt werden, Initiative zu ergreifen und für sich und die Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. Mein Team und ich sind fest überzeugt davon, dass dieses ganzheitliche Bildungsmodell der beste Weg ist, um einen Wandel in Ägypten herbeizuführen und damit all die Herausforderungen zu bekämpfen, mit denen wir konfrontiert sind. Jeder Euro hilft uns dabei“, so Soraya Abouleish.
Vor einer Woche hat sie nun erstmalig eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um das SESC zu fördern.

20,000 Dollar nach 30 Tagen ist das Ziel der Kampagne. Über 6,000 Dollar wurden bereits in den ersten neun Tagen mit mehr als 100 Unterstützern erreicht. Mit dem Geld sollen interaktive Lernplätze und Labore geschaffen werden, in denen zu alternativen Energien, Wasser, Lebensmittel oder Gesundheit geforscht und gelernt werden kann.

Wer spendet, bekommt übrigens, je nach Höhe des Betrags, handgemachte Geschenke von den Kindern der SEKEM Schule. Sehr gefreut hat sich  Maximilian Abouleish-Boes über eine Spende der KAV Schülervertretung, zu der er einst selber gehörte. „Schüler aus meiner ehemaligen Schule helfen dem Bildungssystem meiner Kinder und das kulturübergreifend. Besser kann ich mir die Unterstützung unseres Projektes nicht vorstellen!“ kommentiert er fröhlich.
Er uns eine Frau würden sich sehr freuen, wenn Sie noch mehr Unterstützung aus ihrer Heimat bekämen. Darin sehen sie „eine Brücke von Nord nach Süd, von Okzident zu Orient, von einer Generation zur nächsten!“
Für Spenden und mehr Infos über die SESC Kampagne:
https://igg.me/at/SESC-changemakers/x
Für mehr Infos über die SEKEM Initiative: http://www.sekem.com/ , http://news.sekem.com/de/
Für mehr Infos über die Heliopolis Universität für Nachhaltige Entwicklung: http://www.hu.edu.eg/

Soraya Abouleish

Soraya Abouleish

Text/Fotos: Maximilian Abouleish-Boes

2 Antworten zu “Raus aus der Komfortzone”

  1. Jan Hendrikx sagt:

    Das hört sich sehr gut an. Hier wird tatkräftig, praxisnah und konkret Entwicklungshilfe geleistet. Das Flüchtlingsproblem müssen wir „vor Ort“ lösen. Mit $ 20.000 kann hier ein wichtiger neuer Schritt gemacht werden. Das muss doch zu schaffen sein! Zur Erinnerung: klicken und spenden kann man hier:
    https://igg.me/at/SESC-changemakers/x
    Jede kleine Spende wird helfen.
    Viel Erfolg, Soraya und Maximilian.
    Jan Hendrikx
    Gockenholz

  2. Maximilian Abouleish-Boes sagt:

    Hallo Liebe „Celler“ Gemeinschaft!
    ich freue mich sehr, mitteilen zu koennen, dass wir die Crowdfunding Kampagne erfolgreich abgeschlossen haben! Wir haben 117% unseres Funding Ziels erreicht und werden damit sicherlich einen grossen Schritt in Richtung Transformation der Bildungslandschaft in Aegypten erreichen! Mehr dazu: https://igg.me/at/SESC-changemakers/x/15606861

    Wir haben auch einen Song gemacht als Tribut fuer alle Unterstuetzer! Hoert doch mal rein 🙂
    https://www.youtube.com/watch?v=CJqWI7J3zwo&feature=youtu.be

    Alles Liebe in die Heimat!

    Maximilian

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