"Regionale und innovative Lösungen greifen bei demografischem Wandel"

Wirtschaft Von Redaktion | am Mi., 17.08.2016 - 20:29

HANNOVER. "In vielen ländlichen Regionen Niedersachsens ist der demographische Wandel bereits deutlich spürbar. Auch die dort angesiedelten Unternehmen sind davon unmittelbar betroffen. Hier besteht absoluter Handlungsbedarf“, sagt Dr. Susanne Schmitt, Hauptgeschäftsführerin des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertags (NIHK). Ziel müsse es sein, die Wettbewerbsfähigkeit der dort ansässigen Betriebe auch künftig zu sichern. „Dafür gibt in ganz Niedersachsen nachahmenswerte Modelle und innovative Lösungswege, bei denen Politik und Wirtschaft mit privaten Akteuren Hand in Hand an einer Verbesserung der Situation arbeiten.“

Der aktuelle Fokus Niedersachsen des NIHK stellt die dringendsten Herausforderungen sowie best-practice-Beispiele aus ganz Niedersachsen vor. „Bei der Entwicklung und Umsetzung solcher Initiativen und Projekte bieten wir als IHKs den Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung gerne unsere Unterstützung an“, so Schmitt.Die größte Herausforderung für den ländlichen Raum bestehe im Erhalt der wirtschaftlichen Basis und damit der Vermeidung von Versorgungslücken. Dem begegne beispielsweise der Zukunftsfonds Ortsentwicklung 3.0 des Landkreises Osnabrück, der mit dem Förderschwerpunkt „Onlinehandel“ Akteure vor Ort dabei unterstützt, Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Mit einem anderen Programm zur Förderung von Einrichtungen der wohnortnahen Nahversorgung leiste der Landkreis Emsland einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Dörfer. Hier würden zum Beispiel Dorf- und Nachbarschaftsläden sowie kleine Dienstleistungs- und Grundversorgungszentren gefördert.

Großprojekte „auf der Grünen Wiese“ und der Onlinehandel machten den Innenstädten, Stadtteilzentren und Ortskernen in Niedersachsen große Konkurrenz. Starke Zentren mit Magnetbetrieben zu erhalten und zu stärken ist daher laut Schmitt eine wichtige Aufgabe. Dieser könne man beispielsweise durch Einzelhandelskonzepte sowie Stadt- und Citymanagement  begegnen. Am Beispiel des Regionalen Einzelhandelskonzepts des Landkreises Stade könne man nachvollziehen, wie eine solche Maßnahme gestaltet werden könne und welche positiven Effekte sich daraus ergäben.

Auch grenzübergreifende Initiativen hätten sich gebildet und bewährt. Ein Beispiel dafür sei das Regionale Zentren- und Einzelhandelskonzept Region Bremen e.V., ein Kommunalverbund von 28 Kommunen aus Niedersachsen und Bremen mit dem Ziel, die vorhandenen Entwicklungsspielräume für den Einzelhandel zur Stärkung der Zentren und Ortskerne zu nutzen.

Um der Abwanderung von expansionswilligen Unternehmen zu begegnen, könne man in vielen Regionen den Trend hin zu mehr kommunaler Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Gewerbeflächen beobachten. Ein Beispiel dafür sei  der Interkommunale Gewerbepark Waller See, bei dem die Stadt Braunschweig gemeinsam mit der Gemeinde Schwülper (Landkreis Gifhorn) ein mehr als 90 Hektar großes Gewebegebiet an der A2 entwickelt und vermarktet hat.

Die demografische Entwicklung werde darüber hinaus den Fachkräftemangel weiter verstärken. Das Standortmarketing werde in diesem Bereich eine immer wichtigere Rolle spielen. Auch hier habe es sich bewährt, dass Kommunen im Verbund gestärkt in den Wettbewerb um Fachkräfte und Unternehmen gehen. Zum Beispiel stünden bei der Fachkräfteinitiative der Ems Achse e.V.nicht nur die Fachkräfte, sondern auch Familien und – als Fachkräfte von morgen – Kinder, Jugendliche und Rückkehrer im Fokus.

Ein weiteres wichtiges Handlungsfeld sei der Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die Digitalisierung sämtlicher Lebens- und Wirtschaftsbereiche mache eine flächendeckende Breitbandversorgung unerlässlich. Um die Chancen der neuen Technologien umfassend zu nutzen, müssten rechtzeitig innovative und attraktive Anwendungen entwickelt werden. Gemeinsam mit dem Kaufmännischen Verein habe die Stadt Verden beispielsweise einen virtuellen Einkaufsführer erstellt, der anwenderfreundlich alle Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen der Verdener Innenstadt präsentiert.

„Es gibt in Niedersachsen eine ganze Fülle von richtungsweisenden Ansätzen um den Auswirkungen des demografischen Wandels entgegenzuwirken. Dabei müssen Politik und Verwaltung gemeinsam mit den Unternehmen an einem Strang ziehen – gerne zusammen mit den IHKs“, resümiert Eckhard Lammers, NIHK-Sprecher für Raumordnung und Regionalpolitik.