WATHLINGEN. „Nordkorea, regionaler Konflikt mit globaler Auswirkung“ – diesem schwierigen Thema hatte sich die  Reservistenkameradschaft (RK) Wathlingen bei ihrem Vortragsabend gestern Abend gestellt. Gemeinsam mit Heiko Wolff von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik freute sich Felix Schuermann, Kassenwart der RK Wathlingen und Organisator der Veranstaltung, mehr als 70 Teilnehmer – unter ihnen der Landtagsabgeordnete Jörn Schepelmann und Bürgermeister aus den Nachbargemeinden Nienhagen und Großmoor  – begrüßen zu können. Mit Prof. Dr. Michael Staack hatten die Veranstalter einen ausgesprochen kompetenten Referenten gewonnen. Staacks Forschungsschwerpunkte an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg liegen unter anderem auf der „theoriegeleiteten Analyse von kooperativer Sicherheit“, worin die Themenfelder friedensfördernde Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands, Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa unter Einbeziehung Russlands, Prozesse von Kooperation und Konflikt in Ostasien sowie Probleme der „Global Governance“  (Schutzverantwortung, Nukleare Ordnung, Rüstungskontrolle) einen breiten Raum einnehmen.

In seinem Vortrag skizzierte er, wie sich die Lage in Nord- und Südkorea aus verschieden Blickwinkeln in der derzeitig instabilen weltpolitischen Situation darstellt. Während es in der ähnlichen Situation zur Zeit des kalten Krieges zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik immer Kontakte untereinander gegeben habe, herrsche zwischen den Menschen in Nord- und Südkorea, abgesehen von staatlich organisierten Begegnungen, „absolute Funkstille“. Hinzu komme die sehr unterschiedliche Entwicklung der Bevölkerungen. Während im Norden die Menschen in 37 Schichten aufgeteilt seien, von denen lediglich sieben in der Hauptstadt Pjöngjang lebten, in der ein gewisser Wohlstand zu verzeichnen sei, lebe der überwiegende Teil in den ländlichen Regionen in großer Armut. Die Entwicklung in beiden Teilen sei vollkommen unterschiedlich verlaufen und sogar die Sprache habe sich unterschiedlich entwickelt.

Besonders kompliziert sei die Situation dort aufgrund der sehr konträren Interessen der Nachbarländer China, Russland, Japan sowie der USA. Verhandlungen miteinander sind aus Staacks Sicht unverzichtbar. Nordkorea habe mit Kim Jong-un sein Ziel erreicht und verfüge als Nuklearmacht über Langstreckenraketen. Südkoreas Präsident Moon Jae-in hingegen sei bestrebt, die Verständigung  mit dem Norden voranzutreiben.

Viele weitere Faktoren spielen aus Sicht von Prof. Dr. Staack im weltweiten Kontext bei einem Zusammenwachsen des geteilten Landes eine große, zum Teil hinderliche, Rolle: Ob es der Handelskonflikt zwischen China und den USA sei, das Fehlen einer gemeinsamen Strategie zwischen Japan und den USA oder dass nach dem geschlossenen Waffenstillstand nach dem Korea-Krieg (1950 -53) bis heute keine Friedensregelung getroffen werden konnte und vieles andere mehr.

Eine kriegerische Auseinandersetzung würde weltweit fatale Folgen mit unzähligen Toten nach sich ziehen. Es sei davon auszugehen, dass Nordkorea – für den Fall, dass es angegriffen werde – nicht zögern würde, seine Nuklearwaffen einzusetzen. Die Auswirkungen könnten nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen neben unzähligen Toten zu einer weltweiten Hungersnot führen.

Eine Fülle von Informationen, die Prof. Dr. Staack in seinem Vortrag vermittelte. Viele der Zuhörer suchten im Anschluss noch das persönliche Gespräch, um tiefer gehende Fragestellungen zu erörtern. Da der Eintritt für diesen Vortrag frei war, ließ der Vorsitzende der Reservistenkameradschaft Wathlingen einen Bierkrug mit der Bitte um Spenden für das Frauenhaus Celle kreisen. Schuermann freute sich sehr, am Ende der Veranstaltung Annette von Pogrell als Vertreterin des Frauenhauses einen ansehnlichen Betrag überreichen zu können.

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