Rekordbeteiligung bei der Stunde der Gartenvögel - Weniger Blaumeisen gemeldet

Umwelt Von Extern | am Di., 12.05.2020 - 15:00

CELLE. Mindestens 1.300 Menschen aus Heide und Wendland haben das Muttertagswochende genutzt, um Vögel in Garten, Park oder auf dem Balkon zu zählen. „Die Beteiligung übertrifft alle Erwartungen und die letztjährige Rekordteilnahme bereits jetzt um 400 mehr Menschen“, freut sich Andrea Pohlen vom der NABU-Regionalgeschäftsstelle Heide-Wendland. „Das verstärkte Interesse an der heimischen Natur durch die Corona-Krise und das beunruhigende Blaumeisensterben haben besonders viele Menschen bewegt, bei unserer Vogelzählung mitzumachen“, vermutet Pohlen. Bundesweit haben laut NABU erstmals über 120.000 Vogelfreundinnen und -freunde teilgenommen, in ganz Niedersachsen waren es über 14.100. Damit haben sich so viele wie noch nie zuvor an der 16. „Stunde der Gartenvögel“ vom NABU und seinem Bayerischen Partner, dem LBV, beteiligt.

Im Mittelpunkt des Interesses der diesjährigen Zählung stand die Blaumeise. Seit Anfang März waren beim NABU vermehrt Berichte über kranke und verstorbene Blaumeisen eingegangen. Bis heute registrierte der NABU 19.000 solcher Meldungen, die 35.000 verstorbene Vögel betreffen. Niedersachsenweit seien bisher über 2.700 Meldungen mit insgesamt über 5.200 betroffenen Tieren eingegangen. Als Ursache wurde inzwischen das Bakterium Suttonella ornithocola identifiziert, das offensichtlich ausschließlich bei Meisenarten im Frühjahr Lungenentzündungen verursacht. Die in Deutschland bisher einmalige Vogel-Epidemie flaue seit Ende April deutlich ab. „Bundesweit betrachtet sind 22 Prozent weniger Blaumeisen pro Garten gemeldet worden“, berichtet Andrea Pohlen. „In der Region Heide-Wendland ist ein Rückgang von 20 Prozent zu verzeichnen, das ist etwas mehr als im restlichen Niedersachsen. Hier liegt der Rückgang bei minus 14 Prozent. dennoch sind auch hier noch nie so wenige Meldungen pro Garten eingegangen wie in diesem Jahr.“

Um herauszufinden, ob der Rückgang wirklich auf das Konto der Epidemie geht, haben die Naturschutzorganisationen für jeden Landkreis die Veränderungen der Blaumeisenzahlen mit der Anzahl der Meldungen kranker Meisen korreliert. Es ergab sich ein eindeutiger Zusammenhang: „Je mehr Berichte toter Meisen aus einem Landkreis bei uns ankamen, desto größer waren dort auch die Bestandsrückgänge“, so Rüdiger Wohlers vom NABU Niedersachsen. „Wir können davon ausgehen, dass ein Rückgang von mindestens etwa vier Prozent gegenüber dem Vorjahr direkt auf das diesjährige Blaumeisensterben zurückzuführen ist.“ Bei einem Gesamtbestand von etwa 7,9 Millionen erwachsenen Blaumeisen, den der jüngste offizielle Bericht zur Lage der Vogelwelt ausweist, wäre das eine Größenordnung von ungefähr 300.000 an der Krankheit verstorbenen Blaumeisen.

Im Durchschnitt wurden im NABU-Bezirk Heide-Wendland in diesem Jahr innerhalb einer Stunde knapp 33 Vogelindividuen beobachtet. Die beiden häufigsten Vögel im Garten blieben unverändert: Auf Platz eins liegt der Haussperling, gefolgt von der Amsel. Den dritten Platz belegt derzeit erstmals die Kohlmeise, wobei der Vorsprung zum Feldsperling auf Platz vier nur wenige Individuen ist. Entsprechend beleibt es bis zum offiziellen Endergebnis noch spannend. Platz fünf belegt der Star. Für alle Arten ist dennoch ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen.

"Große Verlierer dieses Jahres sind – sowohl bundes- als auch landesweit – neben der Blaumeise auch der Star und, wie schon in den Vorjahren, der Grünfink. Bei den größten Sorgenkindern unter den Siedlungsvögeln, Mehlschwalbe und Mauersegler wiederholten sich die katastrophalen Ergebnisse des Vorjahres zum Glück nicht, aber sie sind weiter weit entfernt von früheren Bestandszahlen. Zu den Gewinnern zählt vor allem die Ringeltaube. Auch beim Eichelhäher ist kein Ende des zunehmenden Trends in Sicht", teilt der NABU mit.

Beobachtungen können nach bis zum 18. Mai am besten online unter www.stundedergartenvoegel.de gemeldet werden. Das funktioniert auch mit der kostenlosen NABU-App Vogelwelt, erhältlich unter www.NABU.de/vogelwelt.