WOLFENBÜTTEL/CELLE. In Anwesenheit zahlreicher Gäste aus dem In- und Ausland, darunter Landtagsvizepräsident Bernd Busemann und Angehörige von im Nationalsozialismus Hingerichteten und Inhaftierten, wurde in Wolfenbüttel gestern das Richtfest für das neue Dokumentationszentrum der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel gefeiert. Kultusminister Grant Hendrik Tonne sowie Finanzminister Reinhold Hilbers hoben die internationale Bedeutung des Gedenkstätte hervor und dankten den Planern sowie Bauleuten für ihr Engagement bei der Errichtung des Dokumentationszentrums, das seinen Besuchern die Möglichkeit geben soll, sich intensiv mit der Geschichte der Justiz und des Strafvollzugs im Nationalsozialismus auseinanderzusetzen – samt den Brüchen und Kontinuitäten nach 1945.

Gedenkstättenleiterin Martina Staats verwies auf die Folgen, die die Verbrechen an den Gefangenen auf deren Angehörige hatten. Im Unterschied zu ehemaligen KZ-Häftlingen waren die NS-Justizgefangenen auch nach 1945 noch lange mit dem Stigma des „Kriminellen“ behaftet, auch wenn es sich um Widerstandskämpfer handelte. Frau Staats dankte zudem der JVA und ihrem Leiter Dieter Münzebrock, dass der Gedenkstättenneubau auf dem JVA-Gelände errichtet werden kann.

Die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel wird von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten getragen. Deren Geschäftsführer Dr. Jens-Christian Wagner hob mit Verweis auf die Erfolge rechtsnationaler Parteien aktuelle Bezüge beim Blick auf die NS-Justiz hervor: „Die Nazis vertraten die Ideologie einer homogenen Gesellschaft, eine Ideologie, die als ‚gefährlich‘ bezeichnet, wer anders ist, und die fordert, diese Menschen wegzuschließen oder auszuweisen. Diese Ideologie gewinnt derzeit immer mehr Anhänger – und das nicht nur in Chemnitz, sondern überall in Deutschland und darüber hinaus.“ In Wolfenbüttel könne man lernen, welche Folgen eine solche Ideologie habe.

Die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel besteht seit 1990 und wird in Trägerschaft der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten betrieben. Sie erinnert an über 500 Menschen, die hier zwischen 1937 und 1945 hingerichtet wurden. Zudem setzt sie sich kritisch mit der Geschichte und den Folgen der Justizverbrechen und des Strafvollzugs im Nationalsozialismus auseinander. Seit dem Abschluss eines ersten Neugestaltungsabschnittes im Sommer 2016 stehen insbesondere für junge Menschen im Rahmen von Gruppenbesuchen multimediale Möglichkeiten zur Vertiefung mit dem Thema zur Verfügung. Die ehemalige Hinrichtungsstätte wurde als Großexponat konserviert und gekennzeichnet. Das neue Dokumentationszentrum soll im Sommer 2019 samt einer umfassende Dauerausstellung zur Geschichte des Strafvollzugs und der Justiz im Nationalsozialismus eröffnet werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 5,2 Mio. Euro und werden hälftig vom Bund und vom Land Niedersachsen getragen.

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