Adel, Afrika und Anekdoten – Rolf Seelmann-Eggebert im Rittersaal

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am So., 16.02.2020 - 20:05

CELLE. Große Sachkenntnis und Einfühlungsvermögen für Gesellschaftsportraits bescheinigte die Leiterin des Residenzmuseums, Juliane Schmieglitz-Otten, ihrem Gast Rolf Seelmann-Eggebert am Freitagabend im Rittersaal. Sein Image als Adelsexperte überstrahlt seine übrigen Lebensstationen bei weitem. Die royale Pracht europäischer Adelshäuser zieht in ihren Bann. Keine Hochzeit in Schweden, Monaco, den Niederlanden und natürlich Großbritannien ohne die angenehm zurückhaltende Kommentierung eines Kenners blaublütiger Kreise aus dem Off. Seit 1978 hat er diese Funktion inne. Im Rahmen seiner Korrespondententätigkeit für die ARD in London berichtet er über den Geburtstag von Prince Charles, die Basis für seine Tätigkeit als „Königsfritze“, wie er sie selbst nennt, war gelegt.
 
Kein Rahmen schien passender für den Besuch eines solchen Mannes in der Residenzstadt als das Celler Schloss. Üblicherweise hätte er in der städtischen Buchhandlung stattgefunden, denn gekommen ist der Journalist gemeinsam mit seiner Tochter Adele, um ein Buch vorzustellen. Doch die Anzahl an Gästen im Rittersaal hätte den Rahmen der Buchhandlung gesprengt. Im Handumdrehen waren die Karten verkauft.

Besonders für etwas ältere Menschen ist Seelmann-Eggebert eine feste Größe. Oft kam er via Bildschirm in die heimischen vier Wände, berichtete für die ARD aus Großbritannien und zuvor aus Afrika. Die Familie begleitete ihn und machte ihre eigenen Erfahrungen. „Was habe ich eigentlich sein Reporterleben über gemacht“, erläuterte Adele Seelmann-Eggebert den Ansatz des Buches. Zwölf Stunden Interview hat sie mit ihm geführt. „Ich durfte alles fragen“, und anschließend drei Jahre an der Aufbereitung gearbeitet. „Haben Sie Ihren Vater neu kennengelernt?“, wollte Juliane Schmieglitz-Otten wissen. So ganz verneinen konnte Adele dieses nicht: „Mein Vater hat sich früher gerne hinter der Zeitung verborgen.“

Seelmann-Eggebert hatte zwar ursprünglich wenig Interesse an höfischen Kreisen, aber ein wenig ist ihm das Blaublütige doch in die Wiege gelegt worden. Der 1937 in Berlin Geborene wuchs in großbürgerlichen Verhältnissen auf. Eine Villa in Dahlem war sein Zuhause. „Mein Vater war Notar, die Angelegenheiten der Hohenzollern gehörten zu seinen Aufgaben“, erzählte er über seinen Vater, den er als begeisterten Juristen beschrieb, für den das Ende des Kaiserreiches einen herben Einschnitt bedeutet hatte. Ein Mandant seines Vaters, der Erbprinz des Hauses Sachsen Altenburg, wurde denn auch zum Paten des Sohnes Rolf ernannt.

Sein Abitur legte dieser in Hannover ab und von hier aus reiste er erstmals dorthin, wo er viele Jahre seines Lebens verbringen sollte. Im Jahr 1960 wurden zahlreiche afrikanische Länder unabhängig. Seelmann-Eggebert besuchte Nigeria und war fasziniert. Fortan entwickelte sich eine Leidenschaft für den gesamten Kontinent, die er ab 1968 beruflich umsetzen kann. Er wird ARD-Korrespondent für Westafrika. Der Titel seines Buches greift seine Jahre und sein großes Interesse für diesen Teil der Welt auf: „In Hütten und Palästen. Ein Reporterleben“, Kösel-Verlag, München 2019.