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Ruderer taufen selbstgebaute Barke: „Wunderbares Projekt mit wunderbarem Ergebnis“

30.04.2018 - 19:42 Uhr     CELLEHEUTE    0
Fotos: Angela Siems

CELLE. 1350 Arbeitsstunden und rund 15.000 Euro haben sie investiert, um sich den Wunsch von einer eigenen Barke zu erfüllen: Sieben Ruderer des Ruderclubs Ernestinum-Hölty e. V. (RCEH) haben in den vergangenen zwei Jahren einen großen Teil ihrer Freizeit damit zugebracht, eine Ruderbarke mit Platz für zehn Personen zu bauen. Heute wurde sie von dem siebenjährigen Jona mit den Worten „Ich wünsche dem Boot allzeit eine gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“, im Beisein rund 60 geladener Gäste in Altencelle auf den Namen „Scheunenwunder“ getauft.



Morgen, beim traditionellen Anrudern der Celler Rudervereine auf der Aller, wird das Erbauer-Team gegen 11 Uhr mit der Barke zur offiziellen Jungfernfahrt starten. „Im Grunde genommen begann es wie in einem Märchen: Es war einmal ein gebrochenes Steuer an einer geliehenen Barke mit dem Namen ‚Nordlicht‘. Da wir die Barke so nicht zurückgeben konnten, mussten wir kurzerhand ein neues Steuer bauen“, erzählte Dr. Reinhard Wieters den Gästen im Namen der „Altenceller Barkengemeinschaft“. Die Barke, die sich die sieben Ruderer vor einigen Jahren häufiger für Ruderwanderfahrten ausgeliehen hatten, war in schlechtem Zustand (eine Pumpe wurde mit ausgeliehen, ansonsten hätte man nasse Füße bekommen). „Wir dachten, es könnte Spaß machen, die aufzuarbeiten – leider wollte der Eigentümer sie nicht verkaufen“, berichtete Wieters weiter, wie bei ihm und seinen sechs Mitstreitern zunächst die Idee entstanden sei, eine ältere Barke zu restaurieren.

Als ihm, seiner Ehefrau Frauke, Hiltrud und Günter Wenzel, Andrea Böker, Martin Blasczyk und Hartmut Hoffmann im August 2015 eine ähnliche, rund 50 Jahre alte Barke inklusive Trailer (für den Transport) angeboten wurde, entschlossen sich die sieben Celler nach einer Besichtigung dazu, einen Versuch zu wagen. Platz für die Arbeiten an dem Boot fand sich in einer Scheune in Altencelle. Als Ende Oktober 2015 damit begonnen wurde, Farbreste und jede Menge Reparaturmaterialien an dem Boot zu entfernen, trat schnell Ernüchterung ein: Riesige Löcher und viel morsches Holz kamen zum Vorschein. Kurzerhand wurde Bootsbauer Olaf Wildeboer aus Hannover um Rat gefragt. Sein Urteil: „Mit diesem Boot macht ihr euch unglücklich. Baut doch lieber eine neue Barke!“

Wildeboer bot an, den sieben passionierten Ruderern, die zunächst sehr skeptisch waren, ob sie es hinbekommen könnten, selbst ein solches Boot zu bauen, Starthilfe mit einem kleinen Kurs im Bootsbauen zu geben und auch eine Konstruktionszeichnung zu fertigen. Anfang 2016 entschlossen sich die sieben zwischen 53 und 69 Jahre alten Cellerinnen und Celler, das Angebot anzunehmen und eine elf Meter lange Barke für acht Ruderer (in vier Reihen rudern jeweils zwei Personen nebeneinander), einen Steuermann und eine weitere Person (beide finden nebeneinander Platz im Heck des Bootes) zu bauen.

Bootsbauer Wildboer erstellte die Zeichnung, berechnete und bestellte das Material, gab den Schnell-Kurs im Bootsbauen und stand während der Bauzeit immer mal wieder beratend zur Seite. Zusammengerechnet 1350 Stunden arbeiteten die sieben Mitglieder der Barken-Initiative (fünf von ihnen sind bereits im Ruhestand) mit viel Liebe und Leidenschaft an ihrem Boot. Ihr Qualitätsanspruch war hoch. Beispielsweise wurde anstelle von Kiefernholz für den Innenausbau ausschließlich Eschenholz verwendet, da dies deutlich robuster und härter ist. Das Wissen um das, was bei einem Ruderboot besonders wichtig ist und welche Schwachpunkte es geben kann, kam den langjährigen Rudersportlern bei ihren Arbeiten immer wieder zugute.

„Unser Ehrgeiz war, dass wir weitestgehend auf Verschraubungen verzichten und so viel wie möglich kleben wollten, damit das Holz später nicht so schnell fault. Das haben wir mit hohem technischen Aufwand realisieren können“, so Wieters stolz. Dankbar seien die sieben Bootsbauer insbesondere auch Nachbarn und Bekannten aus Altencelle, die mehrmals bereitgestanden hätten, das 350 kg schwere Boot zu wenden – allein wäre das nicht zu bewerkstelligen gewesen. „Natürlich haben wir witterungsbedingt auch mal nicht weiterarbeiten können, so dass die Fertigstellung etwas länger gedauert hat, als ursprünglich geplant“, berichtet Frauke Wieters. Das Kleben z. B. sei nur bei Temperaturen zwischen 12 und 30 Grad Celsius möglich gewesen.

Im Herbst 2017 war die Barke bereit für eine erste Probefahrt – die Spannung war groß: Ob sie wohl schwimmt? Wie sie sich wohl rudert? Am 21. Oktober wurde das Boot auf dem Trailer zur Slipanlage nach Oldau transportiert und zu Wasser gelassen. „Als wir die ersten Schläge gemacht haben, war das ein Gefühl wie Weihnachten“, erinnert sich Wieters an die Freude, die er und seine Mitruderer empfunden haben, als sie feststellen konnten, wie hervorragend die Barke durch das Wasser gleitet. Die Mitglieder der Barken-Gemeinschaft freuen sich auf die nun beginnende Saison auf dem Wasser und die für dieses Jahr geplanten Wanderfahrten auf Aller, Havel, Saar und Mosel mit ihrem neuen Schmuckstück. „Barken rudern ist etwas sehr Geselliges. Man kann gut kommunizieren und hat richtig viel Spaß dabei. Für uns ist es ein wunderbares Projekt mit einem wunderbaren Ergebnis gewesen“, sind sich alle sieben einig, dass es Zeit und Mühe
wert war, ein eigenes Boot zu bauen.

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