CELLE. Zuerst sind nur Gewehrschüsse zu hören, dann nach wenigen Sekunden kommen Bilder hinzu und eine Stimme erzählt aus dem Tagebuch des Gefangenen Angelo Rognoni. „Ich gehöre jener Generation an, die der Krieg erbarmungslos zerstört hat“, schreibt Rognoni in sein Tagebuch. Gestern präsentierte Manfred Bannenberg seinen Dokumentarfilm „Rückkehr – Ritorno“ im Kinoraum des Bomann-Museums. Diesen drehte der Hamburger während der Vorbereitungen zur Ausstellung „Hinter Stacheldraht. Die Kriegsgefangenenlager in Celle 1914–1918“ des Bomann-Museums.

„Rückkehr – Ritorno“ – 100 Jahre Celle-Lager – „Der Film zeigt die Wiederentdeckung eines vergessen Kriegsgefangenen-Lagers im ersten Weltkrieg. 100 Jahre nach den Ereignissen werden Erinnerungen wieder lebendig. Geschichten von Hunger und Not, aber auch Überlebensentwürfe: Texte, Zeichnungen, Kompositionen. Italienische Angehörige erzählen die Geschichten ihrer Großväter“, heißt es auf dem Einschlag des Films. Der Film solle das Erleben und die menschlichen Erinnerungen der Gefangenen in Fokus rücken.

Während die Bilder des heutigen Scheuens gepaart mit Dokumentationen der Vorbereitung auf die Ausstellung des Bomann-Museums gezeigt werden, werden im Hintergrund 100 Jahre alte Erinnerungen der italienischen Gefangenen aus dem Celle-Lager vorgelesen. Von den Gräbern und Baracken in Scheuen sind heute nur eine Gedenktafel auf der Kriegsgräber-Stätte Scheuen und Wiesen geblieben. Fotografien aus den Stadtarchiven Celles, Zeichnungen und Musik italienischer Gefangener portraitieren das einstmalige Lager. So wird beispielsweise die Musik von Guiseppe Denti im Film benutzt, welcher diese im Celle-Lager 1918 komponierte. Zudem erfrischen Animationen von Gregor Steinmetz aus den Karikaturen des Gefangenen Francesco Nonni. „Die Geschehnisse des großen historischen Kontexts haben erst über die Kunst der Gefangenen eine weitere, viel größere Bedeutung bekommen“, findet Margot Michaelis, die Lebensgefährtin Bannenbergs.

„Die größte Herausforderung war es, eine 100 Jahre alte Geschichte in Bildern umzusetzen“, sagt Bannenberg. Auf die Idee, die Geschichte des Celle-Lagers aufzubereiten, sei Oskar Ansull gekommen, der als Hintergrundstimme im Film auftaucht. Ansull habe auch die ersten Übersetzungen der italienischen Tagebücher geschickt. Bannenberg sei daraufhin die Filmidee gekommen. Die Möller-Stiftung, Hauptsponsor des Films, ermöglichte Bannenberg zusammen mit Hilke Langhammer, Kuratorin der Ausstellung, die Fahrt nach Italien, um dort weitere Nachforschungen zu betreiben. Auch der Geschichtsleistungskurs des Immanuel Kant Gymnasiums Lachendorf beteiligte sich am Projekt. Im Unterricht erstellte der Kurs eine Infotafel, die am 08. November in Scheuen aufgestellt werden soll. „Die junge Generation hat dem Thema einen neuen Blickwinkel gegeben. In meinen Augen hat ihre Mitarbeit die Brücke zur Gegenwart geschlagen“, so Bannenberg. Insgesamt habe der Hamburger vier Jahre zum Drehen und der Bearbeitung seines Ein-Stunden-Films gebraucht.

Michaelis beschreibt das Projekt als eine europäische Leistung: „Ein deutscher Filmemacher zeigt die italienische Perspektive auf und wird dabei von den Enkeln der Gefangenen unterstützt“.



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