CELLE. Langweilig? „Nein“, sagt Ingrid Möller und schüttelt mit einem kleinen Schmunzeln den Kopf, „langweilig war mir hier nie – im Gegenteil, wir haben mit den Kindern immer was Tolles gemacht.“ Nach 46 Jahren im Celler DRK-Kindergarten „Regenbogenland“ geht die gelernte Kinderpflegerin jetzt in den Ruhestand. „Ein komisches Gefühl“, findet sie. „Einerseits bin ich in meinem privaten Umfeld gerade ziemlich eingespannt, da bin ich froh über die freie Zeit. Auf der anderen Seite geben einem die Kinder so viel zurück – das wird mir fehlen.“

Fast ein halbes Jahrhundert beim selben Arbeitgeber – das muss man heutzutage erst einmal nachmachen. Sie habe 1972 ihr Anerkennungsjahr als Kinderpflegerin in der DRK-Kita im Celler Eilensteg absolviert, erzählt Möller. „Und dann bin ich hier hängengeblieben“, sagt die 63-Jährige und lacht. „Weil es mir gefallen hat – mit allen Höhen und Tiefen.“

Das Basteln und die Laternenumzüge hätten ihr immer besonders viel Spaß gemacht, verrät Möller. Überhaupt sei es schön, sich mit den Kleinen zu beschäftigen, mit ihnen zu lachen und ihnen zuzuhören. „Ich wollte schon immer mit Kindern arbeiten“, sagt sie. Unzählige Familien hat Möller im „Regenbogenland“ schon kommen und gehen sehen. „Inzwischen bringen die Ehemaligen sogar schon ihre eigenen Kinder hier in die Kita.“

93 Kinder im Alter zwischen eins und sechs Jahren werden derzeit im „Regenbogenland“ betreut. Im Gegensatz zu Möllers Anfangszeiten gibt es mittlerweile fünf Gruppen in der DRK-Kita – angefangen bei der Krippe über die Inklusionsgruppe bis hin zur Halb- und Ganztagsbetreuung. „Die Erwartungshaltung ist schon größer geworden“, findet Möller.

„Viele Eltern haben heute die Tendenz, die Verantwortung in Sachen Erziehung einfach an Kindergarten oder Schule abzugeben“, beobachtet auch Günter Schäfer, Leiter des DRK-Kindergartens im Eilensteg, der Möllers Pensionierung sehr bedauert. „Sie hinterlässt eine große Lücke“, sagt er, „eine gute Einrichtung steht und fällt eben mit den Leuten. Und qualifizierte Mitarbeiter zu finden, ist schwer.“

Möller selbst geht mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Ich werde mich jetzt erstmal Haus und Garten widmen“, sagt sie. „Ich könnte mir aber auch vorstellen, ehrenamtlich einen Tag pro Woche im ‚Regenbogenland‘ zu arbeiten. Dann ist der Schnitt nicht ganz so hart.“

Text/Foto: Christina Matthies



Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.