Run auf Immen, Hummeln und Co. – Mehrere Tausend Besucher im Celler Bieneninstitut

Wissenschaft Von Redaktion | am So., 01.09.2019 - 20:10

CELLE. Zum Mekka aller Naturinteressierten wurde die Residenzstadt am heutigen Sonntag. „Wir gehen davon aus, dass wir auch in diesem Jahr wieder weit über 3000 Besucher begrüßen können“, hatte der Leiter des Celler Institutes für Bienenkunde, Prof. Dr. Werner von der Ohe, im Vorfeld gemutmaßt. Ein Rundgang am Sonntagmittag über das Gelände, den weitläufigen Institutsgarten mit unterschiedlichen Stationen sowie die Labore, Säle und das Heidebienenmuseum im historischen Speicher bestätigen von der Ohes Annahme. Imkern liegt weiterhin im Trend, Trauben von Menschen bevölkerten die am Französischen Garten gelegene Einrichtung.
„Sogar in diese Nebenräume kommt ein steter Fluss“, sagt Paula Markwitz, die ihre Ausbildung zur Imkerin im Institut gerade abgeschlossen hat. Nun beantwortet sie neben unterschiedlichen Arten von Waben wie Brut- oder Honigwaben und Wachsproben stehend Fragen der Besucher, während ihr Kollege Tamiro Kristel, der gerade eine Lehre zum Imker begonnen hat, demonstriert, wie man Mittelwände aus Wachs gießt. „Hier ist alles praxisnah“, erläutert Paula Markwitz, „wir lernen voneinander, jeder Imker entwickelt sein eigenes System für die Abläufe, sie berichten uns hier von ihren Erfahrungen. Das ist eine Bereicherung“. Auch die zwischen den verschiedenen Arbeits- und Anschauungsbereichen zu hörenden Fachsimpeleien verraten, dass sich unter den Gästen zahlreiche Hobbyfachleute befinden.

Werner von der Ohe weiß aus Erfahrung, dass interessierte Laien, aber auch Wissenschaftler, die Bandbreite der Besucher ergänzen. Kai Schippers aus Hameln hatte bis vor Kurzem von der Existenz der Einrichtung noch nie etwas gehört. Er ist einer der interessierten Laien: „Überhaupt einmal zu sehen, was hier so erforscht und gearbeitet wird, ist schon die Reise wert“, lautet sein Resumée nach dem ersten Rundgang. Die Fülle des Angebotes beeindruckt ihn ebenso wie Linda Salameh, die Hobbyimkerin werden möchte. „Es ist fast schon Mode geworden, total in im Moment“, sagt die junge Frau. Aber das sei es nicht, was den Reiz ausmache: „Ich wollte das immer schon machen, der Gedanke, etwas für die Natur zu tun“ treibt sie an. „Hier bekommt man einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten der Bienenhaltung, jeder hat ja seine eigene Betriebsweise“, zeigt auch sie sich mit dem Tag der offenen Tür sehr zufrieden. Tochter Ida ergänzt: „Ich fand am besten, wo man die Königin sehen konnte.“ Lehrreiches und Unterhaltsames für Kinder gibt es überall verteilt über das Gelände. Stetig umlagert ist die Figurenbeute „Herzogin Eleonore“, die zunächst wie eine Skulptur aussieht, wären da nicht die kleinen nützlichen Immen, die die Brosche der adligen Dame als Einflugschneise zu ihrer Behausung nutzen. Rückseitig ist diese hinter Glas samt Königin zu betrachten.

Einige Meter weiter wird Wulf-Ingo Lau umlagert von wissbegierigen Besuchern. „Wie wird man der Varroa-Milbe Herr?“, lautet eine Frage an den Experten. „Durch Handarbeit, nicht mit Chemie“, antwortet Lau. Die Bekämpfung dieses großen Problems sei allein in die Hände der Imker gelegt worden.

Auch der Institutsleiter ist an diesem Nachmittag ein durchgehend gefragter Gesprächspartner, stetig ist er umgeben von Interessierten. Sie nutzen die Zeit, bis er einen der zahlreichen Vorträge hält. „Das Bienenvolk – eine gut funktionierende patchwork family“, lautet der Titel, während sich Dr. Otto Böcking dem Thema „Konkurrenz Honig- vs. Wildbienen“ widmet. Abzulesen an dem jeweils bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal, stoßen die Referate auf so großes Interesse wie die Veranstaltung insgesamt. Hobbyimker Uwe Gehring ist ebenfalls aus Hameln angereist. Sein Fazit des Tages der offenen Tür lautet: „Was das Land Niedersachsen hier geschaffen hat ist ganz hervorragend!“.