CELLE. Ein engagiertes Statement für die Pflege der deutsch-russischen Beziehungen auf menschlicher und wirtschaftlicher Ebene waren die gestrigen Samowar-Gespräche im Celler Schloss, zu der die Deutsch-Russische Gesellschaft Celle und die Deutsche Management Akademie Niedersachsen eingeladen hatten. „Vor dem Hintergrund der Ereignisse des heutigen Tages müssen wir dafür sorgen, dass die Partnerschaft auf zivilgesellschaftlicher Ebene nicht abreißt“, betonte Doris Schröder-Köpf, die als Gastrednerin eingeladen war, mit Blick auf die aktuelle russisch-ukrainische Konfrontation im Schwarzen Meer.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Politik stand nach ihrem Vortrag über die Integration russischer Spätaussiedler in Niedersachsen – laut Schröder-Köpf eine „Erfolgsgeschichte und ein wichtiger Beitrag zu wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen des Landes“ – das Gespräch zu den gegenwärtigen deutsch-russischen Beziehungen in Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt.

Er vermisse die „Brückenbauer“ auf hoher politischer Ebene, monierte einer der rund 70 Teilnehmer. Jeder, der sich Russland annähere, werde verunglimpft und gemaßregelt. Es sei wohl der größte Fehler der Kanzlerin, die sie in vieler Hinsicht dennoch schätze, dass sie das von Helmut Kohl und Gerhard Schröder gepflegte Verhältnis zu Russland habe abkühlen lassen, bestätigte Doris Schröder-Köpf diese Einschätzung. Allerdings reise Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil in der kommenden Woche nach Russland. Dass „Brückenbaupolitik“ derzeit für Bundesländer und Regionen deutlich stärker im Fokus steht als für die Nationen, sieht auch der Generalkonsul der Russischen Föderation in Hamburg, Andrei Sharashkin, der ebenfalls am Gespräch teilnahm.

Den Vorschlag eines Gastes, bürokratische Hürden bei der Visavergabe abzubauen, nahm der Generalkonsul zum Anlass, die russische Sichtweise in einem ausführlichen Plädoyer darzulegen. „Wir sind für visafreies Reisen mit allen Ländern. Aber das ist keine Einbahnstraße. Leider sind einige Partner dazu nicht bereit“, so Andrei Sharashkin. Er beklagte zudem „antirussische Propaganda“. Immer sei Moskau schuld, ohne dass es Belege gebe. Mit der EU führe man Gespräche über die die Themen, die für die EU interessant seien. Russlands Interessen spielten demgegenüber kaum eine Rolle obwohl die militärische Infrastruktur des Westens dem Land näher gerückt sei.

Eine gegenwärtig „aggressive Politik Russlands“, die ein Gesprächsteilnehmer vorbrachte, will auch Doris Schröder-Köpf nicht abstreiten. Dennoch verweist sie auf die Vergangenheit. „Die ausgestreckte Hand Russlands wurde nicht ergriffen. Russland hat nicht verstanden, warum seine ureigensten Interessen nicht berücksichtigt werden, obwohl es Deutschland die Wiedervereinigung ermöglicht hat.“ Verkürzt brachte ein Redner es so auf den Punkt: „Die NATO-Erweiterung war der Ausgangspunkt. Baltikum, Polen, das hat die Spannungen erhöht – bei der Ukraine war dann Schluss.“

Eine gute Möglichkeit, Beziehungen zu Russland zu pflegen, sahen viele Anwesenden gestern in Schüleraustauschprogrammen. „Diese Schüler wird man nicht mehr zur Feinschaft verführen können“, gab sich Doris Schröder-Köpf überzeugt. Falls es Probleme bei der Finanzierung gebe, solle man „ihr Bescheid sagen. Dann gucken wir, was wir machen können“, so die SPD-Landtagsabgeordnete, die auch Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe ist. Auch Andrei Sharashkin erklärte, von Seiten Russlands gebe es Möglichkeiten der Finanzierung, wenn Partnerschaftsverträge vorlägen. Er schloss seinen Redebeitrag mit dem Appell, der Deutsch-Russischen Gesellschaft beizutreten – „Die Stabilität Europas ist auf gute deutsch-russische Beziehungen angewiesen“.

Andrei Sharashkin, Generalkonsul der Russischen Föderation in Hamburg.

von links: Frank Neumann von der Deutschen Management Akademie Niedersachsen, Evgenia Panteleeva-Stammen, Vorsitzende der Deutsch-Russischen Gesellschaft Celle und Doris Schröder-Köpf.





Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.