Samtgemeinde Wathlingen erhält kulturelles Gedächtnis

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Mi., 09.12.2020 - 17:42

WATHLINGEN. „Geschichte hat mit Geschichten zu tun“, sagt Samtgemeindebürgermeister, Wolfgang Grube. Und diese spiegeln sich oft wider in Fotos, Briefen, Tagebüchern, aber auch Akten, Zeitungsausschnitten, offiziellen behördlichen Dokumenten und vielem mehr. Wer sie sammelt, trägt bei zu einem kollektiven kulturellen Gedächtnis einer Ortschaft oder einer Region.

Bisher verfügt die Samtgemeinde Wathlingen über kein Archiv, doch die 1000-Jahr-Feier in 2022 wirft ihre Schatten voraus. Sie ist zwar nicht der alleinige Anlass für den Startschuss, der heute für den Aufbau eines Archives für die Mitgliedsgemeinden Wathlingen, Nienhagen und Adelheidsdorf fiel, spielt jedoch eine gewichtige Rolle. „Ja, natürlich entstand die Idee im Zusammenhang mit dem Jubiläum“, berichtet der Initiator, Ratsherr und gelernter Historiker Martin Thunich. Im Oktober 2018 fanden erste Treffen mit den Ortsbürgermeistern statt, Zusammenkünfte mit Fachleuten des Niedersächsischen Heimatbundes e.V. schlossen sich an. Die Finanzierung musste geklärt werden. „Ohne die Ritterschaft und die VGH-Stiftung wäre das Projekt gar nicht möglich“, betont der Samtgemeindebürgermeister.

Ein kulturelles Gedächtnis aufzubauen geht jedoch über das bloße Sammeln von Dokumenten unterschiedlichster Art weit hinaus. Was ist aufhebenswert, was wird bereits an anderen Stellen archiviert, wie sind Hinterlassenschaften zu bewerten, welche Struktur verleiht man einem Archiv? Um all diese und weitere Fragen richtig zu beantworten, hat sich die Samtgemeinde Hilfe geholt. Im ersten Schritt wird Martin Stöber vom Niedersächsischen Institut für Historische Regionalforschung e.V. (NIHR) in Hannover fünf Monate lang der Frage nachgehen, was an Substanz überhaupt vorhanden ist. „Das ist ein offener Prozess“, erläutert Stöber, der heute einen Werkvertrag zwischen der Samtgemeinde und dem NIHR unterzeichnete. Der Experte betont: „Es geht nicht um ein Heimatmuseum, da gehört das Spinnrad hin, uns geht es um Papier.“ Er wird sichten, bewerten, strukturieren und dann eine Empfehlung in Form eines Gutachtens aussprechen. Bisher sind 17 Umzugskartons mit Material aus den Mitgliedsgemeinden vorhanden. „Dinge, die im Kommunalarchiv nicht auftauchen, sind extrem wertvoll“, sagt Stöber mit Blick auf private, betriebliche und vereinsinterne Sammlungen. „Liefern Sie sie bei uns ab!“, lautet seine Bitte. „Die anstehende 1000-Jahr-Feier ist ein toller Anlass, über Geschichte nachzudenken“, merkt Ideengeber, Martin Thunich an und Samtgemeindebürgermeister möchte verhindern, dass das passiert, was oft der Fall ist. „Spätestens der Enkel schmeißt die alten Briefe weg und damit geht uns Alltagsgeschichte verloren“, mahnt er. Wichtig sei, dass die Zeugnisse der Vergangenheit gesichert würden.

Noch gibt es keinen Ort, eine Kooperation mit der Bücherei und später auch mit den Kirchenvertretern, die über viel historisches Material verfügen, ist angedacht. „Aber soweit sind wir noch nicht“, sagt Grube und bringt eine Eigenschaft der Samtgemeinde ins Spiel, die den Aufbau eines Archivs nahezu unerlässlich erscheinen lässt: „Immerhin sind wir Modellkommune für nachhaltige Entwicklung!“

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