„Es sind Kompromisse nötig“ – Sanierung der Altstädter Schule startet im Herbst

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Fr., 29.05.2020 - 15:01

CELLE. „Haesler-Architektur ist zarte Architektur, damit muss man pfleglich umgehen, wenn man sie restauriert“. Mit diesem prägnanten Satz kommentiert der neue, für Celle zuständige Landesdenkmalpfleger, Dr. Klaus Püttmann, den Entwurf für die Sanierung der 1928 von Otto Haesler errichteten Altstädter Schule in Neuenhäusen. „Sie sieht jetzt unscheinbar aus“, sagt der beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege angestellte Püttmann über die sogenannte „Glasschule“ und vermittelt damit einen Eindruck, wie Nicht-Celler auf das unter Denkmalschutz stehende Gebäude blicken.

Doch dieser Zustand soll in einigen Monaten der Vergangenheit angehören. „Wir haben etwas Gutes zu vermelden“, leitet Stadtbaurat Ulrich Kinder die Nachricht ein, dass vom Bund „bis zu 3,5 Millionen Euro für die Kosten der Schule bewilligt wurden“. Das Land Niedersachsen entscheidet erst im Laufe des Jahres, ob es sich beteiligt. Die Dortmunder Architekten und Stadtplaner, Profs. Spital-Frenking + Schwarz, haben einen Entwurf für den Umbau erstellt, den der Referatsleiter für praktische Denkmalpflege Püttmann als sehr professionelle Vorarbeit lobt. Seit März ist die Stadt mit ihm im Gespräch. „Er hat wichtige Hinweise zur Verbesserung der Pläne gegeben“, berichtet Kinder. Mehr als eine beratende Funktion hat der studierte Kunst- und Bauhistoriker Püttmann jedoch nicht inne. Die Stadt Celle ist sowohl als Bau- sowie als Untere Denkmalschutzbehörde zuständig. Das Landesministerium als Oberste Denkmalschutzbehörde delegiert an die Untere, erläutert Kinder und fügt hinzu: „Wir entscheiden eigenständig.“ Maßgabe hierfür ist häufig, so auch bei der Altstädter Schule oder aktuell der Haesler-Wohngruppe in der Schackstraße, die Funktionsfähigkeit der Gebäude nach heutigem Standard, was einen Spagat zwischen der Rekonstruktion des historischen Originals und den heutigen Erfordernissen an moderner Technik und Barrierefreiheit notwendig macht.

„Wir versuchen sehr strikt, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen“, sagt der Stadtbaurat und nennt als Beispiel de Wiederherstellung des von Haesler vorgesehenen Festsaals, der aktuell als Sporthalle dient, sowie den Eingangsbereich. Das Raumgefühl solle wieder erlebbar werden. „Die Altstädter Schule hat das Gebäude ja nie komplett ausgefüllt“, merkt Kinder an, „wir sind froh, dass wir mit der Sprachheilschule weiterhin eine schulische Nutzung haben.“ Allerdings hat diese Fördereinrichtung spezielle Ansprüche und damit ist damit eine Ursache für Püttmanns Aussage: „Es waren Kompromisse nötig.“ Mit der Anpassung an den Bedarf einer Sprachheilschule ist insbesondere der Lärmschutz ein Thema – zur Anwendung kommen Akustikputz und -decken sowie Teppichböden in den Klassenräumen. Durchbrüche zwischen den Klassenzimmern für verglaste Türen oder Seitenteile sind unerlässlich, weil die Kinder und die Pädagogen Differenzierungsräume benötigen, die aus den Unterrichtsbereichen heraus beaufsichtigt werden. Zudem wird ein Fahrstuhl eingebaut. „Die Umgestaltung erfolgt für und mit dem Landkreis“, betont der Stadtbaurat. Die Schule befindet sich derzeit noch im Eigentum der Stadt, wird in naher Zukunft jedoch veräußert an den Landkreis, die Verträge seien in Vorbereitung. Gemeinsam mit dem Landkreis werde im Rahmen des zweistufigen Verfahrens ein Antrag an den Bund fein abgestimmt.

„Im Herbst kann es mit den Arbeiten losgehen“, kündigt Ulrich Kinder an. Diese sind auf drei Jahre ausgelegt, 2023 soll die Sprachheilschule einziehen. Die Frage, ob man die Celler Experten der Otto-Haesler-Initiative einbeziehe in die Planung, um Unzufriedenheit wie im Falle der Balkon-Sanierung in der Schackstraße zu vermeiden, verneint der Verwaltungsbeamte mit dem Hinweis: „Wir sind alle Haesler-Experten!“