Schließung der Grundschule Eversen: Ausschuss-Mehrheit will noch warten

Politik Von Susanne Zaulick | am Do., 25.06.2020 - 14:54

BERGEN. Nach der gestrigen Sitzung des Schulausschusses können alle, die sich derzeit für den Erhalt der Everser Grundschule stark machen, einen Etappensieg verbuchen. Unter dem Tagesordnungspunkt „Einleitung eines Verfahrens  zur Zusammenlegung der Grundschulen Dahlhof Sülze und Eversen“ sorgten die Mitglieder von CDU und SPD mit ihren insgesamt neun Stimmen für die Vertagung des Verfahrens. 2023 sollen die dann aktuellen Kosten und voraussichtlichen Schülerzahlen erneut bewertet werden. Die vier Mitglieder von WG, Grünen, FDP und AfD sind hingegen dafür, das von der Verwaltung vorgeschlagene Verfahren bereits jetzt in Gang zu setzen. Denn Einsparpotentiale (derzeit wird mit 51.000 Euro jährlich gerechnet) seien unbestreitbar, es gäbe auch pädagogische Argumente für den Zusammenschluss und mit voraussichtlich drei Erstklässlern im Jahr 2023 und vier in 2024 dürfte es schwierig werden, den Weiterbetrieb der kleinen, seit 1950 bestehenden Dorfschule, zu rechtfertigen.

Letztes wissen auch die CDU- und SPD-Ausschussmitglieder, von denen vier in Eversen leben. „Es gilt die normative Kraft des Faktischen“, so Dr. Rüdiger von Borcke (SPD). Übersetzt: Wenn die Schülerzahlen nicht mehr ausreichend sind, ist die Schließung wohl unumgänglich. „Aber der Moment ist noch nicht da“, so von Borcke. Deswegen kämpft der Ort weiter für seine Schule. Die von der Verwaltung vorgelegten Zahlen ließen „erhebliche Zweifel“ aufkommen, erklärten Everser CDU- und SPD-Mitglieder im Ausschuss übereinstimmend. Der Ortsrat hat nicht nur die Stunden von Sekretärin und Hausmeister bzw. Bauhof unter die Lupe genommen und sie für zu hoch angesetzt befunden, sondern stellt auch die von der Verwaltung angesetzte Schülerzahl von 49 zur Debatte: Inklusionsschüler würden bei solchen Erhebungen doppelt gezählt, wodurch man auf 52 Schüler komme. 

Gerd Friedrich (CDU) erinnerte zudem daran, dass auch der Umbau der Grundschule Sülze Kosten verursache,  ebenso wie der Schülertransport, auch wenn Letzterer  vom Landkreis und nicht von der Stadt finanziert wird. Außerdem könne die Everser Schule als Ausweichquartier benötigt werden, falls die Hinrich-Wolff-Schule umgebaut werden sollte. Björn Frieling (CDU), der die Analyse der städtischen Zahlen vorgetragen hatte, mahnte zudem an, dass der Sülzer Jugendtreff „Aspik“ seine Räume in der Grundschule Sülze räumen und dass in Eversen möglicherweise ein neuer Spielplatz als Ersatz für den an der Schule gebaut werden müsse. Zudem bezweifelt man in dem Örtze-Ort , dass für das leerstehende Gebäude eine Nachnutzung gefunden wird.

Generell nicht nur auf die Zahlen zu schauen, dafür plädierten die SPD-Mitglieder. Vom Landkreis habe man die Aussage bekommen, dass keine Schule allein aufgrund von Zahlen geschlossen werden müsse, so Ros-Marie Siemsglüß (SPD). „Die Everser Schule ist eine ganz wichtige und besondere Schule“, erklärte Rüdiger von Borcke und wies auf besondere Auszeichnungen wie die „Plattdüütsche School“ hin.

Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller (parteilos), die an der Sitzung als Gast teilnahm, dankte der Verwaltung für die Ermittlung der Zahlen und dem Ortsrat für seine Prüfung und Korrekturen, die laut Ausschuss-Empfehlung eingearbeitet werden sollen. Die Bürgermeisterin appellierte auch an die anwesenden Politiker und Zuhörer. „Wir streben die bestmögliche Lösung an. Die kann aber in der Politik immer nur ein Kompromiss sein“. Dass nun in einer öffentlichen Schulausschuss-Sitzung über die Zahlen diskutiert werde und nicht, wie in einer Ratssitzung im Februar von Henning Otte (CDU) beantragt im nicht öffentlichen Verwaltungsausschuss, sei richtig. Sie erklärte zudem, dass rein rechtlich der Verwaltungsausschuss die Entscheidung über eine Schulschließung an sich ziehen könne. 

Im Rahmen der Einwohnerfragestunde äußerten Anna-Maria von Harling, Vorsitzende des Elternrats der Grundschule Eversen und ein Vater ihr Unverständnis darüber, dass nun ein Verfahren zur Zusammenlegung beider Schulen in Gang gebracht werden solle, wohingegen in mehreren Sitzungen Beschlüsse gefasst worden seien, die den Erhalt der Schule über 2021 hinaus zum Ziel gehabt hätten. Im Februar hatte sich der Rat mehrheitlich für den Erhalt der Schule für weitere zwei Jahre ausgesprochen. Anlass war unter anderem die Ausschreibung der Rektorenstelle, die ab kommendem Schuljahr zu besetzen ist.

Im Nachgang zur Sitzung gab es heute von der Bürgermeisterin noch ein schriftliches Statement:

"In der gestrigen Schulausschusssitzung gab die Verwaltung der Stadt Bergen unter anderem Mitteilung über die wirtschaftlichen Verhältnisse aller Grundschulen im Stadtgebiet. Vertreter der Elternschaft und der Politik stellten im Laufe der Sitzung Rückfragen zur Berechnungsgrundlage in Bezug auf die Grundschule Eversen. Wir freuen uns, dass die Politik und die Bürgerinnen und Bürger sich so intensiv mit dem Thema beschäftigen. Eine verantwortungsvolle Entscheidung erfordert eine gründliche Prüfung der Entscheidungsgrundlage. Effizienter wäre es gewesen, wenn uns die Fragen zur Kostenermittlung im Vorfeld der Sitzung zur Verfügung gestellt worden wären. Das hätte eine direkte Klärung ermöglicht. So nehmen wir die angebrachten Rückfragen gern zum Anlass, die Zahlen erneut zu prüfen. Die Ergebnisse werden wir der Politik in der üblichen Gremienfolge vorlegen.

Neben den Zahlen enthielt die Mitteilung eine Schilderung, welche Schritte bezüglich einer möglichen Zusammenlegung der Eversener mit der Sülzer Grundschule zum Schuljahr 2021/2022 einzuleiten wären. Dabei handelte es sich nicht um eine bindende Handlungsempfehlung. Die Darstellung sollte lediglich als Diskussionsgrundlage und zur Veranschaulichung des Verfahrens dienen.

Als Mutter kann ich die Sorgen und Wünsche der Eltern in Eversen in Bezug auf die Zusammenlegung sehr gut nachvollziehen. „Auch ich würde mir für meine Kinder einen möglichst kurzen Schulweg und kleine Klassen wünschen. Aber als Bürgermeisterin muss ich verantwortlich für die gesamte Stadt handeln. Auf Grundlage der vorliegenden Zahlen bezweifle ich stark, dass ein dauerhafter Erhalt der Schule aus finanzieller Sicht zu befürworten ist. Nichtsdestotrotz obliegt die Entscheidung für oder gegen einen Erhalt der Grundschule Eversen nicht mir oder der Stadtverwaltung. Die Entscheidung trifft allein der Rat der Stadt Bergen.“