Theater-Sommer fast ohne Open Air – Schlosstheater stellt neue Spielzeit vor

Theater Von Anke Schlicht | am So., 21.06.2020 - 21:51

CELLE. „Fünf Monate ohne Theater“, sagt Intendant Andreas Döring während der Vorstellung der Spielzeit 20/21. Er kommt auf fünf, weil er zurückrechnet vom 21. August. Erst dann ist das Schlosstheater fürs Publikum zurück aus der Corona-Zwangspause.

Die Studios „Malersaal“ und „Turm“ bleiben geschlossen, bespielt wird die Hauptbühne und die Halle 19. Corona drückt der Präsentation des Programm den Stempel auf, von rein praktischen Notwendigkeiten wie die Verringerung der Plätze im Zuschauerraum, die Abonnementverwaltung und Ticketvergabe bis hin zu den Themen der Stücke – das Virus hat alles verändert. „Es gibt ein paar Stücke, die kann man nicht spielen“, erläutert der Intendant. Man müsse sich ja stets fragen, wie das Ganze unter Einhaltung der Abstandsregeln umzusetzen sei. „Theater muss im Wesenskern erhalten bleiben!“, betont Döring, aber die besonderen Zeiten sollten sich widerspiegeln, „Form und Inhalt sollten einhergehen“, beschreibt er einen Leitfaden für die Auswahl der Inhalte. Solidarität und Zusammenhalt sind aus seiner Sicht eng verknüpft mit der Krise: „Was heißt das für uns als Theater, als Stadt?“, stellt er rhetorisch in den Raum. „Uns ist auch Zeit geschenkt worden, es ist ein anderer Spielplan als ursprünglich geplant“, berichtet der Intendant.

Dessen Auftakt bildet das Musical „Der kleine Horrorladen“ von Alan Menken und Howard Ashman. Es wird am 21. August im Schlossinnenhof Premiere feiern und ist damit das einzige Open-Air-Stück in der Corona-Saison. Die Abende sind schon nicht mehr so lang und warm, wenn die zweite Premiere ansteht: Am 11. September geht es weiter mit der theatralen und musikalischen 80-tägigen Reise um die Welt nach Jules Verne. Andreas Döring wird Regie führen: „Eine sehr poetische, musikalisch-assoziative Reise zum Theater“, erläutert der Regisseur. „Abständige Nähe“, liefert indes der neue Dramaturg des Hauses, Moritz Peters, als Schlüsselbegriff für den Klassiker, den er sich für sein Debüt auch als Regisseur in der Residenzstadt ausgesucht hat: „Die Möwe“ von Anton Tschechow feiert am 25. September Premiere. Dass das Sehnsuchtsmotiv von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, reizt Peters an Tschechows Komödie. Ein klassisches Kinder-Schulstück wird es in diesem Winter nicht geben. Unterhaltung für die gesamte Familie zur Weihnachtszeit bietet „Momo“ nach dem Buch von Michael Ende. Zwei Stücke, die in der abgelaufenen Saison Corona zum Opfer fielen, gehen dem Publikum nicht verloren. „Amadeus“ wird im April 2021 wieder aufgenommen, ihm voraus geht die Uraufführung des schon vielfältig angekündigten Stückes mit Lokalbezug „Alles, was wir wissen konnten“ von Ariella Kornmehl, der Bergener Stadtschreiberin.

Die Vorstellung aller weiteren Stücke, die von herausragenden politischen Ereignissen wie dem Friedensprozess in Nahost über Shakespeare bis hin zu Medienkritik in „Network“ reichen, lädt ein zu einer spannenden Theatersaison. Der Ticketvorverkauf beginnt am 1. Juli 2020, die Theaterkasse hat durchgehend geöffnet.