Schlosstheater - Vieles neu nach Corona! Von Flex-Abo bis Resonanzraum

Theater Von Anke Schlicht | am Di., 22.06.2021 - 11:54

CELLE. Keiner der kreativen Köpfe, die sich für die Präsentation der Spielzeit 2021/2022 im Zuschauerraum des Schlosstheaters niedergelassen haben, sagt es, aber „zwischen den Zeilen“ schimmert es durch: Es steht etwas auf dem Spiel. Ein großer Teil der Abonnenten ist während der corona-bedingten Zwangspause abgesprungen. „Wiederbelebung“ lautet ein Schlagwort des Termins mit Perspektivwechsel. Die Medienvertreter sitzen dort, wo sonst die Theaterverantwortlichen agieren. „Wir haben das bewusst so gemacht, denn ein Thema ist, wie es hier weitergeht“, sagt Intendant Andreas Döring mit Betonung auf „hier“, also die Plätze vor der Bühne, die künftig in flexiblerer Form von den Theaterinteressierten gebucht werden können (Details sind dem neuen Spielzeitheft, das an der Theaterkasse in der Schuhstraße und an anderen Stellen ausliegt, zu entnehmen).

Eine Neuerung, die vertiefende Informationen und Austausch zwischen Machern und Konsumenten von Theaterkunst verspricht, ist das Format „Resonanzraum Theater“. Nicht bei Premieren, aber bei einzelnen Aufführungen wird es das Kompaktangebot Experten-Impulsreferat – aus unterschiedlichen Professionen – vorneweg und reflektierendes Gespräch im Nachgang der Präsentation des Stückes geben. „Das ist ein Zusatzangebot“, erläutert der Intendant, das der Idee, Theater stärker als Resonanzraum zu nutzen, folgt. Insgesamt setzen die Verantwortlichen in Zukunft noch ausgeprägter als bisher darauf, Möglichkeiten der Begegnung zwischen dem Publikum und den Akteuren zu schaffen, so soll in der Halle 19 beispielsweise ein Bereich eingerichtet werden, um die Zeit vor dem Start der Aufführung für Kommunikation zu nutzen. Aber auch über sehr praktische Dinge hat das gesamte Team nachgedacht und wiederum einen Perspektivwechsel vorgenommen, sich nämlich in die Logen und Ränge gesetzt. „Die Sichtlinien zur Hauptbühne werden optimiert werden“, hat Döring eine gute Nachricht für alle Theaterbesucher im Gepäck. Und für diejenigen unter ihnen, die es vorziehen, Schauspiel und Musik in ihren Wohn- oder gar Arbeits- oder Lernorten zu genießen, hält der Intendant eine weitere positive Info bereit: „Rausgehen vor Ort – das müssen wir stark wiederbeleben.“

An Inhalten für derartige Ausflüge fehlt es nicht. Das Programm der neuen Spielzeit, die am 10. September mit der Komödie „Der nackte Wahnsinn“ auf der Hauptbühne startet, ist überaus vielfältig, einige Stücke werden wie die bei der Premiere kurz vor Beginn der Pandemie frenetisch gefeierte Inszenierung „Amadeus“ von Andreas Döring wieder aufgenommen, andere wie „Die weiße Krankheit“ oder „Furor“ sind online erstaufgeführt worden und kommen nun in analoger Form auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Die Stoffe decken eine Bandbreite von Klassik bis Gegenwart ab, an Kinder und Jugendliche („Tschick“, Halle 19; „Der kleine dicke Ritter“) wurde ebenso gedacht wie an Musikfans („The black rider“). Das Team um den Intendanten hat die Voraussetzungen für die intendierte Wiederbelebung nach Corona geschaffen. Gefragt sind nun diejenigen, die üblicherweise die Plätze vor den Bühnen einnehmen.