*Aktualisiert* Schluss mit lustig: "Polizeiauto" beschlagnahmt

Blaulicht + Verkehr Von Peter Fehlhaber | am Fr., 25.10.2019 - 09:24

CELLE. Ein Polizeiauto gerät in eine Verkehrskontrolle und wird beschlagnahmt. Klingt komisch? Ist aber so. Genau das ist gestern Nachmittag Oleksandr Shevchenkos passiert. Sein "Fake"-Streifenwagen war der Star von Kindergeburtstagen und sonstigen "Einsätzen" und weckte nach unserer Berichterstattung auch das Interesse anderer Medien über RTL bis Sat.1 - die müssten ihren für heute geplanten Dreh eigentlich absagen, kommen aber jetzt "erst recht".

Blaulicht, Magnet-Matten mit der Aufschrift „Polizei“, ein Mikrofon für Durchsagen und eine Telefonattrappe: Shevchenkos Polizeiauto ist mit allen Funktionen ausgestattet, die ein Streifenwagen benötigt - aber er kann viele nicht einsetzen, weil es Gesetz verbietet. Wenn er das Fahrzeug bewegt, müssen Polizei-Schriftzüge demontiert und das Blaulicht abgedeckt werden.

"Jemand wollte mich jedoch anschwärzen und hatte behauptet, ich hätte Fahrradfahrer kontrolliert", so der Autohändler. Darum ermittelt die Polizei wegen "Amtsanmaßung". Um die Sache zu klären, schaltete er seinen Anwalt ein. Im Rahmen der Ermittlungen sollte der Celler bei der Zulassungsstelle vorfahren. Dort wurde der Wagen begutachtet, u.a. durften die Magnetschilder nicht reflektieren, was auch nicht der Fall gewesen sei. Beim Blaulicht-Aufbau waren sich die Experten zunächst unsicher, forderten ihn dann aber auf, diese abzubauen. Grund: "Jede Form von Beleuchtung am Fahrzeug muss funktionieren, diese darf aber nicht funktionieren." Eine Weiterfahrt sei ausdrücklich nicht untersagt worden. 

Irritiert fragte Shevchenkos bei der Berliner Agentur nach, von der er das Fahrzeug erworben hatte. Sie bestätigte, dass es dort drei Agenturen mit rund 80 "Fake-Fahrzeugen" gäbe - nie Ärger mit Polizei oder sonstigen Behörden. Die Blaulichteinheit gelte als Dachaufbau bzw. Dachgepäckträger.

Diesen Aufbau wollte der Polizeiwagenvermieter gestern beim TÜV nachtragen und bestätigen lassen, doch auf der Fahrt dorthin wurde er von seinen "Kollegen" aus dem Verkehr gefischt. Zur Verstärkung wurden zwei weitere Streifenwagen angefordert. Sechs Beamte konfiszierten in Höhe des Baker Hughes Kreisels das Fahrzeug und ließen einen verdutzten Geschäftsmann zurück. "Die Polizei kennt doch meine Anschrift und den Vorfall - warum musste dieser Einsatz sein?", fragt sich der Autohändler. 

Zurück bleibt diese Frage und wohl viele traurige Kinderaugen, die sich in der kommenden Woche auf ihren ganz persönlichen Polizeieinsatz gefreut hatten. Übrigens: Die Nutzung eines Blaulichts, frei im Handel zu erwerben, kostet lediglich 20 Euro Bußgeld - wenn man erwischt wird. 

Nachtrag Polizeimeldung (unzensiert): 

Gestern Nachmittag kamen sich zwei Streifenwagen im fließenden Verkehr auf der Kreisstraße 74 entgegen - ein "richtiger Streifenwagen" der Polizei Celle und ein Opel Vectra, der als Polizeiauto-Nachbildung als Vermietungsobjekt in Garßen und Umgebung bereits bekannt war. Das Streifenwagen - Imitat war in Richtung Altencelle unterwegs.

Bereits in der vergangenen Woche hatten die Ermittler der Polizei Celle ein Strafverfahren wegen Verdachts der Amtsanmaßung gegen den 33-Jährigen Halter des Wagens aus Garßen eingeleitet, denn das Auto vermittelt dem objektiven Betrachter auf Grund der blau-silbernen Lackierung, der Aufschrift "Polizei" und der Blaulichtanlage auf dem Dach durchaus den Anschein, es handele sich um ein echtes Dienstfahrzeug der Polizei.

Der Fahrer eines solchen Fahrzeugs könnte damit den Eindruck erwecken, er sei ein Polizeibeamter mit hoheitlichen Aufgaben. Der Opel Vectra wurde schließlich an der Baker-Hughes-Straße angehalten und kontrolliert.

Der Fahrer gab an, auf dem Weg zum TÜV zu sein. Er vermiete das Fahrzeuge gewerblich unter anderem für Kindergeburtstage.

Das Blaulicht war zum Zeitpunkt der Fahrt nicht in Betrieb. Die Aufschrift "Polizei" auf der Motorhaube war halb abgedeckt.

Da durch die Fahrt im öffentlichen Verkehrsraum nun erneut der Verdacht der Amtsanmaßung vorlag, wurde der Wagen als Beweismittel beschlagnahmt und eine Strafanzeige gefertigt.